My Friend Pedro (2019)

My Friend Pedro (2019)

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PS4-Review: Völlig Banane!

Hadouken!
Hadouken! © Entwickler / Publisher

Der Publisher Devolver Digital ist bekannt dafür, hauptsächlich eigenwillige, nicht selten brutale Indie-Titel zu vertreiben. So auch hier. Im oldschoolig anmutenden Sidescroller-Shoot'em'up My Friend Pedro bewegen wir uns auf den bleilastigen Pfaden von Actionfilmen wie Matrix oder dem blutigen Hongkong-Kino der 80er-Jahre. Hier aber folgen wir nicht etwa Morpheus in eine digitale Welt oder sind im Krieg mit Triadengangstern, sondern in My Friend Pedro schickt uns unser Freund Pedro - vitaminbewusst und debil grinsend in Form einer Banane - auf einen Rachefeldzug quer durch eine kriminelle Unterwelt bis in die Tiefen des Internets.

Klingt absurd? Ist es auch! Doch bietet der Titel trotz seiner schrägen Prämisse genug Gameplay, um auch längerfristig zu überzeugen?

Mit My Friend Pedro bringt uns Devolver Digital eine weitere kleine Indie-Perle ins Wohnzimmer, die uns abermals an der Medikamentenmischung der Entwickler zweifeln lässt. In klassischer Sidescroller-Manier kämpfen wir uns im Auftrag einer Banane geschickt durch eine Vielzahl von Levels und nutzen dabei nicht nur unser Arsenal und die Umgebung, sondern auch eine stylishe Zeitlupenfunktion, um uns stilbewusst und geschmeidig unserer Feinde zu entledigen. Die kurzweilige Actionorgie macht Spass, schöpft aber seine schrille Prämisse nicht völlig aus.

Zeitlupe macht schön!
Zeitlupe macht schön! © Entwickler / Publisher

My Friend Pedro ist ein Sideways-Scroller, der mit seiner simplen aber spassigen Mechanik eine Mischung aus Devolver Digitals anderem Indie-Hit Hotline Miami und der Kultreihe Max Payne darstellt.

Die dünne Story schickt unseren namen- und sprachlosen Protagonisten durch 40 Levels, die alle zwischen drei bis acht Minuten lang sind und sich auf sechs Abschnitte verteilen. So kämpfen, hangeln und rollen wir uns unter anderem durch ein Schlachthaus, Slums oder auch die beängstigend fröhliche Gedankenwelt unseres Bananenfreundes Pedro. Die Geschichte rund um einen Kerl, der sich an seinen Häschern rächen will, ist flach, kaum existent und auch nicht wirklich von Bedeutung. Sie dient lediglich als Aufhänger, um unsere Spielfigur möglichst formvollendet, stilvoll und fast schon tänzerisch durch die verschiedenen Szenarien zu hetzen und die Fingerchen nach dem Highscore auszustrecken.

Die einzelnen Levels bieten je nach Abschnitt noch eigene Möglichkeiten, sich gegen die Feinde zu wehren. So kann man im Schlachthaus Küchenmesser in die Visagen ahnungsloser Feinde treten oder andernorts durch geschicktes Feuern auch hängende Fässer zu rollenden Todesfallen umfunktionieren. Unser Arsenal ist mit klassischen Pistolen, Schrotflinten und MGs wenig ausgefallen, aber ausreichend. Gewisse Waffen lassen sich auch im Akimbo-Stil verwenden und bieten dann die Möglichkeit, zwei Gegner gleichzeitig ins Visier zu nehmen. Per Knopfdruck dreht unsere Spielfigur eine Pirouette und kann so kurzzeitig dem feindlichen Kugelhagel ausweichen. In Kombination mit Wandsprüngen, den sporadisch in den Levels verteilten Skateboards oder Seilzügen ergeben sich so viele Kombinationen, um elegant Kombos aneinander zu reihen.

Spezialabschnitte lockern das Geschehen auf.
Spezialabschnitte lockern das Geschehen auf. © Entwickler / Publisher

Leider aber sind die Abschnitte arg generisch geraten. Kanalisationen, Baustellen und Industriegebäude haben wir schon zigmal gesehen. Zwar versucht sich das Spiel in dieser Hinsicht mit einer kleinen Portion Meta-Humor selbst auf die Schippe zu nehmen, unterm Strich ändert das aber nichts an den leider recht fantasielos gestalteten Hintergründen. Zwar gibt es immer wieder Lichtblicke mit schrägen Einfällen, aber insgesamt wäre gerade in der Optik der Level viel mehr drin gewesen. So schräg und schrill die Prämisse des Spiels sein mag, sie zieht sich leider nicht in aller Konsequenz durch. Gelegentliche Auflockerung gibt es in Form von Zwischenkapiteln, in denen wir beispielsweise auf einem Motorrad einen Schurken verfolgen oder uns im freien Fall von einem Hochhaus gegen andere todesmutige Gegner wehren.

Ansonsten bietet das Spiel gameplaymässig im Fortlauf der rund fünfstündigen Kampagne wenig Neues. Ein paar neue Gegnertypen hie und da und kniffligere Umgebungshindernisse wie Laserbarrieren, automatische Geschütze oder Platforming-Segmente lockern die Schiessereien auf. Gerade genug, um auf Dauer nicht langweilig oder redundant zu werden.

Grafisch ist My Friend Pedro zweckdienlich. Die Charaktermodelle sind sehr simpel und die Hintergründe relativ detailarm. Trotzdem wirkt die Optik in sich stimmig. Die Steuerung geht griffig von der Hand, einizig die Kollisionsabfrage in den Sprungpassagen ist bisweilen unglücklich und die unnatürlichen Verrenkungen, die unser Protagonist in seinem Gewaltballett hinlegt, fallen besonders in der Zeitlupe negativ auf. Soundtechnisch gibt es wenig zu bemängeln. Das Sound Design ist gut, die Musik mit ihren treibenden Elektrobeats passend und lädt zum Mitwippen ein. Wer eine Sprachausgabe braucht, hat hier das Nachsehen. Die wenigen Dialoge werden via Sprechblasen geführt.

Tarzan wäre stolz - und geschockt.
Tarzan wäre stolz - und geschockt. © Entwickler / Publisher

My Friend Pedro ist ein kurzweiliger Action-Spass, der gameplaymässig aus seiner simplen aber guten Prämisse das Meiste herausholt und über seine kurze Spieldauer unterhält. Wir hätten uns jedoch ein wenig mehr Irrsinn in der Leveloptik gewünscht. Ein zweiter Durchgang dürfte sich trotzdem nur für Highscore- oder Trophäenjäger lohnen. Immerhin laden freischaltbare Cheats zu spassigen Experimenten ein.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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Kommentare Total: 2

daw

Dieser Titel macht echt Laune! Toller und passender Sound zu einem Action-Kracher bei dem man sein Hirn gut und gerne ausschalten kann. Überzeugt nicht ganz bis zum Schluss und wirkt etwas repetitiv, aber für Zwischendurch ein echt spassiges Game.

chb

PS4-Review: Völlig Banane!

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