Final Fantasy VII Remake (2020)

Final Fantasy VII Remake (2020)

PS4-Review: Nostalgie Remaked

Ach, da kommt Nostalgie auf!
Ach, da kommt Nostalgie auf! © Entwickler / Publisher

Vor 23 Jahren hat Square Enix (damals noch Squaresoft) mit Final Fantasy VII einen Meilenstein geschaffen. Die beliebte und langlebige Rollenspielreihe hat mit dem siebten Teil den Sprung ins 3D-Zeitalter mit Bravour gemeistert und gilt heute dank der tiefgründigen (und immer noch aktuellen!) Story, den kultigen Charakteren und dem gelungenen Kampfsystem für viele als Favorit der ganzen Reihe.

Nach jahrelangem Wunschdenken der Fans hat Square Enix im Jahre 2015 Nägel mit Köpfen gemacht und ein Remake des Mammutspiels angekündigt. Wegen seiner schieren Grösse als Episodentitel angelegt, soll die Geschichte erweitert, in bombastischer Grafik, Vollvertonung und modernem Kampfsystem auf die heutige Spielerschaft losgelassen werden. Aber kann der Titel seiner überlebensgrossen Vorlage überhaupt gerecht werden und gelingt ihm der heikle Balanceakt zwischen Modernisierung und Tradition?

Ein liebevoll gemachtes Remake, das sich durch die wechselhafte Grafik, gestreckten Spielpassagen und inneren Logiklücken selbst ein Bein stellt. Story, Atmosphäre, Animation und vor allem die Musik begeistern aber auf ganzer Linie. Somit ist Final Fantasy VII Remake ein gelungener Neustart für Nostalgiker und Neulinge, der aber noch Verbesserungspotential für die kommenden Episoden bietet.

Aerith bleibt auch im Remake die gute Seele des Teams.
Aerith bleibt auch im Remake die gute Seele des Teams. © Entwickler / Publisher

Die Stadt Midgar. Eine Metropole, die durch Mako-Energie betrieben wird und so den Bewohnern ein fortschrittliches Leben ermöglicht. Mako-Energie ist aber entgegen der Propaganda der herrschenden Shinra Coproration kein unbegrenzter Rohstoff, sondern die Lebensenergie des Planeten selbst! Die Öko-Terrorgruppe Avalanche plant einen Anschlag auf einen der Mako-Reaktoren ohne zu wissen, dass sie damit einen schlafenden Riesen wecken und in eine politische Intrige verwickelt werden, die ihr Leben auf den Kopf stellt.

Die Story des Remakes deckt den relativ kurzen (am ganzen Umfang des Originalspiels gemessen) Anfangsabschnitt in Midgar ab und lässt den Spieler nach seinem doch überraschenden Cliffhanger-Ende etwas ratlos zurück. Wann geht es weiter? Wie geht es weiter? Fragen, die selbst Square Enix noch nicht beantworten kann. Aber taugt das, was bisher da ist?

Cloud in seinem Element.
Cloud in seinem Element. © Entwickler / Publisher

Wir steuern den Ex-Shinra Söldner Cloud - waschecht mit blonder Igelfrisur - der im Verlauf der rund 40-stündigen Kampagne an der Seite von Avalanche kämpft. Anders als noch vor 23 Jahren erleben wir Midgar und die darunter liegenden Slums in modernem Grafikgewand, hören vollvertonte Dialoge (wahlweise in Deutsch, Englisch oder Japanisch!) und lauschen der kultigen Musik von Nobuo Uematsu in atemberaubend epischer Frischzellenkur. Die Story wurde im Vergleich zum Original an einigen Stellen erweitert, geht vertieft auf ehemals unbedeutende Nebenfiguren ein und zeichnet so ein differenzierteres Bild der Geschehnisse.

Die Spielwelt ist so schön wie nie!
Die Spielwelt ist so schön wie nie! © Entwickler / Publisher

Neu ist ebenfalls das Kampfsystem, das einen Hybrid aus dem aus früheren Serienteilen bekannten ATB-System und den actionorientierten Scharmützeln eines Kingdom Hearts darstellt. Konkret: Jede Figur verfügt über zwei Balken, die sich langsam aufladen. Mit aufgeladenem Balken lassen sich dann Fertigkeiten, Gegenstände oder Zauber wirken. Manche Aktionen verbrauchen dabei einen, stärkere Zauber und Angriffe hingegen gleich beide Balken. Reguläre Attacken und Blocks brauchen keine Balken und können beliebig eingesetzt werden.

In der Praxis bedeutet das taktische Manöver und geschickt eingesetzte Attacken, um die Schwächen der Gegner zu nutzen, sie zu schocken und so noch härter zu treffen. Im Kampf aktiv steuerbar ist immer ein Teammitglied, jedoch kann man zwischen den anderen hin und her wechseln oder ihnen per Knopfdruck Befehle erteilen. Die aus dem Original bekannten Materia blieben erhalten. Diese leuchtenden Mako-Kugeln beinhalten einzelne Fähigkeiten, Beschwörungen oder Zauber und werden taktisch in Waffen oder Rüstungsteile angelegt und aufgelevelt.

Auch wieder dabei: Materia-Kugeln!
Auch wieder dabei: Materia-Kugeln! © Entwickler / Publisher

Die Technik ist ein zweischneidiges Schwert. Die Animationen sind flüssig, die Hauptfiguren hübsch modelliert, die Licht- und Partikeleffekte bombastisch. Midgar erstrahlt in einem düsteren, grünen Licht und ist schöner als je zuvor. Leider aber finden sich immer wieder unfassbar hässliche Texturen - nicht nur abseits des Hauptwegs - die in einem Spiel von diesem Kaliber einfach nichts verloren haben. Schaut man genauer hin, findet man matschige Fototapeten, unscharfe Boden- und Wandtexturen und steife, detailarme NPCs. Alles in allem stimmt aber die Atmosphäre und der Titel läuft flüssig und bugfrei.

Das Leveldesign überzeugt dafür leider nicht immer. In insgesamt 19 Kapiteln wird der Spieler durch die bekannten Orte wie die Slums, die Kirche und den Nachtmarkt geführt. Leider meist streng linear mit wenig Seitenwegen zum Erkunden. Viele der Wege sind unnötig in die Länge gezogen. Das irritiert besonders dann, wenn Cloud in einer Videoszene meterhoch durch die Luft springt, wir später aber lange Umwege in Kauf nehmen müssen, weil ein Zaun sein Durchkommen blockiert. In wenigen Kapiteln stehen Nebenaufgaben zur Verfügung, die zwar nett sind, aber weder mit Umfang noch Abwechslung begeistern können. Dafür kann man nach dem Storyende Kapitel wiederholen und sich an geheime Bosse und höhere Schwierigkeitsgrade wagen.

Schurke Sephiroth gibt sich natürlich auch die Ehre.
Schurke Sephiroth gibt sich natürlich auch die Ehre. © Entwickler / Publisher

Alle beliebten Momente des Originals haben es auf die eine oder andere Weise ins Spiel geschafft, gewisse wurden sogar vorgegriffen, was inhaltlich (noch?) nicht Sinn macht und eher wie Fanservice wirkt, trotzdem spürt man aber die Liebe zum Original aus jeder Pore triefen und erlebt so manchen Nostalgie-Moment, der einen zum Schmunzeln und Schwärmen bringt. Die Story hat nichts von ihrem Charme und ihrer Aktualität eingebüsst, und die Figuren wachsen einem dank der modernen Technik noch schneller ans Herz. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass die Reise von Cloud und Co. bald weitergeht!

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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