Carrion (2020)

Carrion (2020)

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Xbox One-Review: Grusel, Grusel, Rätsel, Rätsel

«Ich krieg euch alle!»
«Ich krieg euch alle!» © Entwickler / Publisher

Der Publisher Devolver Digital ist bekannt dafür, hin und wieder abgefahrene Spiele auf den Markt zu bringen. Nach diversen Serious Sam Titeln und beispielsweise auch My Friend Pedro, kommt mit Carrion bereits das nächste derbe Game aus seiner Schmiede zu uns.

In einem «verdrehten» Horror-Spiel schlüpft man in die Rolle einer amorphen Kreatur unbekannter Herkunft. Das Ziel: Diejenigen verfolgen, konsumieren und auslöschen, welche diese Bestie inhaftiert haben. Nicht nur Angst und Schrecken zu verbreiten lautet die Devise, sondern man muss auch weiterhin wachsen und sich entwickeln, um das Gefängnis Stück für Stück zu zerstören.

Carrion ist schräg. Sehr schräg sogar. Und trotzdem macht es irgendwie Spass. Die Steuerung auf der Konsole ist zwar fürchterlich und macht nicht immer das, was man will, aber das eigentliche Spiel mit den Rätseln, dem Gemetzel und dem abstrusen Inhalt sorgen für kurzweilige Momente. Man muss sich definitiv auf das Game einlassen, um es zu geniessen. Wer das nicht kann oder will, wird mit Carrion auf keinen Fall warm werden. Alle anderen werden es verschlingen - genauso wie es die Kreatur bis zum bitteren Ende vorzeigt.

Es geht heiss zu und her.
Es geht heiss zu und her. © Entwickler / Publisher

Der Start in dieses Abenteuer fällt nicht leicht. Es gibt kaum Informationen, wie es zu spielen oder was das eigentliche Ziel ist. So bahnt man sich am Anfang irgendwie durch die erstaunlich grosse Welt und versucht zu überleben. Dabei muss man immer wieder Rückschläge in Kauf nehmen, denn die Gegner im Spiel wehren sich ebenfalls und allzu viel Leben hat die Bestie nicht. Doch mit der Zeit kommen neue Fähigkeiten und mehr Leben dazu. Wobei grösser nicht immer besser bedeutet.

Carrion ist nämlich nicht nur Horror. Es ist auch ein Rätselspass, welcher ganz gut funktioniert, wenn man sich darauf einlässt. Als kleinere Kreatur hat man andere Skills, als wenn man übermenschlich gross ist. Es gilt sich jeweils richtig zu transformieren, um Hebel in Bewegung zu setzen, sich unsichtbar zu machen oder aber mit grosser Wucht kleinere Türen zu durchbrechen. Nicht immer funktioniert alles so, wie es sollte. Dies zu verantworten hat die etwas gar einfach ausfallende und teilweise ungenaue Steuerung. Da hätte man gut und gerne mehr Tasten am Controller miteinbeziehen oder für den Anfang ein automatisches Zielen einrichten können.

Schwingen wie Spider-Man!
Schwingen wie Spider-Man! © Entwickler / Publisher

Hat man den Dreh dann aber raus, macht es überraschenderweise viel Spass, sich als rote Bestie durch die verschiedenen Gänge zu meucheln. Spätestens wenn man die Parasit-Fähigkeit hat, geht die Post richtig ab. Leider sind die Speicherpunkte hie und da falsch platziert, sodass man bei verlorenen, grösseren Gefechten oftmals langweiligere Passagen nochmals durchspielen muss. Auch optisch weiss das Game mit seinen verpixelten Bildern nicht zu glänzen. Alles in allem wurde mit Carrion aber ein Spiel auf die Beine gestellt, das schräger nicht sein könnte und trotzdem irgendwie gefällt - sofern man nicht ganz abgeneigt ist, Menschen zu fressen und deren Leichenteile herumzuwirbeln. Wir wünschen guten Appetit!

Daniel Wick [daw]

Liebhaber von Action- und Thriller-Filmen. Aber hauptsächlich zockt Dani auf der Konsole, und zwar alles, was ihm in die Hände kommt. Sogar ein Game mit Super Mario als Tomb Raider würde er spielen. Ihn erschüttert nichts, schon gar nicht, seit er an der «Quinzaine des Réalisateurs» in Cannes war.

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