Tropico 6 (2019)

Tropico 6 (2019)

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PS4-Review: Karibischer Aufbauspass

Nach dem Wasserbett kommt das Wasserhaus
Nach dem Wasserbett kommt das Wasserhaus

Tropico 6 darf zurecht als Exot unter den Aufbauspielen bezeichnet werden. Viele Abläufe funktionieren zwar nach dem gewohnten Schema: Es gilt primär Produktionsketten aufzubauen, für eine ausreichende Nahrungsmittelversorgung zu sorgen, Unterkünfte für das Volk bereitzustellen und nebenbei noch die diplomatischen Geschicke in der Hand zu halten. Doch die humoristischen Einlagen von El Presidente und seiner rechten Hand Penultimo können die Konkurrenz-Games in der Form nicht bieten. Nebst lustigen Wortspielen sollen auch aberwitzige Aufträge immer wieder für Lacher sorgen. Macht das neuste Tropen-Spiel wirklich so viel Spass?

Wer Aufbauspiele liebt, wird Tropico 6 vergöttern. Mit dem Mix aus Strategie und Krisenmanagement, angesiedelt in der Karibik, hebt sich das Spiel von der Konkurrenz ab. Leider taucht der exzentrische El Presidente nur selten und eher als Nebenfigur von Penultimo auf. Da hätte mehr daraus gemacht werden könnnen. Nebst den vereinzelten Bugs und dem Clipping überwiegen die positiven Eigenschaften von des Games klar. Es ist seiner Vorgänger würdig und hat das Potenzial, zu einem wahren Klassiker zu werden.

Im Zentrum von Tropico 6 steht der Sandbox-Modus, mit dem Unendlichspiele möglich sind. Wobei unendlich nicht ganz stimmt, denn jederzeit droht die Abwahl durch das eigene Volk oder der Konkurs der Staatskasse. Doch dagegen kennt El Presidente selbstverständlich eine Lösung. Als nicht immer so ganz wohlwollender Diktator entzieht er einfach kurzerhand dem gemeinen Volk das Stimmrecht oder bittet die Freunde der Nation um finanzielle Unterstützung.

Ein kleiner Palast darf natürlich nicht fehlen
Ein kleiner Palast darf natürlich nicht fehlen

Nebst dem Sandbox-Modus bietet das Spiel noch Einzelmissionen. Diese fokussieren jeweils auf eine bestimmte Aufgabe, beispielsweise diejenige, möglichst viele Waren zu exportieren oder das Land zu einer Pirateninsel zu entwickeln. Werden diese Aufgaben erfolgreich erfüllt, gilt die Mission als abgeschlossen. Wahlweise kann ab dem Stand weitergespielt oder die Kampagne beendet werden.

Erfreulicherweise gibt es in Tropico 6 ausserdem einen Multiplayer-Modus, inklusive Speichermöglichkeit. Während des Tests waren jedoch nur sehr wenige Partien verfügbar, und meistens scheiterte bereits der Verbindungsaufbau. Schade.

Wie hoch darf es denn sein?
Wie hoch darf es denn sein?

Das Tutorial wie auch die Missionen lohnen sich am Anfang, um eine Einführung zu erhalten. Wer die Missionen erfolgreich gemeistert hat, den kann im Sandbox-Modus nichts mehr überraschen. Nach dem Erlangen der Unabhängigkeit und somit im Zeitalter der Weltkriege nimmt die Komplexität von Tropico 6 rasant schnell zu. Es kommen weitere Produktionsmöglichkeiten hinzu, aber vor allem gilt es, verschiedenste Fraktionen im Volk zufriedenzustellen. Diese Fraktionen treten immer wieder mit Forderungen an El Presidente heran und nehmen es ihm bei der nächsten Wahl ganz schön übel, wenn er seine Versprechen nicht eingehalten hat. Zudem verändern sich in jeder Epoche die Bedürfnisse der Bevölkerung sowie die politische Landkarte, was mitunter zu veritablen Staats- und Wirtschaftskrisen zu Beginn einer Epoche führen kann. Und üblicherweise, wenn es gerade nicht so rund läuft, kommt es noch zu einer Naturkatastrophe.

Grafisch kann Tropico 6 wohl nicht mit der Konkurrenz wie Anno 1800 mithalten. Zwar ist das Spiel ganz schön anzuschauen, doch mangelt es an Abwechslung und der Liebe zum Detail. Dennoch verleihen die karibische Landschaft, mit ihren typischen farbigen Häusern, und die Atmosphäre, die stark an Kuba und Fidel Castro erinnert, dem Game einen ganz besonderen Charakter. Insbesondere der Soundtrack kann sich zu einem richtigen Ohrwurm entwickeln.

Als einziger negativer Punkt lassen sich Bugs in der Steuerung und Lags während des Speichervorganges ausmachen. Vor allem der Strassenbau beinhaltet ein gewisses Frustpotenzial, wenn wieder einmal eine gewünschte Verbindung aus unerklärlichen Gründen nicht hergestellt werden kann.

/ gto