Doom Eternal (2020)

Doom Eternal (2020)

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PS4-Review: Die Schlachtplatte ist angerichtet!

Dumm wie ein Esel und zweimal so hässlich!
Dumm wie ein Esel und zweimal so hässlich! © Entwickler / Publisher

So recht hat 2016 niemand geglaubt, dass ein neues Doom die Massen begeistern vermag. Umso grösser war die Überraschung, als uns id Software eine schnelle, griffige, saubrutale und fast schon verboten spassige Metzelorgie vorgesetzt hat, die das Ego-Shooter-Genre bei den Wurzeln gepackt und in die Neuzeit gehoben hat - quasi Oldschool in der Moderne.

Nun haben uns die Amerikaner mit dem Nachfolger Doom Eternal eine Fortsetzung spendiert, die uns an neue Schauplätze bringt und ein umfangreicheres und taktisch ausgeprägteres Spielerlebnis bietet. Aber braucht der Urvater des Ego-Shooters überhaupt solche Neuerungen? Ist das wirklich noch Doom? Und lohnt sich eine weitere blutgetränkte Runde durch Meere von Blut und Dämonengedärm? Wir sind mit dem Doom Slayer bis an die Zähne bewaffnet auf die Erde gereist um uns gegen die höllischen Invasoren zu stellen und unseren Heimatplaneten mit aller Gewalt zurückzuerobern. Kein leichtes Unterfangen - aus mehreren Gründen.

Der Urvater des Ego-Shooter-Genres kehrt zurück und bringt neben einigen sinnvollen Neuerungen auch wieder jede Menge Action mit sich. Als konsequente Weiterentwicklung von Doom bedient Doom Eternal nicht nur Serienveteranen, sondern auch Neulinge. Während die Action gewohnt fordernd und rasant, der Soundtrack brachial und episch und die Story dünn und vernachlässigbar sind, besticht das neue Doom Eternal hauptsächlich durch offenere Levels, massig Umfang, einer Vielzahl von Anpassungsmöglichkeiten für Waffen und Ausrüstung und leider auch zahlreiche, nicht immer gelungene Sprung- und Kletterpassagen.

Hier ist die Hölle los!
Hier ist die Hölle los! © Entwickler / Publisher

Man ist gut 20 Sekunden im Spiel, schon fallen die ersten Schüsse und bemitleidenswerten Zombies werden die Gliedmassen vom Körper gerissen und in saftigen Blutfontänen gegen die Wände geklatscht. Das ist Doom, wie wir es kennen und lieben. Unser erstes Ziel der rund 18-stündigen Kampagne gilt drei Höllenpriestern, die für die Invasion der Erde verantwortlich sind und dafür nun die Rechnung präsentiert bekommen sollen. Das bleibt für einen Grossteil der leider gewohnt mageren Handlung der einzige Antrieb des Slayers. Mehr über die Hintergründe der Lore erfahren wir durch sammelbare Kodexeinträge. Wer also tiefer in die Welt von Doom Eternal eintauchen will, muss sich durch dröge präsentierte Textblöcke kämpfen. Aber seien wir ehrlich: Wegen der Story hat noch keiner ein Doom gekauft.

Doom Eternal gibt sich gewohnt oldschool. Unser Slayer kämpft sich heuer zwar durch grössere, verschachteltere und offenere Gebiete als früher, der Ablauf bleibt aber oft der gleiche: Man wütet sich durch Wellen von Gegnern, sammelt Schlüssel für neue Levelbereiche und stellt sich hin und wieder einem Zwischengegner. Doom ist Kampf und hier gilt die Devise: Wer stehen bleibt, verliert. Im Gegensatz zu Doom müssen die rasanten Kämpfe nun aber taktischer angegangen werden und sind dadurch fordernder geworden. Munition ist nämlich arg begrenzt und Medikits und Rüstung schneller aufgebraucht, als einem lieb ist - besonders auf höheren Schwierigkeitsgraden.
Hier kommt eines der neuen Features zum Zuge, denn neu muss der Spieler sich seine Ressourcen im Kampf selbst beschaffen. Per Knopfdruck kann man nun mit einem Schulter-Flammenwerfer Gegner brutzeln, die dann Rüstungsteile abwerfen. Mit den äusserst brutal inszenierten und aus dem Vorgänger bekannten Glory-Kills lässt sich etwas Gesundheit aus den Feinden reissen und mit der klassischen Kettensäge lassen halbierte Dämonen dringend benötigte Munition fallen. Wer die Kämpfe also einigermassen heil überstehen will, muss diese neuen Fähigkeiten geschickt mit den Umgebungen und dem eigenen Waffenarsenal kombinieren. Ebenfalls neu sind zwei verschiedene Granatentypen, die sich mit der Zeit wieder aufladen und für ordentlich Rabatz sorgen. Da kriegt der Begriff «Spassgranate» eine neue Dimension.

Er hat sich seinen Tag bestimmt anders vorgestellt
Er hat sich seinen Tag bestimmt anders vorgestellt © Entwickler / Publisher

Wo die Levels im Vorgänger mehrheitlich schlauchartig und in der Horizontalen angelegt waren, bewegt man sich in Doom Eternal nicht nur in optisch abwechslungsreicheren Gebieten, sondern auch in welchen die Vertikale von grosser Bedeutung ist. Immer wieder werden Sprung- und Kletterpassagen eingebaut, die mittels geschicktem Einsatz der Doppelsprung- und Schub-Funktion gemeistert werden wollen. Leider ist gerade in diesen Passagen ein gewisses Mass an Frustresistenz gefragt, denn nicht selten springt man um ein paar Millimeter daneben und landet in einem brodelnden Lavastrom. Diese stellenweise etwas ausufernden Platforming-Passagen bremsen leider auch den schnellen Spielfluss ein wenig aus; immerhin sind die Checkpoints fair gesetzt.

Wohltueneder Setting-Wechsel
Wohltueneder Setting-Wechsel © Entwickler / Publisher

Der Umfang überzeugt. In den weitläufigen Levels gibt es viel zu sammeln und zu entdecken. Nebst Sammelgegenständen wie Spielfiguren, Musikstücken, Cheats und optionalen Kämpfen findet man auch Batterien und Himmelsschlüssel, die man für Anzugs-Upgrades oder zum Freischalten von Herausforderungslevels verwenden kann. Generell lässt sich in Doom Eternal viel upgraden. Jede Waffe verfügt über zwei zusätzliche Funktionen, die sich auch noch ausbauen lassen. Ebenso kann der Prätorenanzug mit Perks wie Zeitlupe oder schnelleren Glory-Kills ausgerüstet werden. Das sorgt gerade im späteren Spielverlauf für weitere taktische Möglichkeiten. Als Zugabe bietet der Battle-Modus eine Multiplayer-Komponente, womit sich Spieler als Slayer und Dämonen gegenseitig auf die Mütze geben können.

Oft kriegt man von allen Seiten auf den Deckel
Oft kriegt man von allen Seiten auf den Deckel © Entwickler / Publisher

Technisch gibt sich Doom Eternal keine Blösse. Das Spiel läuft butterzart, bugfrei und zaubert eine grafisch ansprechende Höllenwelt auf den Bildschirm. Das Design der Dämonen und Levels hat sich zwar nur wenig weiterentwickelt, zeigt aber mit neuen Schauplätzen wie beispielsweise einem frostigen Eisgebiet neue Facetten. Über alle Zweifel erhaben ist auch wieder der brachiale Soundtrack, für den man erneut den australischen Komponist Mick Gordon gewinnen konnte. Was hier aus den Boxen donnert, ist nicht nur unfassbar episch, sondern auch richtig treibend. Mit der hämmernden Metal-Mucke inklusive Death-Metal-Chor wird man förmlich durch die Kämpfe geschoben und gerät geradezu in einen Blutrausch.

Doom Eternal baut auf den Stärken des Vorgängers auf, bietet von allem ein wenig mehr und macht mit seiner kompromisslosen, taktischen Action einfach Spass. Auch wenn gewisse Platforming-Passagen frustrieren können, die Story mau ist und sich nach relativ kurzer Zeit eine gewisse Monotonie im Ablauf einstellen, bleibt Doom Eternal doch ein pervers blutiges Vergnügen.

/ chb