John Wick Hex (2019)

John Wick Hex (2019)

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PS4-Review: Entschleunigte Action

Da haben wir uns wohl verkalkuliert.
Da haben wir uns wohl verkalkuliert. © Good Shepherd Entertainment

Die Filmreihe rund um Auftragskiller John Wick hat nicht nur Keanu Reeves wieder zurück ins Rampenlicht geholt, sondern auch ein Franchise ins Leben gerufen, das mit stylishen, perfekt choreografierten Actionszenen zu begeistern weiss. Nun findet der hundeliebende Killer seinen Weg in die Videospielwelt.

Alle Filmfans, die nun hoffen, sich in rasanten Gunfights durch Levels zu ballern und mit geschmeidigen Moves Gegner im Nahkampf auszuschalten, werden bei Spielstart irritiert auf den Bildschirm starren. Denn John Wick Hex ist ein waschechtes Taktikspiel! Zug um Zug wird geplant, abgewogen und riskiert. Nur: Macht das überhaupt Spass?

John Wick Hex ist ein Nischentitel, der zwar an der Taktikfront viel richtig macht, aber trotzdem viel Potenzial liegen lässt. Frustresistente Taktik-Naturen, die sich gerne in ein Level verbeissen, werden mit dem Titel ihren Spass haben. Alle anderen dürften von der mauen Präsentation und dem eigenwilligen Spielkonzept eher abgeschreckt werden.

Partymotto: Neon
Partymotto: Neon © Good Shepherd Entertainment

Das Spiel erzählt die Vorgeschichte der Filmreihe und bringt mit Ian Shane (Winston) und Lance Reddick (Hotel Manager Charon) sogar zwei Schauspieler der Filme als Sprecher ins Spiel. Die Sprachausgabe bleibt englisch, das Spiel bietet aber deutsche Texte. Die Präsentation der eher dürftigen Rahmenhandlung - Winston und Charon wurden entführt und John Wick muss nun im Auftrag des Antagonisten Hex Leute umlegen, wenn er seine Freunde wieder lebend sehen will - ist im Stil eines Graphic Novel erzählt. Heisst: Standbilder im Comiclook. Spannend ist das nicht wirklich und reisst optisch auch keine Bäume aus, passt aber zum neonlastigen Cel-Shading-Look des Spiels und fängt die düstere Atmosphäre der Filme gut ein.

Wir steuern unseren Helden aus der Vogelperspektive durch sieben Kapitel (aufgeteilt in mehrere Levels) und haben grundsätzlich immer nur ein Ziel: lebendig den Ausgang zu erreichen. Hört sich einfach an, ist aber ziemlich fordernd und bisweilen sogar frustrierend unfair. Jede unserer Aktionen verbraucht nämlich Zeit. An einer Timeline am oberen Bildschirmrand erkennen wir, wer wann mit welcher Aktion zum Zuge kommt. Anders als in rundenbasierten Spielen teilen sich hier Gegner und Wick eine Timeline. Reicht die Zeit, noch in Deckung zu huschen, bevor der Gegner feuert? Können wir es uns leisten, die Waffe nachzuladen oder sollen wir sie dem Feind gleich an den Kopf werfen, weil das schneller geht? Jede Aktion, Waffe und Bewegung verbraucht unterschiedlich viel Zeit und will weise eingesetzt sein. John Wick Hex ist Ressourcenmanagement pur.

Die Timeline am Bildrand oben zeigt den Ablauf der Action.
Die Timeline am Bildrand oben zeigt den Ablauf der Action. © Good Shepherd Entertainment

Leider lädt das Spiel nicht zum Experimentieren ein. Eine Rückspulfunktion fehlt ebenso wie Checkpoints in den Levels. Wer stirbt, beginnt den Abschnitt noch einmal von vorne. Auswendiglernen der Levels ist auch nicht möglich, denn die Gegner werden immer wieder neu platziert. Das sorgt zwar für Abwechslung und behält das Taktieren auch immer frisch, kann aber auch frustrieren, weil man aus eigenen Fehlern nicht lernen kann. Ebenso wird die Gesundheit zwischen den Levels nicht aufgefrischt. Das ist zwar konsequent, aber wenn man im ersten Level eines Kapitels knapp überlebt hat, werden die folgenden Abschnitte umso schwerer. Da helfen Türen mit unendlich spawnenden Gegnern auch nicht gerade weiter. Die KI hat definitiv keinen Hochschulabschluss, das wird aber gerade in späteren Levels mit Gegner-Massen kompensiert. Hier hätten wir uns eine bessere Balance gewünscht.

Nach erfolgreichem Abschluss des Levels gibt es dann unser Vorgehen als Echtzeit-Video zu sehen. Leider sieht das wegen der arg steifen Animationen nicht halb so toll aus, wie es sollte.

Feuer Frei!
Feuer Frei! © Good Shepherd Entertainment

Zwar kommen im späteren Spielverlauf ein paar Gegnervariationen dazu (Fernkämpfer, Nahkämpfer, Bossgegner), aber am generellen Spielprinzip ändert sich nichts mehr. Ebenfalls kann man John Wick weder aufleveln noch mit neuen Fähigkeiten ausstatten. Zwar hat man die Möglichkeit, vor Levelstart Medikits, Munition und andere Dinge an bestimmten Levelpunkten zu platzieren oder ein paar Perks zu aktivieren, aber mehr Interaktion mit der Figur oder der Spielwelt liegt nicht drin. Das sorgt dafür, dass die Luft ziemlich schnell raus ist. Nach ein paar Kapiteln hat man eigentlich alles schon gesehen.

/ chb

Trailer: Announcement Englisch, 01:19