Kingdom Hearts III (2019)

Kingdom Hearts III (2019)

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PS4-Review: Soras letzte Reise

Das Sprichwort «gut Ding will Weile haben» mag schon stimmen, in diesem Fall hat es Square Enix trotzdem krass übertrieben. Nun, da Kingdom Hearts 3 endlich da ist, mag alles vergeben und vergessen sein - auch die Tatsache, dass zwischen dem ersten Konzept 2006, der offiziellen Ankündigung 2013 und der tatsächlichen Erscheinung Fans eine gefühlte Ewigkeit warten mussten. Klar, die Wartezeit wurde mit den Sammlungen 1.5 + 2.5 Remix und 2.8 Final Chapter Prologue verkürzt, trotzdem hat der dritte Ableger seit Jahren in allen «Most Wanted»-Listen einen Ehrenplatz inne.

Sora greift endlich wieder zum Schlüsselschwert.
Sora greift endlich wieder zum Schlüsselschwert.

Erzählerisch wird nahtlos an Kingdom Hearts 2.0: Birth by Sleep - A Fragmentary Passage angeknüpft. Riku und Mickey suchen nach Aqua, während Sora unterstützt von Goofy und Donald in unterschiedlichen Disney- und Pixar-Welten nach seiner verlorenen «Kraft des Erwachens» sucht. Ob der Abschluss der Saga nach all dem Bangen, Warten und Hoffen den hohen Erwartungen gerecht werden kann?

Die lange Wartezeit hätte durchaus schaden können, tut es aber nicht. Kingdom Hearts 3 leidet unter ähnlichen Problemen wie seine Vorgänger (Kampfsystem, Kamera, komplexe Geschichte), macht dafür auch einiges wett. Das finale Ergebnis weiss zu gefallen, und das, obwohl bei weitem nicht alles perfekt ist. Fans bekommen endlich den langersehnten Abschluss, in dem viele Fragen beantwortet werden - einige davon gut, andere halt weniger. In Anbetracht der Vorgeschichte und der langen Wartezeit kann man damit aber trotzdem mehr als zufrieden sein.

In diesem finalen Abschnitt werden nun endlich Soras Reise über den ewigen Kampf zwischen Licht und Dunkelheit sowie alle Nebenerzählstränge aus den Spinnoffs (Roxas-Alex-Xion, Terra-Aqua-Ventus, Riku-Kairi-Naminé) zusammengeführt und mit gelungener audiovisueller Präsentation zu Ende erzählt. Einige Aspekte und Geschichten gehen wunderbar auf, wirken durchdacht und beantworten einige offen Fragen gekonnt. Andere dagegen wirken an den Haaren herbeigezogen und fallen daher eher flach aus.

Sora macht sogar als Spielzeug eine gute Figur.
Sora macht sogar als Spielzeug eine gute Figur.

Trotz diversen dramaturgischen Unstimmigkeiten wird der Kreis letztendlich überraschend gut und auf unterhaltsame Weise geschlossen. Ähnlich gemischte Gefühle hinterlassen die sehr, sehr vielen Zwischensequenzen und die damit verbundenen Ladezeiten.

Viele dieser animierten Videos wirken nämlich so, als dienten sie nur dazu, die Filme von Disney zu bewerben anstatt die Kingdom-Hearts-Erzählung voranzutreiben. Desweiteren stören die Zwischensequenzen wegen ihrer Frequenz, der teilweise übertriebenen Länge sowie dem Design den Spielfluss mal stärker und mal schwächer.

Auch Baymax gibt sich die Ehre.
Auch Baymax gibt sich die Ehre.

Es fühlt sich schlichtweg mies an, wenn nach einem Film von fünf Minuten bereits nach einem Schritt die nächste Animation geladen wird. Das ist insofern schade, als das Gameplay von der Dynamik und Schnelligkeit lebt. Durch diese mühsame Stop-and-Go-Thematik entfachen die Levels erst nach dem jeweiligen erzählerischen Abschluss ihr wahres Potenzial. Genau dann, wenn man die tollen Welten endlich frei erkunden kann.

Die Welten sind allesamt gut, wobei man auch hier bei genauerer Betrachtung gewisse qualitative Unterschiede feststellen kann. Vor allem die Levels, bei denen man losgelöst von der eigentlichen Film-Geschichte agieren kann, fühlen sich erfrischend und abwechslungsreicher an.

Jack wird auch nochmals besucht.
Jack wird auch nochmals besucht.

Kingdom Hearts III mag, was die Kampfmechaniken betrifft, deutlich einfacher als viele der Vorgänger sein, die Bosskämpfe sind dafür umso spektakulärer und fordernder. Ab und an kann wegen der mühsamen Kamera oder unklaren Anforderungen schon auch so etwas wie Frust aufkommen, meistens hält sich dieser aber in Grenzen.

Diesbezüglich schadet es nicht, dass das Aufleveln dank mehr Slots für Ausrüstungen und Zauber sowie den zahlreichen Disney-Charakteren, welche endlich weder Goofy noch Donald verdrängen, durchaus gelungen ist. Trotz dieser Aufstockung und Ausweitung bleibt sich das Spiel aber in den meisten Aspekten sehr treu.

Was wäre Kingdom Hearts ohne Winnie Pooh und seine Freunde?
Was wäre Kingdom Hearts ohne Winnie Pooh und seine Freunde?

Fernab der Geschichte und der Kämpfe sorgen interessante und unterhaltsame Minispiele sowie motivierende Schatzsuchen und Schnitzeljagden für viel Abwechslung und spassige Momente. Dazu kommen vereinzelte Perspektivenwechsel zwischen Sora und Riku, welche gut getimt und erfrischend sind, und die ausgewogenen Gummi-Schiff-Passagen, welche quasi ein komplett anderes Spiel enthalten.

Die technische Umsetzung ist qualitativ ebenfalls auf sehr hohem Niveau, und zwar sowohl was die audiovisuelle Umsetzung als auch die Steuerung betrifft. Einzig die bereits erwähnten Ladezeiten könnten besser sein, ins Gewicht fällt dies jedoch kaum.

/ pan