One Piece: World Seeker (2019)

One Piece: World Seeker (2019)

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PS4-Review: Ohne Schiff, dafür mit Tadel

Ruffy ist wieder da!
Ruffy ist wieder da!

Nachdem es nach Burning Blood erstmal ruhig um Ruffy D. Monkey und seine Crew geworden ist, meldet Bandai Namco die Strohhut-Piraten nun zurück. Die Manga- und Anime-Piraten blicken mittlerweile auf fast 20 Jahren gute und weniger gute Videospiel-Adaptionen zurück. Nach den Ausflügen der Pirate-Warriors-Trilogie, Unlimited World Red und eben Burning Blood dürfen sich die One-Piece-Helden im neuen World Seeker erstmals in einem Open-World-Spiel frei bewegen.

Gestrandet auf der Gefängnisinsel müssen Ruffy und seine bunte Truppe erst wieder zueinander finden. Mit ihrem Schiff, der Sunny, ausser Gefecht, entscheiden sie sich, der mutigen Jeanne zur Seite zu stehen, als diese sich gegen den Zwiespalt unter der Bevölkerung und die Machenschaften des Gefängniswärters aufzulehnen versucht. Währenddessen finden immer mehr alte Feinde der Strohhüte ihren Weg auf die Insel. Ob das gut geht?

World Seeker ist ein Wechselbad der Gefühle. Die originelle Geschichte, die Insel und das Open-World-Szenario gefallen durchaus, alles andere erleidet jedoch Schiffbruch. Sicher, man kann vor allem als Fan mit Ruffys neuestem Abenteuer unterhaltsame Stunden verbringen, der erwartete grosse Wurf bleibt indes aus. Wieso die Entwickler nicht konsequent auf die überaus guten Ansätze aus Unlimited World Red gebaut und interessante Nebenaktivitäten und Möglichkeiten aussen vor gelassen haben, bleibt ihr Geheimnis. So fällt das finale Produkt trotz riesigem Potenzial repetitiv, uninspiriert und schwach aus.

Die originelle Story von Oda ist spannend, gespickt mit dem typischen Humor und bringt alte sowie zwei neue Charaktere ins Spiel, welche das One-Piece-Universum deutlich bereichern. Es tut gut, endlich eine einzigartige Geschichte mit Ruffy und seiner Crew zu erleben, welche genauso auch als Anime funktionieren würde. Unterstützt wird die Erzählung durch die gelungene Präsentation, welche mit unterhaltsamen Zwischensequenzen, guten Dialogen und gelungener Atmosphäre hervorsticht. Zudem schadet die gute grafische Umsetzung nicht. Die musikalische Untermalung inklusive der Möglichkeit, eine eigene Playlist zusammenzustellen, gefällt ebenso wie die japanischen Synchronsprecher. Leider sind nicht alle Dialoge vertont, das kann man aber verkraften.

Überraschung, das habe ich von Sam Fischer gelernt.
Überraschung, das habe ich von Sam Fischer gelernt.

Die Gefängnisinsel ist optisch nicht sehr abwechslungsreich, lädt dennoch zum Erkunden ein. Diese Freiheit ist eine willkommene Abwechslung von den bisherigen One Piece-Spielen. Natürlich stehen schon bald Schnellreisepunkte zur Verfügung, und nach Abschluss gewisser Missionen sogar Himmelsinseln. Obwohl überall Ressourcen und Schätze warten und auch an den immer gleichen Stellen Gegner zu finden sind, bleibt das Open World weit hinter den Erwartungen. Die Welt bietet zwar massenweise NPCs mit einzeiligen Dialogen und Hunderten von generischen und banalen Nebenmissionen, dennoch kratzt das Ganze stets nur an der Oberfläche.

Versteckte Gebiete oder sonstige Abwechslung, zum Beispiel in Form von Nebenaktivitäten, sucht man vergebens. Die Idee mit den überall herumliegenden Ressourcen macht wenig Sinn, weil sich diese nur für Nebenmissionen oder einzelne Ausrüstungsteile eingesetzt werden, welche kaum Einfluss haben. Die Strohhüte spielen nur in den Zwischensequenzen wirklich mit und verkommen sonst zu Statisten. Zwar kümmert sich Sanji um die Erkundungsaufträge, während Lysop und Franky für die Herstellung von Kleidung und Ausrüstungsteile zuständig sind - das war's aber schon.

Was soll Ruffy als nächstes lernen?
Was soll Ruffy als nächstes lernen?

Genauso fad wie die unfertigen Konzepte, die immergleichen Missionen und die repetitiven Gegner fällt das Gameplay aus. Der RPG-Ansatz ist gut, denn Ruffys Weiterentwicklungsmöglichkeiten sind cool und nützlich, die Idee mit den drei unterschiedlichen Kampfstilen stimmt zumindest in Theorie, und das Karma-System überzeugt. Die restlichen Aspekte sind jedoch «naja». Immer wieder gegen die gleichen Gegner an den immergleichen Stellen zu kämpfen, nutzt sich schnell ab. Die unterschiedlichen Stile bringen nicht viel in Sachen Dynamik und Abwechslung, auch weil echte Combos fehlen, und der Pseudo-Schleich-Ansatz funktioniert überhaupt nicht. Kurzum: World Seeker hat eine tolle Story und tolle Figuren, spielt sich jedoch wie ein generisches Monsou-Spiel, mit weitaus weniger spielerischen Möglichkeiten, einer geringeren Anzahl an Gegnern und so gut wie keinen Herausforderungen.

King Kong lässt Grüssen.
King Kong lässt Grüssen.

Wieso die Entwickler auf die guten Elemente aus World Red verzichtet haben, bleibt schleierhaft. Ruffys Abenteuer auf der Gefängnisinsel hätten nämlich mehr Aktivitäten (z.B. Fischen, Stadtausbau usw.), die Einbindung der Crew und grössere Kreativität bei Missionen und Aufgaben sehr gut getan. Dass aufgrund des Budgets ein Spiel im Stil und Umfang von Black Flag nicht möglich ist, lässt sich nachvollziehen. Ein Abenteuer in der Art der Tales-Reihe oder Zeldas Wind Waker (ursprünglich 2002 lanciert!) in dem man vielleicht auch mal mit der Sunny auf das offene Meer hinaus und Abenteuer erleben kann, hätte man 2019 aber schon erwarten dürfen.

Vielleicht wäre es an der Zeit, umzudenken. Statt bereits vor der Veröffentlichung an einem Season-Pass mit neuen Inhalten herumzuschrauben, sollte man bei Bandai Namco (sowie vielen anderen Publishern auch) erstmal schauen, dass das finale Produkt nicht nur aus Haut und Knochen besteht. Nach Jump Force eine weitere, wenngleich nicht ganz so schlimme Enttäuschung.

/ pan