Moons of Madness (2019)

Moons of Madness (2019)

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PS4-Review: Houston, wir haben kein Problem!

«Keine Panik, alles gut. Ich habe ja schliesslich keine Waffen ... nichts. Nur Plot Armor!»
«Keine Panik, alles gut. Ich habe ja schliesslich keine Waffen ... nichts. Nur Plot Armor!» © Funcom

Keine maroden Hütten am See, keine verlassenen Gutshäuser, in Moons of Madness geht es ab auf den roten Planeten! Wir schlüpfen in den Astronautenanzug von Shane Newehart. Auf der Marsstation Trailblazer Alpha schaut unser Ingenieur, dass kein Lämpchen ausgeht. Währendessen untersucht das Forscherteam Orochi mittels Experimenten, ob der Planet sich als Lebensraum eignet.

Was nach einfacher Routinearbeit klingt, entwickelt sich zur Qual für Körper und Geist: Stromausfälle häufen sich, die Pflanzen im Gewächshaus überwuchern die Station, seltsamer Marsstaub bedeckt alles und die Forscher verlieren langsam, aber sicher den Verstand. Allmählich überfällt auch dich Angst und Paranoia. Zudem ist keine Rettung in Sicht und dann sind da noch diese monströsen Gestalten. Bevor die Realität entgleist, stellst du dich der ausserirdischen Bedrohung.

Kommt Moons of Madness an Dead Space ran? Keinesfalls! Darf man Alien-Niveau erwarten? Fehlanzeige! Dürfen sich wenigstens Lovecraft-Fans freuen? Bleibt lieber bei seinen Büchern! Moons of Madness ist ein klassischer Fall von Der-Trailer-haut-dich-um-aber-das-Spiel-ist-damit-schon-wie-durchgespielt. Moons of Madness will vieles richtig machen und schaut sich Dinge von hier und da ab, bleibt aber am Ende nur ein Mars-Walking-Simulator - immerhin ein authentischer!

Sieht doch aus wie zu Hause.
Sieht doch aus wie zu Hause. © Funcom

«Die Entwickler von Rock Pocket Games haben ein Meisterwerk geschaffen!» Dieser Gedanke setzte sich letztes Jahr in mir fest, als der Trailer erschien und bis vor Kurzem noch in meinem Kopf herumgeisterte. Dann war es soweit: Endlich durchleutet unser Held das Raumschiff! Eine schwarze, pflanzenartige Substanz hat die Wände überwuchert, wir befinden uns direkt im Chaos wieder. Merkwürdige Schatten weichen ab vom schwachen Licht der Taschenlampe und- verdammt! Der erste Jumpscare sitzt. Wow, so kann es weitergehen! Klatschen möchte man innerlich, aber schüttelt dann doch plötzlich den Kopf.

War das alles nur ein Alptraum? So scheint es. Nun gut, eine behutsame Einführung kann nicht schaden. Wir schauen uns um, spielen mit einer Rakete und feuern SFX aus dem Mund. Solche Momente sind einprägsam und gut fürs Herz. Schliesslich möchte man den Helden besser kennenlernen. Alles sieht zum Verlieben aus, die Details stechen förmlich ins Auge. Wir dürfen raus und den Mars erkunden, ein kahles Rot benebelt die Sicht. Wir fahren und spazieren von Station zu Station, drücken dort ein Kopf, da legen wir einen Schalter um. Die Rätsel sind nett, aber mehr nicht. Resident-Evil-Veteranen haben hierfür nur ein müdes Lächeln übrig.

Ein echter Casanova, zumindest in Japan
Ein echter Casanova, zumindest in Japan © Funcom

So geht das gut eine Stunde lang und am liebsten würde man das Game nun weglegen und seine Enttäuschung runterschlucken. Aber dann denkt man sich: «Nun gut, wir geben ihm noch eine Chance. Alien: Isolation war auch ein Spätzünder und war von da an ein ferngesteuerter Vibrator für den ganzen Körper.» Keine fünf Minuten später ... endlich! Yes!

Da kriecht es empor, ein tentakelverliebtes Geschöpf wie aus Lovecrafts Feder getropft. Natürlich völlig wehrlos ergreifen wir die Flucht durch das verseuchte Schiff. Diese kurze Verfolgungsjagd ist intensiv und so gestresst war man vor der Glotze lange nicht mehr; ja, so geht Horror! Zumindest für ein paar Minuten, dann ein Déjà-vu-Erlebnis: Wir sind zurück im Mars-Simulator. Nur wirkt jetzt alles wie Baustellenarbeit in Amsterdam nachdem man sich ein paar Pilzchen eingeworfen hat. Die bedrohliche Atmosphäre von Dead Space durfte man nur schnuppern.

«Aliens? Mir doch egal, ich muss arbeiten. Habe keine Zeit für die Viecher.»
«Aliens? Mir doch egal, ich muss arbeiten. Habe keine Zeit für die Viecher.» © Funcom

Ab jetzt mutiert Moons of Madness immer mehr zum Science-Fiction-Alptraum mit Fantasy-Elementen. Von Horror leider keine Spur. Man stellt fest: Es reicht nicht, mit ein paar Götternamen zu spielen und das verfluchte Buch «Necronomicon» aus den Geschichten Lovecrafts einzubetten. Hier ist Vieles im Stil gehalten von «Kohl ist nicht automatisch besser wenn man Nutella draufklatscht».

So plätschert der Rest des Spiels dahin und uns bleibt das Fünkchen Hoffnung, auf kosmische Begegnungen der tödlichen Art zu treffen. Aber kann man überhaupt sterben? Diese Frage stellt man sich gefühlte zwei Mal im ganzen Spiel. Nach fünf Stunden kratzt man sich am Kopf, seufzt wieder einmal und zieht dann das Fazit: Eine zu grosse Enttäuschung für eingefleischte Horror-Fans, aber akzeptabel für die meisten. Moons of Madness ist als Indiespiel ganz solide, aber alles in allem schockierend einfach und zu zahm für den nächsten ausserirdischen Horrorhit. Schade.

Muhammed Ali Keskin [ali]

Ali arbeitet seit 2019 als Freelancer bei OutNow. «Yoshi's Island» ist Liebe, «Bloodborne» ist Leben - alles andere ist auch ganz nett. Den Film «Stand By Me» zieht er sich alle Jahre wieder rein. Wenn er nicht gerade zockt oder im Kino hockt, kümmert er sich um seine Gottesanbeterinnen.

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