Fast & Furious Crossroads (2020)

Fast & Furious Crossroads (2020)

  1. , ,
  2. , ,

PS4-Review: What the F...urious

Hatten wir die Abrissbirne nicht schon einmal? Das Spiel referenziert öfters mal Actionszenen aus den Filmen.
Hatten wir die Abrissbirne nicht schon einmal? Das Spiel referenziert öfters mal Actionszenen aus den Filmen. © Bandai Namco Entertainment

Man hat sie fast vermisst, die guten alten Zeiten, als zu gefühlt jedem Blockbuster ein passendes Videospiel von oft fragwürdiger Qualität auf den Markt katapultiert wurde. Fast & Furious Crossroads versetzt uns wieder in diese Zeit zurück - und dies in all ihrer scheusslichen Pracht.

Das Spiel will episch sein und den Krawall der filmischen Vorlage einfangen. Leider verhindert die schwache Technik diesen Plan und kehrt ihn ins Gegenteil. Fast & Furious Crossroads wirkt aufgesetzt, gequält cool und dadurch vor allem eines: lächerlich. Und trotzdem macht der Quatsch auf eine ganz unfreiwillige Art und Weise Spass. Eine Kaufempfehlung ist das aber noch lange nicht.

Schnell, laut und hanebüchen.
Schnell, laut und hanebüchen. © Bandai Namco Entertainment

Man weiss gar nicht, wo man zuerst den Kopf schütteln soll: beim fehlenden Intro (die Ausgangslage der Geschichte wird im Ladebildschirm in zwei Sätzen erklärt), bei der grausig designten Visage von Vin Diesel oder doch erst beim ersten Systemcrash während des Vorspanns?

Die Story - und da dürften sich Fans der Filmreihe heimisch fühlen - ist genau so hohl und papierdünn wie in der Vorlage. Da geht es um die böse Organisation Tadakuhl, die was Böses plant, und unsere Helden müssen das mit der Verstärkung eines auto-affinen Geschwisterpaars verhindern. Dafür spult man mit verschiedenen Karren ziemlich zusammenhangslos durch diverse Länder und Städte. Die Story ist voraussehbar, sprunghaft und äusserst lieblos erzählt. Das passt zum zusammengeschusterten Konzept des ganzen Spiels. Serienfans dürften sich immerhin über ein paar Querverweise zu den Filmen freuen - vor allem dann, wenn das Spiel ganze Actionszenen der Vorlage imitiert.

Die schäbige Inszenierung ist insofern befremdlich, als die Filme in all ihrem Wahnsinn wenigstens eines sind: wuchtig inszeniert. An der Besetzung des Spiels scheitert das Spiel jedenfalls nicht. Aus den Filmen bekannt zeigen Franchise-Übervater Vin Diesel, Michelle Rodriguez und Tyrese Gibson ihre missglückten digitalen Konterfeis auf dem Bildschirm. In weiteren Rollen konnte man Asia Kate Dillon (John Wick 3), Sonequa Martin-Green (The Walking Dead) und Peter Stormare (Constantine) verpflichten. Nur helfen tut das herzlich wenig. Selbst die Stammcrew spult ihre Lines mehr gequält als motiviert herunter. Übel nehmen kann man es der Truppe nicht - die Dialoge sind oft zum Fremdschämen peinlich. Einzig Stormare als waffenschiebender Oberschurke scheint etwas Spass in der Aufnahmekabine gehabt zu haben.

In keinem Promobild ist einer der Schauspieler zu sehen - wohl aus gutem Grund.
In keinem Promobild ist einer der Schauspieler zu sehen - wohl aus gutem Grund. © Bandai Namco Entertainment

Funktioniert wenigstens die Technik? Leider auch nicht. Grafisch hängt der Titel eine Konsolengeneration hinterher. Ein paar Licht- und Wettereffekte sind zwar ganz nett, aber ansonsten wird einem erschreckende Leere geboten. Die Strassen der Städte sind meistens menschenleer, Verkehr ist kaum vorhanden. Texturen von Gebäuden und Vegetation wiederholen sich dauernd. Die Fahrzeugsteuerung ist schwammig, präzises Fahren kaum möglich.

Einzig auf der Tonebene macht das Spiel etwas richtig. Die Musik passt mit Hip-Hop-Songs ganz gut ins Geschehen, die Autos brummen ordentlich. Dafür ist die Physik im besten Falle fragwürdig: gerammte Autos schleudern meterweit durch die Luft, unser Wagen brettert ungehindert durch Zäune und Bäume, prallt aber an kleinen Steinen ab wie eine Kugel im Flipperkasten.

Auch gameplaymässig ist die Luft so schnell draussen wie bei einem platten Reifen. Verfolgungen mit Gadgets, Verfolgungen ohne Gadgets und Rennen. Mehr gibt's nicht. Das ist selbst für die äusserst kurze Kampagne mit ihren rund fünf Stunden Spielzeit viel zu wenig. Schade: In einigen Missionen können wir während der Fahrt zwischen den einzelnen Charakteren hin und her schalten und müssen ihre Gadgets wie Enterhaken, Raketen oder EMP-Störsender kombinieren - eigentlich ein cooles Feature, das aber viel zu selten zum Einsatz kommt.

Der Schwierigkeitsgrad wechselt zwischen «Kinderleicht» und «Welcher Sadist hat das programmiert?» Der Grossteil des Spiels ist ein Spaziergang, da werden sogar Rennen als gewonnen gewertet, obwohl man die Ziellinie noch nicht einmal im Blickfeld hatte - als ob das Spiel selbst nicht wollte, dass man sich zu lange damit beschäftigen muss. Andere Missionen kosten hingegen viele Nerven. So müssen wir in der Wüste einen Lieferwagen kaputtrammen (unser eigener Wagen nimmt dadurch auch Schaden) und gleichzeitig Felsstürzen ausweichen, die im Metertakt aus heiterem Himmel auf die Strasse rollen. Unser Wagen steuert sich dabei träger als ein defekter Panzer auf weichem Teer, und als ob das nicht schon mühsam genug wäre, tickt auch noch ein Timer gegen uns. Dass die Ladezeiten bei einem Neuversuch eine gefühlte Ewigkeit dauern, macht die Sache nicht erträglicher.

Ach ja, einen Multiplayer hat das Spiel auch zu bieten. Wie der ist, können wir allerdings nicht sagen. Während der ganzen Testphase war kein einziger anderer Spieler online. Die Game-Verpackung verspricht aber «Mehrspieler-Action». Ein beschreibendes Adjektiv lag wohl nicht mehr im Marketingbudget.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. Instagram
  4. Website