Dreams (2020)

Dreams (2020)

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PS4-Review: Der Stoff, aus dem Games gemacht sind

Is this the real life, is this just fantasy?
Is this the real life, is this just fantasy? © Entwickler / Publisher

Der Bassist Art hat seine ehemalige Jazzband und somit seine einzigen Freunde aufgegeben. Der Krieg beginnt im Kopf, denn Art kämpft gegen Gewissensbisse. Um mit seiner Vergangenheit abzuschliessen und das Jetzt ertragbarer zu gestalten, reist er durch Traumsequenzen und sucht dabei nach Wiedergutmachung.

Dreams ist ein Kindheitstraum, der wahr wird. Ob entdecken und experimentieren, träumen und erschaffen oder einfach nur staunen: Dieser Titel ist endlich ein Spiel mit endlosen Möglichkeiten und endgültig der Beweis dafür, dass dieses Game das Highlight der sich bald endenden PS4-Ära darstellt. Dreams ist genau so spassig, wie es die eigene Fantasie das zulässt - das heisst: unendlich.

Eine Liebeserklärung an alle Träumer
Eine Liebeserklärung an alle Träumer © Entwickler / Publisher

Wer von uns hat als Kind nie mit dem Gedanken gespielt, selbst einmal Games zu entwickeln, Gott zu spielen in virtuellen Universen? Welten zu erschaffen, Leben einzuhauchen, Geschichten zu erzählen? Alles war möglich - unmöglich war nur, dass die Ideen ausgehen. Als sich vor fünf Jahren die ersten Wehen bei Dreams abzeichneten, war das alles zu gut, um wahr zu sein. Ein Sandkasten so mächtig, wie die Fantasie selbst. Die britischen Entwickler von Little Big Planet, Media Molecule, haben Wort gehalten und quasi eine neue Gameengine entwickelt, mit der sie seit ihrem grossen Hit aus dem Jahre 2008 kopierten. Mehr als das: Mit Schweiss und Geduld lässt sich so ziemlich jedes Spiel nachbauen.

Dafür schweben kleine Helferlein umher und warten auf Befehle. Mit ihnen greift man Objekte, bewegt, transformiert, vervielfältigt sie und vieles mehr. Ausserdem können die Wichtel Charaktere kontrollieren. Die Tutorialmissionen kurbeln nicht nur die Fantasie an, auch schaltet man mit ihnen Gegenstände frei. Hat man die Grundlagen verstanden, darf man endlich selber kreativ werden oder sich erst inspirieren lassen. Dreams lebt nämlich auch mit und von der Community.

SciFi-Dark-Souls, aber in süss.
SciFi-Dark-Souls, aber in süss. © Entwickler / Publisher

Im Traumsurfermodus sind die Kreationen anderer Träumer spielbar. Von Minipuzzles, Shooter und Horrorgames bis zu Open-World-Adventures ist alles Mögliche in Pixeln festgehalten. Auch populäre Franchises bewohnen die Traumwelten. Mario, Sonic, Halo, Spider Man oder Silent Hill - alles schon nachgebastelt, mit Musik unterlegt und aufgehübscht. Alleine die verschiedensten Level abzugrasen, um die Traumwelten andere zu besuchen, an der Kreativität anderer sich zu ergötzen, das macht Dreams unwiderstehlich. Wie wenn man auf Netflix zappt oder Youtube durchstöbert, kommt man kaum mehr weg, ohne genug gesehen zu haben. Egal, wie ausgereift das Spiel schliesslich ist, oft fasziniert schon nur die Idee.

Drachenzähmen leicht gemacht
Drachenzähmen leicht gemacht © Entwickler / Publisher

Mit «Arts Dream» hat Media Molecule gleich auch eine Kampagne beigesteuert, um zu zeigen, was Dreams erschaffen kann. In der zwei- bis drei- stündigen Story begleiten wir Art, einen ehemaligen Bassisten. Der Spieler hüpft von Genre zu Genre und vereint drei Traumwelten in einem Abenteuer: Art erzählt seine Story als cineastisches Point-and-Click-Adventure, wird von Jazz begleitet und lehnt sich an die Film-Noir-Szene an und schliesslich reisen Arts Gedanken in eine actionreichere Vergangenheit, bewohnt von fantasieverliebten Figuren. In lieblicher SciFi-Puzzle-Umgebung träumt Art von einem Astroroboter, der sich durch einen Technojungle würgt. Media Molecule würfelt aus unterschiedlichsten Elementen eine kunstvolle und liebliche Geschichte, die in einem epischen Finale mündet und sofort dazu einlädt, endlich selbst darauflos zu träumen.

«Ey, du kommst hier net rein!»
«Ey, du kommst hier net rein!» © Entwickler / Publisher

In der Traumformung, also der Creatorzentrale, kann man dann seine eigenen Welten skizzieren. Um seine Ideen umzusetzen, kann man auf die vorgefertigten Elemente der Community zurückgreifen. Figuren, Landschaften, Gegenstände: Das Inventar wächst stetig und der Austausch bereichert auch die Dreamlibrary. Wenn Media Molecule mit Updates dranbleibt und die Community weiterlebt, könnte Dreams definitiv auch die nächste Playstation-Generation prägen.

Muhammed Ali Keskin [ali]

Ali arbeitet seit 2019 als Freelancer bei OutNow. «Yoshi's Island» ist Liebe, «Bloodborne» ist Leben - alles andere ist auch ganz nett. Den Film «Stand By Me» zieht er sich alle Jahre wieder rein. Wenn er nicht gerade zockt oder im Kino hockt, kümmert er sich um seine Gottesanbeterinnen.

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