Dr. Kawashima's Brain Training for Nintendo Switch (2020)

Dr. Kawashima's Brain Training for Nintendo Switch (2020)

Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging für Nintendo Switch
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Switch-Review: Nützt's nüt, so schadt's nüt!

Blue Team wins!
Blue Team wins! © Entwickler / Publisher

Der japanische Professor und Neurowissenschaftler Dr. Ryuta Kawashima wurde nicht etwa mit einem Heilmittel für Alzheimer oder Vergleichbares bekannt. Nein, wer Kawashima hört, denkt an Logikübungen auf einer Nintendo-Konsole. Nach dem Grosserfolg des DS-Ablegers vor fünfzehn Jahren ist der sympathische Herr zurück, diesmal auf der Switch.

In verschiedensten Übungen trainiert man diverse Teile des Gehirns. Dieses scheint im Zeitalter von Smartphones, Smartfridges und Smartvogelhüüsli etwas eingerostet, müssen wir uns doch nicht mehr so viel merken wie früher. Kurzzeitgedächtnis, Informationssaufnahme und weitere Aspekte sollen dabei auf Vordermann gebracht werden. Kawashima-san kommentiert dann jede der absolvierten Übungen und belegt seine Aussagen mit Studien. Doch werden wir tatsächlich klüger dank diesen Trainings?

Zu Beginn spassig, verliert Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging schnell den Anreiz. Grund dafür sind zu wenige Minispiele und teils fehleranfällige Eingaben gekoppelt mit der Erkenntnis, dass das Training eigentlich gar nichts bringt. Die einzelnen Minispiele sind solide designt und die Präsentation ist einwandfrei. In der Familie lebt das Game etwas länger dank dem kompetitiven Aspekt. Letztendlich ist Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging schnell wieder vergessen - trotz Gehirnübungen.

Daumen-Training?
Daumen-Training? © Entwickler / Publisher

Eins vorweg: Nein, Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging macht dich nicht zum Genie. Und auch sonst ist der tatsächliche Nutzen der Übungen fraglich. 2010 führte die BBC eine Studie zu diesem Thema durch und fand: Hirntraining funktioniert nicht. Die kognitiven Fähigkeiten verbessern sich nicht. Macht diese Erkenntnis das Game wertlos? Nicht gänzlich.

Denn wenigstens macht das Spiel für eine Zeit Spass. Zu Beginn arbeitet man diszipliniert Übungen ab und vergleicht mit den Vortagen. Die meisten dieser Übungen unterhalten und fordern das eingerostete Hirni ein wenig. Doch mit der Zeit werden wir nicht klüger, sondern besser in den einzelnen Minispielen. Diese werden nach einer gewissen Spielzeit nach und nach freigeschaltet. Dies ist - wie so vieles in diesem Spiel - anfangs motivierend. Nach kurzer Zeit ist alles freigespielt und die Motivation ist verflogen. Da nützt auch die Erinnerungsfunktion nichts.

Peace!
Peace! © Entwickler / Publisher

Ein bisschen mehr Langlebigkeit gibt das Spiel Eltern mit Kindern. In einigen kompetitiven Spielen können sich diese messen. Auch der Vergleich der jeweiligen Tests des «geistigen Alters» sorgt für hämisches Gespött und gute Unterhaltung in der Familie. Aber wohl auch das nicht endlos.

Einige der Minispiele nutzen den Infrarot-Sensor des Joy-Cons und ermöglichen so Schere-Stein-Papier und andere Gesten-Spielereien. Dafür wird jedoch der Joy-Con abgenommen, das Spiel kann also nicht komplett auf einer Switch Lite gespielt werden. Dies funktioniert erstaunlich gut, im Gegensatz zur Schriftenerkennung. Vor allem wenn's um Geschwindigkeit geht, ist diese essenziell - und versagt regelmässig, speziell bei Buchstaben.

Dafür ist die Präsentation Nintendo-typisch einwandfrei. Dr. Kawashimas Polygon-Gesicht ist sympathisch und entlockt ein Schmunzeln, wenn er den Mund vor Erstaunen weit aufreisst. Nicht zu unterschätzen ist das herrliche Sounddesign. Wer im Spiel Bazillen-Jagd - einem Tetris-esken Minigame, das das Gehirn entspannen soll und total viel Spass macht - eine Pille packt und zieht, kriegt das tollste Geräusch der Welt zu hören.

/ nna