Godfall (2020)

Godfall (2020)

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PS5-Review: Ein Debüt mit Schwächen

So entspannt wie hier, geht es für Orin selten zu und her.
So entspannt wie hier, geht es für Orin selten zu und her. © Gearbox Publishing

In Counterplay Games Debüt-Loot-Action-Rollenspiel nehmen die Spieler die Rolle eines der letzten valorianischen Ritter, Orin, ein. Dieser wurde nach einem vernichtenden Krieg gegen seinen verräterischen Bruder Macros geschlagen und in den Abgrund gestossen. Um Macros endgültigen Aufstieg zu einem Gott und somit der Untergang seiner Welt Aperion zu verhindern, muss sich Orin alleine oder mit Hilfen von bis zu drei Verbündeten im «Spieler gegen Umgebung»-Online-Koop-Game zurückkämpfen und dabei viele Prüfungen bestehen, massenweise Waffen und Hilfsobjekte sammeln, unzählige Gegner abschlachten und dabei insgesamt 12 Archons-Rüstungen freischalten. Auf in den Kampf!

Obwohl es weder an Inhalt noch an Archons-Rüstungen mangelt, wirkt das Action-Rollenspiel konzeptionell fade und oberflächlich. Die Reise an sich, die grafische Pracht sowie das Gameplay und der Loot wären durchaus die Mühe wert, trotzdem will der Funke nicht überspringen. Es ist zwar alles da - sogar ohne Mikrotransaktionen - und trotzdem: Ob es an den repetitiven Arealen und Kämpfen, dem Fehlen eines sinnvollen und tiefgreifenden Ansatzes bei den Archons und Waffen oder der Langzeitmotivation an sich liegt, ist schwer zu sagen. Fakt ist, dass Godfall noch nicht begeistert. Und das ist bei diesem kurzweiligen Gameplay und der tollen Grafik einfach schade.

Wer hat noch nicht und möchte noch?
Wer hat noch nicht und möchte noch? © Gearbox Publishing

Dramaturgisch ist Orins Rache- bzw. Rückkehr-Feldzug nicht wirklich was für die Geschichtsbücher, auch weil sehr viele Charaktere und Aspekte schlichtweg ignoriert und nicht beantwortet werden. Dennoch erfüllt die Story ihren Zweck. Zur Auswahl stehen hauptsächlich drei (vier mit dem Prolog) optisch unterschiedliche Gebiete mit unterschiedlichen, labyrinthartigen Gängen, in denen nebst Haupt- und Jagdmissionen viele Gegner, Geheimnisse und versteckte Schätze warten. Die Erkundung fällt - vor allem zu Beginn - äusserst motivierend aus, auch wenn man in den verschachtelten Labyrinthen eine Übersichtskarte arg vermisst. Leider nutzt sich dieser positive Effekt schnell ab, nicht zuletzt, weil jeder Fortschritt von bestimmten Fragmenten abhängig ist, womit bekannte Gebiete immer wieder aufs Neue besucht und durchstreift werden müssen.

Mehr Abwechslung in Form von mehr Gebieten oder Ebenen hätten sicherlich nicht geschadet, ebenso das Verstecken von Geheimnissen hinter bestimmten Fähigkeiten, wie man dies aus anderen Titeln kennt. In diesem Zusammenhang zeigt sich auch gleich eine weitere grosse Schwäche von Godfall: die zentralen Rüstungen selbst. Diese haben fernab von der Optik nur minimale spielerische Unterschiede vorzuweisen, wodurch sich das gesamte System irgendwie sinnlos und fade anfühlt. Das Freischalten von neuen Rüstungen sorgt kaum für Genugtuung und bietet langfristig kaum Vorteile, womit sich der Einsatz der wichtigen Ressourcen rechtfertigen liesse.

Waffen schwingen kann er gut!
Waffen schwingen kann er gut! © Gearbox Publishing

Die verschiedenen Waffen in Form von Langschwertern, Stangenwaffen, Kriegshämmern, Grossschwertern und Doppelklingen können schon deutlich besser bewertet werden, da sie in Zusammenarbeit mit dem guten und spassigen Kampfsystem für positive Momente sorgen. Die verschiedene Handhabung und Wucht der einzelnen Waffen sind spielerisch deutlich spürbar und werden durch die freischaltbaren Fähigkeiten gelungen ergänzt. Dank dieser gelungenen Mechaniken fällt die Action äusserst unterhaltsam aus, insbesondere in den fordernden Bosskämpfen.

In diesem Kontext muss ein weiterer tragender Aspekt positiv hervorgehoben werden und zwar die Loot-Mechanik. Die unterschiedlichen Waffen und Hilfsmittel sind interessant, und es ist durchaus motivierend, stetig nach noch besseren Werkzeugen und Kombinationen zu suchen und mit diesen zu experimentieren. Der Mehrspieler-Aspekt ist nicht berauschend und bei Weitem nicht auf dem Niveau eines Monster Hunter, erfüllt jedoch den Zweck und sorgt so für die nötige Abwechslung in den sonst eher monotonen Ausflügen.

Gestern am Abgrund und heute einen Schritt weiter.
Gestern am Abgrund und heute einen Schritt weiter. © Gearbox Publishing

Ähnlich verhält es sich auch mit der grafischen bzw. technischen Leistung. Sowohl Optik als Akustik sind überaus positiv zu bewerten, genauso wie die technische Leistung allgemein. Die Ladezeiten sind kurz, die Kollisionsabfrage sauber und die restlichen Aspekte allesamt gelungen, womit also die technische Umsetzung sehr gut ausfällt.

Es enttäuscht also umso mehr, dass Godfall vorwiegend an dem bereits erwähnten konzeptionellen und strukturellen Schwächen scheitert. Mit ein paar wenigen, aber besser ineinandergreifenden Elementen, wie zum Beispiel Valorplatten-Klassen in Kombination mit bestimmten Waffen oder mehr Abwechslung und Tiefgang in den Gebieten, hätte man diese Schwächen ohne Weiteres wettmachen und die Langzeitmotivation deutlich verbessern können. Was nicht ist, könnte aber noch werden, sofern Counterplay Games das Spiel weiter unterstützt und so die vielen guten Ansätze zu einem rundum gelungenen Gesamtpaket verflechtet. Sollte dies der Fall sein, dürfte dies durchaus ein wichtiger und würdiger Genre- und PS5-Vertreter werden.

/ Antonio Prosperati [pan]

Trailer: Launch Englisch, 01:53