Layers of Fear VR (2019)

Layers of Fear VR (2019)

  1. ,
  2. ,

PS4-Review: Ein Albtraum für Leib und Seele

Da ist wohl einer dem weissen Kaninchen gefolgt.
Da ist wohl einer dem weissen Kaninchen gefolgt. © Bloober Team

Als das polnische Entwicklerteam Bloober Team 2016 das Gruselspiel Layers of Fear veröffentlichte, katapultierte es sich damit in das allgemeine Bewusstsein der Spielergemeinde. Seither hat sich das Studio als feste Grösse im Horror-Genre etabliert. Das unheimliche Erkundungsspiel, das uns als leidender Maler durch eine düstere Familiengeschichte schickt, überzeugte zwar nicht mit seinem spärlichen Gameplay, dafür aber mit seiner dichten Atmosphäre, ausgefallenen visuellen Spielereien und einem beängstigend schönen Soundtrack. Fast fünf Jahre später erscheint der Titel nun für die VR-Systeme. Ob das Horror-Erlebnis dadurch noch intensiver wird?

Obwohl sich das Spiel aufgrund seines gemächlichen Gameplays für VR anbietet, bleibt die Umsetzung letzten Endes eine mittelschwere Enttäuschung. Die schwache Grafik und die sperrige Steuerung dämpfen den Gruselspass merklich. Fans des Titels können einen Blick durch die VR-Brille wagen, Neulinge greifen lieber zum heute noch hübschen und düsteren Original.

Es gibt viel zu erkunden im alten Haus.
Es gibt viel zu erkunden im alten Haus. © Bloober Team

Nach fünf Jahren wieder in die Welt von Layers of Fear einzutauchen, fühlt sich fast wie ein Nachhausekommen an. Voller Vorfreude haben wir uns das VR-Headset übergestülpt und dem alten Herrenhaus einen Besuch abgestattet. Wir stehen im Eingangsbereich. Das Licht ist schummrig, draussen wütet ein Gewitter, melancholische Klavierklänge begleiten unsere ersten Schritte. So kennen und lieben wir Layers of Fear. Zögerlich treten wir durch eine Flügeltüre in die geräumige Empfangshalle - und zucken vor Schreck zusammen.

Jedoch nicht, weil uns eine unheimliche Gestalt von jenseits der Fensterscheibe beobachtet oder ein Kinderspielzeug plötzlich die Treppe runterpurzelt. Wir erschrecken, weil die Grafik des einst so stimmigen Horrorspiels derart grobschlächtig und flach daherkommt, dass wir erst einmal die VR-Brille absetzen und die Linsen kontrollieren.

Tatsächlich ist das Grafik-Downgrade einer der ganz grossen Kritikpunkte, der sich die VR-Version des Indie-Hits gefallen lassen muss. Weg sind die stimmigen Schattenspiele, die Partikeleffekte und Lichteinfälle. Die Räume in dem altertümlichen Spukhaus wirken karg und ihrer düsteren Atmosphäre grösstenteils beraubt.

Schauen wir mal, ob sich die Bob Ross-Tutorials gelohnt haben.
Schauen wir mal, ob sich die Bob Ross-Tutorials gelohnt haben. © Bloober Team

Der zweite Schlag ins Gesicht folgt gleich darauf: die Steuerung. Layers of Fear VR lässt sich nämlich ausschliesslich mit dem Move-Controller steuern. Und das endet schnell in einer Geduldsprobe. Im Haus des Malers gibt es unzählige Schränke und Schubladen zu durchforsten, mal stehend, mal kauernd. Die Kollisionsabfrage ist leider sehr ungenau, weswegen man wohl häufig ins Leere greift - in echt wie auch im Spiel.

Hinzu kommt, dass die Fortbewegung via Move-Controller auch nur bedingt angenehm ist. Sie ist sperrig und ermöglicht trotz verschiedener Anpassungs-Möglichkeiten kaum ein geschmeidiges Erkunden. Als schimmlige Kirsche auf der ranzigen Sahne blieben wir beim Test mehrmals an Mobiliar sekundenlang hängen oder waren nach dem Aufstehen aus der Hocke plötzlich so hoch wie der ganze Raum. Wir mussten die VR-Brille unangenehm oft per Knopfdruck neu justieren.

Am Spiel selbst hat sich sonst nichts geändert. Nach wie vor erkunden wir in der Ego-Perspektive das verlassene Herrenhaus, decken die tragische Geschichte der Hauptfigur und seiner Familie auf und lassen uns von gelungenen - wenn auch heute fast zum Standard gewordenen - Gruselmomenten erschrecken. Psychologische Spielereien wie Türen, die plötzlich verschwunden sind oder die Raumarchitektur, die sich hinter unserem Rücken verändert, wirken in VR tatsächlich noch einen Tacken besser als im Original.

Wo das Spiel zudem immer noch punkten kann, ist bei der Story, die durch Erinnerungsfetzen, Briefe und Details in der Umgebung erzählt wird und in verschiedenen Enden münden kann. Ausserdem vermag der melancholisch-düstere Soundtrack von Arkadiusz Reikowski nach wie vor zu begeistern. Layers of Fear VR umfasst die rund vierstündige Kampagne. Auf den ebenfalls gelungenen «Inheritance»-DLC als Beilage wurde leider verzichtet.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. Instagram
  4. Website

Trailer: PS VR Launch Englisch, 01:13