Ghostrunner (2020)

Ghostrunner (2020)

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PS4-Review: The Last Cyber-Samurai

Oh, hat der BBQ-Laden noch offen?
Oh, hat der BBQ-Laden noch offen? © All In! Games

Nach einer atomaren Katastrophe ist die Erde nicht mehr bewohnbar. Die Überlebenden haben sich in den Dharma Tower zurückgezogen. Über dieses Gebiet herrscht jedoch mittlerweile eine machtsüchtige Tyrannin, genannt The Keymaster, die den Menschen eine Zukunft im Freien verspricht - und ihnen hinterrücks den freien Willen entziehen will.

Der Architekt des Turms will nun etwas dagegen unternehmen. Er schickt einhundert Ghostrunner - Polizisten in Form von Elite Cyber-Ninjas - auf die Regierende los, wobei alle scheitern. Der letzte Ghostrunner wird von einer Gruppe Rebellen gefunden und wieder zusammengeflickt. Dieser hat nur ein Ziel: den Keymaster stürzen.

Nach etwas weniger als neun Stunden und etwas mehr als 1300 Toden lief der Abspann. Ghostrunner ist ein stahlhartes Stück Cyberpunk-Action mit einer visuell enorm ansprechenden Spielwelt und befriedigendem Gameplay. Die Abwechslung zwischen Gegner-Halbieren, stylischen Cyberlevels und Platforming-Abschnitten gelingt gut. Allerdings erwartet das Spiel oft eine Präzision, die es selbst nicht bieten kann. Ausserdem wirkt das Level äusserst offensichtlich konstruiert mit zu wenig Freiraum. Wer über dies hinwegsehen kann und mit einer gewissen Frustresistenz gesegnet ist, kann guten Gewissens zugreifen, speziell für einen Budget-Titel.

Bitte nicht über die Kabel stolpern.
Bitte nicht über die Kabel stolpern. © All In! Games

Das Cyberpunk-Setting erfreut sich seit einigen Jahren grosser Beliebtheit. Games aller Art greifen auf das visuell stark durch Blade Runner inspirierte Genre zurück. So auch das polnische Studio One More Level mit seinem Debüt-Game Ghostrunner. Man könnte dieses als eine Mischung aus Mirror's Edge, Ruiner und Hotline Miami beschreiben.

Ghostrunner hat sich voll und ganz dem Cyberpunk-Irrsinn hingegeben. Von Techno-Babble-Begriffen wie Cybervoid Mainframe über metallisch-dreckigen, mit farbigen Neonlichtern beleuchteten Wolkenkratzern bis zum wummernden Soundtrack von Synthwave-Koryphäe Daniel Deluxe ist alles dabei. Die Handlung ist zwar schwach, doch die Spielwelt ist wahnsinnig stylisch und bietet immer wieder Momente, in denen man kurz innehält und einfach die Umgebung geniesst. Schade, dass man viel Zeit in charakterlosen, eher langweiligen Fabrikhallen verbringt anstatt in der Stadt.

Hat jemand ein Tüechli? Ich hab mich vollgekleckert.
Hat jemand ein Tüechli? Ich hab mich vollgekleckert. © All In! Games

Dazu kommt, dass nur die Orte, die man als Spieler auch besucht, wirklich cool aussehen. Der Rest der sichtbaren Stadt wirkt total leer. Dies geht Hand in Hand mit der Problematik, dass das Leveldesign äusserst konstruiert wirkt. Vor allem in den Platforming-Abschnitten ist dies sehr offensichtlich. Abgesehen davon funktioniert es als Platformer erstaunlich gut und bietet einige knifflige Stellen.

Apropos knifflig: Ghostrunner ist sauschwer. Denn wenn man nicht über Zahnräder oder elektrisch geladene Wände springt, säubert man Räume von Gegnern. Hier kommt der Hotline-Miami-Aspekt zum Zug: ein Treffer, ein Kill. Sowohl für die Gegner als auch für die Spieler. Und gewisse Abschnitte sind so stahlhart, dass man am liebsten in den Controller beissen möchte.

Dabei stellen sich nicht nur die Gegner dem Spieler entgegen, sondern auch das Spiel selbst. Denn Ghostrunner verlangt gelegentlich eine Präzision, die es selbst nicht bieten kann. Kombiniert mit dem erwähnten Leveldesign kann dies zu Frustmomenten führen. Wenn man dann aber den letzten Gegner mit einem befriedigenden Katana-Slash umlegt, ist die Erleichterung umso grösser.

Cyber-Torii-Tore!
Cyber-Torii-Tore! © All In! Games

Gelegentlich wird diese Struktur von Cybervoid-Levels unterbrochen, in denen man neue Skills lernt. Diese sind eine willkommene Abwechslung, sowohl visuell als auch inhaltlich. Denn das Cyber-Japan, dass hier kreiert wurde, sieht umwerfend aus. Und die kleinen Rätselchen machen ebenfalls Spass und beruhigen das Geschehen zwischendurch.

Selbstverständlich gibt es auch Bosskämpfe, welche leider eher enttäuschend sind. Es handelt sich dabei vor allem um glorifizierte Quick-Time-Event-Schlachten und alles, was man bisher gelernt hat, wird aussen vorgelassen. Was wiederum sehr clever gelöst ist, ist das Levelingssystem. Es gibt keinen klassischen Skilltree, sondern eine Matrix, in der man Tetris-eske Klötze platziert. Wer da klug puzzlet, kriegt mehr Skills rein. Ausserdem ist die Matrix jederzeit anpassbar.

Wenn man mit einer gewissen Frustresistenz gesegnet ist und über das mässige Leveldesign hinwegsehen kann, bietet Ghostrunner durchaus gute Cyberpunk-Unterhaltung.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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Trailer: Pax 2020 Englisch, 01:19