Amnesia: Rebirth (2020)

Amnesia: Rebirth (2020)

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PS4-Review: Die Wüste lebt

Dunkelheit ist auch im dritten Teil der Reihe wieder ein elementarer Bestandteil.
Dunkelheit ist auch im dritten Teil der Reihe wieder ein elementarer Bestandteil. © Frictional Games

1937 stürzt die Forscherin Anastasie «Tasi» Trianon mit einem Flugzeug in der algerischen Wüste ab. Als sie aufwacht, sind ihre Expeditionsgefährten verschwunden, ihre Erinnerungen gelöscht. Hochschwanger schleppt sie sich durch die brütend heisse Wüste und findet schliesslich in einer Höhle Zuflucht, wo sie auf einige ihrer Reisegefährten trifft - respektive ihre Leichen.

Während sich Tasi durch Kavernen und verlassene Ruinen müht und Stück für Stück ihre Erinnerungen zurückerlangt, wird ihr bewusst, dass hier etwas Böses erwacht ist. Etwas, das sie selbst aufgeweckt haben könnte. Getrieben vor Angst und der Sorge um ihr ungeborenes Kind, sucht sie die verbleibenden Forscher, um diesem Albtraum - und den grässlichen Schemen in der Dunkelheit - zu entkommen, bevor sie völlig dem Wahnsinn verfällt.

Amnesia: Rebirth ist eine konsequente - und etwas überraschungsarme - Fortsetzung der Horror-Reihe und bietet eine spannende Geschichte vor unverbrauchtem Setting, zumindest zu Beginn. Leider betritt der Titel mit zunehmender Spielzeit allzu bekanntes Terrain und vermag auch nicht mehr ganz so zu fesseln. Auch die leicht angestaubte Technik weckt in mancherlei Hinsicht Erinnerungen an die Vorgänger - und das nicht nur im positiven Sinne. Trotzdem ist der dritte Teil ein gelungener Beitrag im Survival-Horror-Genre.

Das Wüstensetting bringt trotz Sonnenlicht manche gruseligen Momente.
Das Wüstensetting bringt trotz Sonnenlicht manche gruseligen Momente. © Frictional Games

Das 2010 erschienene Amnesia: The Dark Descent gilt heute als Klassiker im Survival-Horror-Genre und hievte Entwickler Frictional Games in den Indie-Horror-Olymp. Die dunkle Spielwelt, die unheimlichen Monster und die Wehrlosigkeit des Protagonisten haben bei so manchem Spieler für Schweissausbrüche gesorgt. Die Fortsetzung Amnesia: A Machine for Pigs entstand bei The Chinese Room und schlug andere Pfade ein. Nun, zehn Jahre später, kehrt Frictional Games zu der Reihe zurück, die sie gross gemacht hat.

Amnesia: Rebirth führt die Tugenden des Erstlings fort und präsentiert abermals eine finstere Horrorwelt und eine verworrene Geschichte, die sich erst nach und nach aufdeckt.

Wo ist der Lichtschalter?
Wo ist der Lichtschalter? © Frictional Games

Wie schon die Vorgänger steuern wir auch im dritten Teil eine Hauptfigur, die ihr Gedächtnis verloren hat. Tasi Trianons Reise durch die Wüste beginnt vielversprechend und weist mit dem Algerien-Schauplatz auch ein unverbrauchtes Setting auf. Leider verlässt der Titel diesen Pfad aber nach relativ kurzer Zeit und bewegt sich in Gefilden, die viel generischer und weniger beeindruckend daherkommen. Der ganz grosse Horror bleibt nach einem starken Anfang leider aus. Die ganze Story erschliesst sich auch nur geneigten Lesern, die aufmerksam durch Notizen und Tagebucheinträge wühlen und sich die Bruchstücke selbst zusammenreimen. Trotzdem: Amnesia: Rebirth strotzt vor unheimlicher Atmosphäre und schafft es auch, diese über die rund siebenstündige Kampagne aufrecht zu halten.

Fans des Erstlings dürften sich sofort heimisch fühlen. Nur mit Streichhölzern und einer Öllampe bewaffnet, bewegen wir uns durch die finsteren Levels. Zwar erhaschen wir immer wieder Blicke auf die gleissende Wüstenumgebung oder bewegen uns in einigen Abschnitten durch ein altes Fort im Sonnenschein, aber eine wohlige Wärme kommt nie auf. Amnesia: Rebirth ist düster und beklemmend. Gegen die sporadisch auftauchenden Monster sind wir absolut wehrlos. Uns bleibt eigentlich nur die Flucht. Die Begegnungen mit den Kreaturen sind zwar relativ selten, sorgen aber gerade deswegen jedesmal für einen hämmernden Puls.

Nebst den Ungeheuern ist die Dunkelheit unser grösster Feind. Je länger sich Tasi in der Finsternis aufhält, desto mehr verliert sie den Verstand, die Sicht wird trübe, kratzende Geräusche nagen an unserem Nervenkostüm und wir werden von Halluzinationen geplagt. Die spärlich verteilten Streichhölzer sorgen für Licht und Rückbesinnung, nur wollen diese weise eingesetzt werden - schliesslich sind die Monster nicht blind. Aufgelockert werden die Hetzjagden durch verschiedene Rätseleinlagen und ruhigere Erzählmomente.

Dein Freund und Helfer. Streichhölzer spenden für ein paar Sekunden Licht - und geben deine Position preis.
Dein Freund und Helfer. Streichhölzer spenden für ein paar Sekunden Licht - und geben deine Position preis. © Frictional Games

Ganz klar: Amnesia: Rebirth ist technisch keine Offenbarung. Die Grafik ist bestenfalls solide, die Steuerung etwas schwammig und kleinere Fehler bei Ton- und Lichteffekten trüben den Gesamteindruck. Überzeugen tun hingegen sowohl die Musik wie auch die Geräuschkulisse. Mit geschickt platzierten Klängen erzeugt das Spiel ein konstantes Gefühl der Anspannung. Oft sind die Momente vor dem eigentlichen Schock bedrohlicher und unheimlicher als die Begegnung mit dem Feind. Die Synchronsprecher machen allesamt einen soliden Job, sodass Tasis Leiden und Verzweiflung trotz den etwas aufgesetzten Monologen gut rübergebracht werden.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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