Jump Force (2019)

Jump Force (2019)

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PS4-Review: Manga-Welten auf Abwegen

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Mittlerweile sind Anime-Videospiel-Adaptionen sehr zur Freude der jeweiligen Fans in unseren Breitengraden keine Seltenheit mehr. Naruto, One Piece, Dragon Ball sind regelmässig vertreten, während andere (z.B. JoJo's Bizarre Adventure oder Fist of the North Star) zumindest bereits Premiere feierten. Was würde aber passieren, wenn diese kampfbetonten Helden aufeinandertreffen würden? Würde Naruto mit Ruffy (oder Luffy für Puristen) den Boden wischen oder doch eher eine Niederlage einstecken? Wer würde bei Son Goku gegen Zorro oder Garaa gegen Vegeta wohl als Sieger das Feld verlassen?

Diese Fragen können nun mit dem Crossover Jump Force womöglich endlich beantwortet werden. Pünktlich zum 50. Geburtstag des Jump Magazins (Shōnen Jump), in dem seinerzeit Naruto, Son Goku und Ruffy ihren Anfang fanden, werden in einem übergreifenden Prügelspiel alle hauseigenen Mangas gemeinsam in den Ring geschickt. Die Zukunft der Erde steht auf dem Spiel, da sind genau solch mächtige Helden gefragt. Ob das gut geht?

Jump Force hätte der Traum eines jeden Manga- und Anime-Fans werden sollen, ist hingegen eine Ladebildschirm-Orgie mit guter Prämisse und enorm viel verschenktem Potential geworden. Es gibt durchaus gute Momente, die langweilige Story und viele sinnlose und frustrierende Designentscheide ersticken diese aber im Keim. Wenn die Unternehmen Spike Chunsoft und Bandai das Spiel noch retten wollen, müssen sie weitaus mehr als nur die angekündigten neun DLC-Charaktere nachreichen. Ohne gute Story, interessante Missionen und kürzere Ladezeiten ist das Spiel ansonsten dem Untergang geweiht.

Die Erde wird bedroht, und deshalb kommen Helden aus allen Manga-Welten zusammen, um in der neuformierten Jump-Force-Einheit das Böse zu besiegen. Hört sich das abgelutscht und absolut banal an? Das dürfte wohl daran liegen, dass es auch so ist. Nach dem tollen Einstieg werden gute Zwischensequenzen immer mehr zur Mangelware. Die meisten Story-Missionen, wenn man sie überhaupt so nennen kann, verfügen nicht mal über eine Sprachausgabe und wirken auch davon abgesehen äusserst lieblos zusammengestiefelt. In den ersten Kapiteln dreht sich fast ausschliesslich alles nur darum, Vernunft in «besessene» Charaktere zu prügeln und sie schliesslich für die Jump-Force-Einheit zu rekrutieren. Blöd nur, dass alle Helden bereits vor ihrer Anwerbung für freie Missionen, welche nur dem Erwerben von Geld, Ausrüstung oder Fähigkeiten dienen, zur Auswahl stehen. Die Erzählung ist an sich schon flach, macht aber so auch überhaupt keinen Sinn.

Jetzt ist Naruto richtig wütend.
Jetzt ist Naruto richtig wütend.

Wie sieht es mit der Kämpferliste aus? Betrachtet man den anfänglichen Roster mit 40 Charakteren, fällt schnell auf, dass die drei Hauptserien Naruto, One Piece und Dragon Ball überdurchschnittlich stark vertreten sind. Trotz guter Anzahl und ansehnlicher Auswahl hätte man - DLCs hin oder her - bei einem derartigen Crossover deutlich mehr Kämpfertypen (nur drei unterschiedliche Ausrichtungen) und Charaktere einbauen können oder sogar müssen. Sicher, sogar bei einem Roster von 200 Protagonisten hätte je nach Geschmack der eine oder andere noch immer gefehlt, bei einer grossen Anzahl hätte man dies sicher besser verkraften können. Zumindest ist die Umsetzung der Helden und Schurken grösstenteils gelungen. Der eigene Charakter macht ungeachtet der mageren Möglichkeiten in Sachen Kampf und Optik sowie stummes Dasein durchaus Laune. Die grafische Darstellung kann gefallen oder eben nicht. Jump Force setzt nämlich auf eine eher realistische statt animierte Optik und dürfte damit bestimmt nicht jedermanns Geschmack treffen.

Manga trifft The Division?
Manga trifft The Division?

Die Kämpfe selbst, wenn man endlich dazu kommt, sind mit ihrem 3-vs-3 (oder einer Abwandlung davon) dynamisch, schnell und bombastisch inszeniert - zumindest zu Beginn. Sobald sich die erste Euphorie legt und sich das Auge an die Effekte gewöhnt, fallen zunehmend Mängel auf, welche mit der Zeit die Oberhand gewinnen. In diesem Sinne leidet Jump Force an allen Ecken und Enden unter absurden Design-Entscheiden. Nebst der extrem vereinfachten Steuerung (Combos werden mit nur einem Tastendruck ausgelöst), dem einzelnen Lebensbalken (!!), der unter allen drei Charakteren geteilt wird, sowie der schlechten Balance fallen besonders die unmöglich langen Ladezeiten negativ auf.

Von zehn durchschnittlichen Minuten im Spiel verbringt man gute sechs Minuten im Ladebildschirm, zwei bis drei mit Charakterwahl oder Story und höchsten eine bis zwei Minuten im Kampf. Bereits die eigene Ausrüstung zu ändern, wobei die Auswahl an Ausrüstung und Accessoires relativ eingeschränkt und überteuert ist, hat dermassen lange Ladezeiten zur Folge, dass es ein Graus ist. Desweiteren ist es enorm frustrierend, wenn man eine S-Wertung und die entsprechende Belohnung verliert, nur weil der vermeintlich bereits besiegte Gegner mit der ultimativen Attacke mehr als 50 Prozent der eigenen Lebenspunkte pulverisiert. Dies auch, weil es die Wertung erst nach längerem Laden gibt und den Kampf zu wiederholen bedeutet, dass das Laden von vorne beginnt.

Im Mehrspielermodus sieht es nicht viel besser aus, weil eben das gesamte Design und nicht die KI das Problem ist. Lokale Spiele leiden ausserdem darunter, dass stellenweise der eigene Charakter im hinteren Bereich agiert und dadurch die Übersicht und Kontrolle verloren gehen. Trotzdem macht es so deutlich mehr Laune, sich die Rübe einzuschlagen als in den vermurksten Story- und Nebenmissionen.

/ pan