Blair Witch: VR Edition (2020)

Blair Witch: VR Edition (2020)

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PS4-Review: Ein Männlein steht im Walde...

Da hat wohl einer den Film nicht gesehen...
Da hat wohl einer den Film nicht gesehen... © Bloober Team

In den weitläufigen Wäldern von Burkettsville im amerikanischen Bundesstaat Maryland ist ein Junge verschwunden. Ellis Lynch, ein ehemaliger Polizist und Kriegsveteran, macht sich mit dem Schäferhund Bullet auf, um eine bereits ausgeschickte Polizeitruppe bei der Suche zu unterstützen.

In den Wäldern angekommen, zeigt sich schnell, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Unheimliche Schemen huschen zwischen den Bäumen hindurch, Gegenstände tauchen wie von Geisterhand plötzlich im Wald auf und scheinbar folgt die Zeit hier ganz eigenen Gesetzen. Mit einer Videokamera kann Ellis beispielsweise bereits geschehene Ereignisse rückgängig machen, und wie aus dem Nichts kriegt er Anrufe seiner Ehefrau und führt Funkgespräche mit einem Toten. Ellis beginnt sich zu fragen, ob die obskuren Gerüchte um eine Hexe im Wald tatsächlich stimmen, oder ob seine Kriegstraumata ihm einen Streich spielen. Wie es scheint, liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen ...

Nach dem sehr dürftigen VR-Update von Bloober Teams Layers of Fear VR waren die Erwartungen für einen Port ihres Blair Witch-Games nicht gerade hoch. Umso überraschender also, dass das eigentlich schwächere Spiel den massiv besseren VR-Support bekommen hat. Obwohl die Schwächen des Hauptspiels nach wie vor vorhanden sind, hinterlässt der Ausflug in die düsteren Wälder von Maryland in der virtuellen Realität einen massiv besseren Eindruck als noch in 2D.

Mit der Videokamera lösen wir das eine oder andere Rätsel.
Mit der Videokamera lösen wir das eine oder andere Rätsel. © Bloober Team

Das polnische Entwicklerteam Bloober Team kennt sich mit stimmigem Horror aus. Sei es mit dem Erstling Layers of Fear, dessen Sequel oder dem jüngst erschienenen The Medium - die Entwickler haben mehrfach gezeigt, dass es nicht immer bluttriefenden Horror, waffenstrotzende Actionschlachten oder nervenaufreibende Versteckspielchen braucht, um den Spielern eine Gänsehaut über den Rücken zu jagen.

Leider konnte nicht jeder Titel des Studios überzeugen. Und Blair Witch, das 2019 erschien und das bekannte Filmfranchise um eine eigenständige Geschichte erweitert hat, gehört leider in diese Kategorie. Zwar gelang es dem Team einmal mehr, eine dichte Atmosphäre zu erzeugen, aber letztlich ging dem Titel trotz vielseitigeren Gameplays früh die Luft aus. Obwohl das Spiel eine relativ kurze Spielzeit von knapp sechs Stunden besitzt (sieht man von verschiedenen Enden einmal ab), fühlte sich der Ausflug in den Hexenwald besonders im letzten Drittel an wie ein geschmackloser Kaugummi: zäh, spassbefreit und klebrig. Da halfen auch gelegentliche Rätsel, Feindbegegnungen oder Anspielungen auf die Filmvorlage nicht mehr weiter.

Dank einer funktionierenden Ohren-Physik streicheln wir unserem Begleiter doppelt so gerne über den Kopf.
Dank einer funktionierenden Ohren-Physik streicheln wir unserem Begleiter doppelt so gerne über den Kopf. © Bloober Team

Daran kann auch das VR-Update nichts ändern. Hinzu kommt, dass die an sich hübsche Optik des Originals für die Anpassung an die virtuelle Dreidimensionalität ordentlich Federn lassen musste. Im Gegensatz zum misslungenen Layers of Fear VR fällt das hier allerdings weniger negativ auf. Ungünstig ist auch, dass Textdokumente aufgrund der niedrigeren VR-Auflösung teils nur schwer zu lesen sind. In sich ist der Titel aber nach wie vor stimmig und atmosphärisch dicht. Das liegt auch am gelungenen binauralen Sounddesign und der Musik.

Überraschend gelungen ist die Steuerung. Obwohl das Spiel nur mit den Motion-Controllern gespielt werden kann, haben die Entwickler grossen Wert darauf gelegt, die Immersion so gelungen wie möglich zu gestalten. Taschenlampe, Funkgerät und Videokamera tragen wir am virtuellen Körper und können direkt ab der Brust gegriffen werden. Ein Griff über den Rücken holt das Tagebuch aus dem Rucksack. Das braucht zwar alles ein wenig Gewöhnungszeit, geht dann aber gut und intuitiv von der Hand und macht vor allem Spass.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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