Song of Horror (2019)

Song of Horror (2019)

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PS4-Review: You died. And you. And you. And you...

Hier hat einer die Stromrechnung wieder nicht bezahlt.
Hier hat einer die Stromrechnung wieder nicht bezahlt. © Raiser Games

Wo ist Sebastian Husher abgeblieben? Der erfolgreiche Schriftsteller ist spurlos verschwunden. Nun schickt der Verlag den Mitarbeiter Daniel Noyer los, um den Kassenmagneten ausfindig zu machen. In dessen finsterer Villa angekommen, finden wir Briefe, die Böses erahnen lassen. Eine mysteriöse Türe, die aus dem Nichts auftaucht? Eine antike Spieluhr, deren schaurige Melodie Menschen in den Wahnsinn treibt, und eine Dunkelheit, die alles zu verschlingen droht? Bevor Noyer sich einen Reim auf die Geschehnisse machen kann, ist er schon mitten in dem Albtraum gefangen.

Mehr oder minder starre Kameraperspektiven, eine Tank-Steuerung, ein verstaubtes und unheimliches Anwesen - nein, uns liegt kein weiteres Resident Evil-Remake vor, sondern Song of Horror, ein Survival-Spiel, das sich «altmodisches» Gameplay auf die Fahne geschrieben hat und sich an den klassischen Titeln des Genres orientiert - und trotzdem innovativ genug ist, um auf eigenen moderigen Beinen zu stehen.

Song of Horror ist ein schönes Gruselspiel geworden, das durch seine dichte Atmosphäre und das gewollt altmodische Design vor allem Fans klassischer Horrortitel ansprechen dürfte, die sich auch vor einer eher sperrigen Steuerung nicht fürchten. Der Titel vermag nicht zuletzt auch dank der spannenden Story und den verschiedenen Charakteren über seine Spielzeit gut zu unterhalten. Wir empfehlen klar, einen Schwierigkeitsgrad mit der Permadeath-Funktion zu wählen - dann nämlich rast der Puls in jene Sphären, die ein Horrorspiel erst richtig interessant machen.

Die Story orientiert sich an klassischen Vorbildern und erinnert versatzstückweise an Edgar Allan Poe, H.P. Lovecraft und E.T.A. Hoffmann. So sind denn auch die verschiedenen Schwierigkeitsgrade nach den Altmeistern des Grauens benannt. Klassisch geht es auch im Hinblick auf das Rätseldesign zu.

Wir schleichen und rätseln uns durch Flure und Räume, fischen Schlüssel mit Kleiderbügeln und Kühlschrankmagneten hinter Glasscheiben hervor oder suchen nach Komponenten um einen Stromgenerator in Betrieb zu nehmen. Die Rätsel in Song of Horror sind für Fans des Survival-Horror-Genres ziemliche Standardkost, trotzdem sind sie reizvoll genug, um uns bei der Stange zu halten. Das liegt auch an der grossen Besonderheit von Song of Horror: Permadeath.

Hübsche Deko haben die hier.
Hübsche Deko haben die hier. © Raiser Games

Zu Beginn jedes Kapitels wählen wir einen von vier möglichen Charakteren aus. Über die fünf Kapitel stehen uns insgesamt 13 Figuren zur Auswahl - jede mit eigenen Attributen. Einige sind schneller, andere dafür angstfreier und damit weniger anfällig auf feindliche Begegnungen. Segnet nun unser gewählter Charakter das Zeitliche - und das kann schnell passieren, wenn man nicht aufpasst - bleibt die Figur für den Rest des Spiels tot. Dann wählt man die nächste Figur aus und hofft, den gemachten Fehler nicht zu wiederholen und das Ende des Kapitels zu erreichen. Verliert man alle Figuren in einem Kapitel, muss man dieses von vorne beginnen. Da jede Figur zur Story beiträgt, resultiert daraus auch eine Vielzahl von Enden, die man erspielen kann.

Das Permadeath-Feature bringt ordentlich Spannung in den Spielablauf und lässt uns viel bedächtiger vorgehen. Unterstützend wirkt dabei auch ein weiteres Feature: Das Horchen an Türen. Räume, die wir bisher noch nicht betreten haben, können wir an der Türe aushorchen. Bleibt es auf der anderen Seite still, ist die Luft rein. Hört man hingegen ein Scharren oder unheimliches Weinen ist es ratsam, den Raum vorerst in Ruhe zu lassen.

Die Rätsel sind klassisch gehalten.
Die Rätsel sind klassisch gehalten. © Raiser Games

Für den Tod sorgen neben einer zufällig auftauchenden Dunkelheit, vor der wir uns in Schränken oder unter Tischen verstecken müssen, auch Monster. Zwar gibt es in Song of Horror verschiedene Gegnertypen, die es zu überwinden gilt, bekämpfen tun wir sie aber nie direkt. Stattdessen werden die Begegnungen in kleinen Mini-Spielen bewältigt. Die Dunkelheit frisst sich durch die Türe? Schnell dagegenwerfen und abwechselnd Knöpfe drücken, bis die Gefahr gebannt ist. Zwar werden im Verlauf der rund zehnstündigen Story mit neuen Gegnertypen immer weitere dieser Mini-Spiele eingeführt, aber spielerisch bleiben sie alle relativ simpel und nutzen sich leider mit der Zeit auch ab. Die Spannung wird in diesen Momenten lediglich wegen des Permadeaths aufrecht erhalten. Denn, vergeigen wir die wilde Knöpfchendrückerei auch nur ein Mal, wars das für unsere Figur.

Für alle, die das Spiel an dieser Stelle schon abgeschrieben haben, gibt es Entwarnung. Auch wenn die Entwickler klar betonen, dass der Titel mit Permadeath gespielt werden sollte - eine Meinung, die wir übrigens teilen -, haben sie auch einen Schwierigkeitsgrad eingebaut, der auf das Feature verzichtet.

Hier geht bald die frenetische Tastendrückerei los.
Hier geht bald die frenetische Tastendrückerei los. © Raiser Games

Optisch ist das Spiel gut gelungen, die Atmosphäre der einzelnen Abschnitte - sei es das Herrenhaus, ein Antiquitätenladen oder eine zerfallene Abtei inklusive Klischee-Friedhof - ist dicht, und dank schönen Licht- und Schattenspielen auch angenehm schaurig. Einzig die Gesichter und Animationen der Figuren fallen etwas hölzern aus. Ebenso die englische Synchro. Ansonsten gibt es sowohl beim Ton als auch bei der Musik wenig zu beanstanden. Auch läuft der Titel flüssig und nahezu fehlerfrei.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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