Cloudpunk (2020)

Cloudpunk (2020)

  1. , ,

Xbox One-Review: Post in die Cloud verlegt

Wenns obe schifft und unde seicht ...
Wenns obe schifft und unde seicht ... © Merge Games

Rania wuchs auf dem Land auf. Nach dem Tod ihrer Eltern zieht sie in die Mega-Stadt Nivalis, um Geld zu verdienen. Sie wird von Cloudpunk angestellt, einer Art Kurier, der im Untergrund agiert und ohne viele Fragen zu stellen, Pakete von A nach B bringt. Dies tut auch Rania zu Beginn. Doch bald muss sie nicht nur Pakete transportieren, sondern auch Personen. Dies auch in unübliche Stadtviertel.

Bald merkt sie, dass mit Nivalis irgendetwas nicht stimmt. Dass sie nur von geldgeilen Ausbeutern beherrscht wird, ist ihr zwar nicht neu, doch dass zuoberst eine andere, weitaus unberechenbarere Macht sitzt, wusste auch sie nicht. Und dass diese Macht langsam, aber sicher durchzudrehen droht, bedroht nicht nur ihr einfaches Leben, sondern dasjenige aller Stadtbewohner.

Cloudpunk ist kein aufregendes Game. Rania bringt Pakete von A nach B und entdeckt dabei die ansehnliche, interessante Stadt Nivalis. Trotzdem unterhält das Spiel mit seinem entschleunigten, entspannten Gameplay. Der blockige Artstyle funktioniert auf mittlere Distanz sehr gut, doch die Weitsicht leidet unter Pop-Ins und von nahem sehen vor allem die Charaktermodelle schwach aus. Die erzählte Geschichte ist solide und bietet einige interessante Handlungsorte. Wer über die technischen Mängel hinwegsehen kann und einfach Nivalis bestaunen möchte, dem sei Cloudpunk ans Herz gelegt.

Now Playing: Vangelis - Tears in Rain
Now Playing: Vangelis - Tears in Rain © Merge Games

Das in Berlin ansässige Indie-Studio Ionlands hat sich eine grosse Aufgabe gestellt: Ein Open-World-Adventure, in dem man eine vertikal hochgebaute, futuristische Riesenstadt frei mit einem fliegenden Auto erkunden kann. Dies hat das kleine Studio nun mit Cloudpunk umgesetzt.

Womit Cloudpunk gleich punktet, ist die beeindruckende Architektur und der visuelle Stil. Nivalis ist erstaunlich gross und clever angelegt. Ausser einem coolen Vibe mit cyberpunktypischem Synthi-Score und schönen Visuals gibt es aber wenig zu entdecken. Cloudpunk leitet den Spieler mit Questmarkern auf der Minimap zu den Zielen und motiviert wenig, die Stadt wirklich zu erkunden. Neben ein paar Sidequests gibts nämlich nur Collectibles zum Sammeln. Zudem sind die Einleitungsdialoge teilweise so lang, dass man gefühlte Ewigkeiten im Kreis fliegt, bis man endlich weiss, wohin die nächste Reise geht.

Auch die Missionsstruktur ist alles andere als spektakulär: Hole Paket bei Punkt A ab und bringe es zu Punkt B! Dies ist zwar etwas eintönig (vor allem für die erstaunliche lange Spielzeit von gut 9 Stunden), entspannt einen aber auch ziemlich. Auf dem Weg zu Punkt B gibts noch ein bisschen Dialog, vor allem zwischen dem Auftraggeber Control und Rania sowie zwischen ihr und ihrem virtualisierten Hund Camus. Diese Beziehungen sind der emotionale Kern der Geschichte und entwickeln sich schön bis zum Schluss. Auch einige Nebencharaktere bleiben in Erinnerung, zum Beispiel der Autor Huxley, der stets wie der Erzähler eines Romans spricht.

Neon, wohin das Auge reicht ...
Neon, wohin das Auge reicht ... © Merge Games

Allgemein gibts während der Hauptstoryline mehrere einfallsreiche Umgebungen. Unter anderem ein grosser Block, der nur von Personen mit dem Nachnamen Anderson bewohnt wird. Am Ende dieser Quest wird man vor eine moralische Entscheidung gestellt. Dies passiert zudem mehrfach während der Story, was ihr zwar einen netten Touch gibt, letztendlich aber keinerlei Auswirkungen auf den Spielverlauf hat.

Technisch überzeugt Cloudpunk vor allem auf mittlere Distanz. Der minecrafteske, blockige Artstyle funktioniert dann am besten, die Welt scheint greifbar und richtig schön. Doch die Weitsicht leidet wegen vielen Pop-Ins und die Nahansicht in der dritten Person, wenn Rania mal zu Fuss unterwegs ist, kann auch nicht vollends überzeugen. Dies liegt auch daran, dass der gewählte Stil für Charaktere ziemlich hässlich ist.

Dazu kommen einige technische Hiccups. Beispielsweise hat das Game scheinbar keine automatische Grössenerkennung für den Fernseher. Auf unserem Gerät lief so der Text für Quests über den Bildrand hinaus. Ausserdem kämpft Cloudpunk noch mit einigen Problemen innerhalb der Missionen, die nach Abschluss aktiv bleiben und nicht verschwinden, sowie fehlerhaften Achievements und Trophäen. Zudem läuft es selbst auf der von uns verwendeten Xbox One X nicht immer flüssig.

So ist Cloudpunk ein sehr unaufgeregtes Kurier-Spiel mit einer richtig schönen Welt und einigen interessanten Figuren, für die lange Spieldauer aber dann doch zu eintönig und unspektakulär.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Instagram
  6. Letterboxd

Trailer: Launch Englisch, 01:32