Superliminal (2019)

Superliminal (2019)

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PS4-Review: I had a dream ...

Des Menschen ärgster Feind: Der Wecker.
Des Menschen ärgster Feind: Der Wecker. © Pillow Castle Games

Guter Schlaf ist wertvoll. Das findet auch das Somnasculpta Schlafinstitut, das Schlafstörungen und Träume untersucht. Wir spielen ein namenloses Versuchskaninchen, das sich dieser Traumtherapie unterzieht und in seinem Unterbewusstsein diverse Aufgaben lösen muss. Dann aber scheint unserem Arzt Dr. Glenn Pierce das Experiment dezent aus der Hand zu gleiten und wir fallen immer tiefer in die Traumwelt.

Die Indie-Entwickler von Pillow Castle Games liefern einen spassigen Mindbend-Titel ab, der wenn auch nicht lange, dafür umso besser unterhält. Superliminal erreicht zwar nie die Komplexität eines Portal 2 oder den experimentierfreudigen Irrsinn eines The Stanley Parable, bleibt aber ein kurzweiliger und kreativer Puzzler, der leider Potential ungenutzt lässt.

Der war eben noch daumengross ...
Der war eben noch daumengross ... © Pillow Castle Games

Die Story bleibt relativ dünn, geht kaum in die Tiefe und wird nur durch Tonaufnahmen von Dr. Pierce und einer weiblichen KI sowie einigen Infos aus der Umgebung erzählt. Es wird zwar versucht, eine sich dramatisierende Stimmung zu erzeugen, aber wirklich bedroht fühlen wir uns als Spieler nie. Das ist nicht weiter tragisch, da den Kern des Spiels die Rätsel bilden - und die können über weite Strecken überzeugen.

Superliminal ist nämlich ein Puzzle-Spiel, das gekonnt mit den Klischees von Videospielrätseln spielt und sie abändert. An vielen Stellen ist ein buchstäbliches «Um die Ecke»-Denken nötig. Der Grundsatz lautet: Die Realität ist, was du daraus machst. Beispiel gefällig? Wir interagieren mit diversen Objekten wie Schachfiguren, Getränkedosen oder Notausgangsschildern, um einen Ausweg zu finden. Ein Spielklötzchen ist nunmal aber nicht gross genug, um eine Tür zu erreichen, die in vier Metern Höhe an der Wand klebt. Halten wir das Klötzchen nun in die Tiefe des Raumes, wirkt es im Vergleich viel grösser. Lassen wir es dann fallen, knallt das Klötzchen - jetzt mehrere Meter hoch! - am anderen Ende des Raumes auf den Boden und gibt uns die Möglichkeit, die Tür zu erreichen. Das Spiel mit der Grösse und Raumtiefe ist dabei nur eine der unverbrauchten Ideen, mit denen Superliminal positiv auffällt.

Not macht erfinderisch.
Not macht erfinderisch. © Pillow Castle Games

Das Spiel ist in neun Kapitel unterteilt, jedes davon setzt einen spezifischen Rätselschwerpunkt. In einem geht es beispielsweise um das oben erklärte Spiel mit der Raumtiefe, in einem anderen um perspektivische Verzerrungen. Die Kapitel sind allesamt relativ kurz und überschaubar. Für den ersten Durchgang sind rund zweieinhalb Stunden nötig. Dafür fühlt sich das Spiel niemals künstlich gestreckt an. Im Gegenteil: Man wünscht sich an mancher Stelle, dass die Entwickler die teils tollen Einfälle und Mechaniker noch etwas vertieft und ausgebaut hätten. Abseits der streng linearen Levels gibt es zwar einige versteckte Gegenstände und Räume zu finden, aber leider nichts, was einen erneuten Durchgang lohnen würde. Es gibt keine alternativen Lösungswege oder Enden.

Positionieren wir uns richtig, wird daraus ein greifbarer Würfel.
Positionieren wir uns richtig, wird daraus ein greifbarer Würfel. © Pillow Castle Games

Visuell glänzt das Spiel zwar nicht mit High-End Grafik, verfügt aber dank seines eigenwilligen Stils über einen stimmigen Gesamtlook. Jedes Kapitel wirft den Spieler in eine neue abgefahrene Situation, teils mit Anleihen an Filmen wie 2001: A Space Odyssey oder Bücher wie «Alice im Wunderland». Die zwei englischen Sprecher machen einen guten Job und die unaufdringliche Musik gefällt auch. Technische Aussetzer gab es während des Tests keine. Leider aber ist die Steuerung nicht immer optimal. Mühsam ist vor allem, dass sich die aufgehobenen Gegenstände nur entlang der horizontalen Achse drehen lassen. Für Käsestücke, die man als Rampe verwenden kann, ist das bisweilen sehr ärgerlich, weil die sich gerne verkeilen und dann zur Seite kippen.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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Trailer: Launch Englisch, 01:03