FUSER (2020)

FUSER (2020)

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Xbox One-Review: Drop it like it's hot

The Sound of Music
The Sound of Music © NCsoft

Mit Guitar Hero hat der Entwickler Harmonix das Musikspiel-Genre komplett neu erfunden. Nachdem die Marke an Activision verkauft wurde, machten sie sich mit Rock Band selbstständig - mit Erfolg. Weniger erfolgreich war das DJ-Experiment von Activision, DJ Hero. Nun wagt sich Harmonix an ein solches DJ-Game.

In Fuser spielen wir einen angesagten Festival-DJ. Aus einer Bibliothek von Songs wird eine Handvoll ausgewählt und dann gehts ab auf die Bühne. Die Songs werden in ihre Komponenten aufgeteilt, welche nun im Mix kombiniert werden können. Das Ziel? Im richtigen Timing neue Discs setzen, Publikumswünsche entgegennehmen und die Party am Laufen halten!

Mit Fuser liefert Rock-Band- und Guitar-Hero-Erfinder Harmonix ein schwer beeindruckendes Musikspiel, das weit mehr als nur Rhythmus-Skills erfordert. Das User Interface ist logisch aufgebaut, jedoch ziemlich anspruchsvoll. Ausserdem verlangt Fuser viel musikalisches Vorwissen, sogar zu viel. Wer diese Hürde überwindet, kriegt ein detailliertes, cleveres Musikgame mit enorm vielen Möglichkeiten. Wer drüberstolpert, wird eher frustriert. So oder so ist Fuser technisch faszinierend und für Musikinteressierte einen Blick wert - wenn auch nicht für sehr lange.

Born this way on the Old Town Road
Born this way on the Old Town Road © NCsoft

Vor zehn Jahren gab es kaum etwas Cooleres, als mit einer unmusikalischen Truppe «Bohemian Rhapsody» im Wohnzimmer zu plärren, Rock Band sei Dank. Während diese Spielreihe mehr ein Rhythmus- als ein Musikspiel war, ist bei Fuser wirkliches Musikwissen und -verständnis gefragt. Obwohl Harmonix wahnsinnig viel unternimmt, um das Spiel so zugänglich wie möglich zu machen, dürfte vielen die Hürde zu gross sein - und der Langzeitspielspass ist somit nicht garantiert.

Visuell bewegt sich Fuser etwa im Spektrum von Rock Band, aber anstatt Nietengürtel und Lederjacken gibts hier schrullige Helme und knallbunte Shorts. Viel wichtiger ist jedoch das User Interface - und das ist richtig gut gelungen. Es benötigt etwas Eingewöhnungszeit, bis man weiss, wo welche Funktion steckt, doch alles wird über die Kampagne verständlich vermittelt. Die Kampagne ist desweiteren relativ belanglos, da das Punktesystem recht einfach ausgetrickst werden kann, ohne dass Mixes auch nur annähernd gut klingen müssen.

Die Musikauswahl ist solide durchmischt, wobei Dance- und Pop-Tracks sowie aktuelle Songs klar die Oberhand haben. Während Rock Band noch oft zum Entdecken einlud, scheint hier die Bibliothek trotz über 100 Songs zum Launch zu klein. Dies wohl vor allem deswegen, weil ein grosser Teil davon zu Beginn gesperrt ist und erst freigespielt werden muss. Man ist stets dazu verleitet, die Songs zu wählen, die man kennt und mag. So entstehen selten frische Mixes, da das Spiel Abwechslung einfach zu wenig forciert. Diese soll mit Instrumenten-Discs gefördert werden, die jedoch überhaupt nicht funktionieren. Sie haben nur vorgefertigte Presets auf unbeschrifteten Pads. Diese in den Griff zu kriegen, ist ein Ding der Unmöglichkeit und gut klingen tuts so gut wie nie. Eine verpasste Chance.

Feuer Frei!
Feuer Frei! © NCsoft

Trotz alledem ist es ein kleines Wunder, was Harmonix hier vollbracht hat. Egal, wie wild man die unpassendsten Songs zusammenmischt: Es passt. Die Technik dahinter ist beachtlich. Beim Ablegen einer Disc wird der Key und das Tempo automatisch den restlichen angepasst. Auch spielt nie der Refrain des einen Songs über die Strophe des anderen, alles ist aufeinander abgestimmt.

Die mit Abstand coolste Funktion sind die Riser. Wer ohne holprigen Übergang von Lady Gagas «Born This Way» zu Rick Astleys «Never Gonna Give You Up» (oder zwischen Songs einer beliebigen Mischung) wechseln möchte, kann den zweiten Song vorbereiten und mit einem Knopfdruck einen flüssigen Drop auslösen, entweder auf die bisherige Geschwindigkeit, auf die des Zielsongs oder auf eine zufällige mit zufälligem Key. Grossartig.

Problematisch ist hier, dass Fuser zu viel Vorwissen verlangt, um gezielt richtig coole Mixes zu machen. Zwar kann zwischen Minor und Major gewechselt, die BPM angepasst sowie der Key verstellt werden. Doch wie das alles genau zusammenhängt, muss man wissen. Das Spiel unternimmt praktisch nichts, um dem Spieler dies beizubringen. So ein kleiner Musiktheorie-Crashkurs wäre hier bitter nötig gewesen. Andererseits ist es trotzdem befriedigend, wenn man aus Versehen etwas gut Klingendes fabriziert. Wer hätte gedacht, dass Donna Summer, O-Zone und Billie Eilish irgendwie zusammenpassen?

Zwar wird die Musikbibliothek wie bei bisherigen Harmonix-Games stetig mit erwerblichen Tracks erweitert, doch nach nicht allzu langer Zeit verleidet einem das Ganze. Wer aber Musikwissen mitbringt und experimentierfreudig ist, kriegt mit Fuser einen fantastischen Spielplatz, der einem quasi die volle Kontrolle über die Musik überlässt.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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Trailer: Release Englisch, 01:37