Death Stranding (2019)

Death Stranding (2019)

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PS4-Review: Der «Postman» neu erfunden!

«Nie wieder Pauschalbadeferien!»
«Nie wieder Pauschalbadeferien!» © Entwickler / Publisher

Als Hideo Kojima, der Schöpfers der Metal-Gear-Reihe, im Jahr 2015 Konami verliess, war die Neugier der Fangemeinde gross. Nachdem 2016 in Los Angeles im Rahmen der E3 Death Stranding in Kooperation mit Sony Interactive Entertainment angekündigt wurde, gab es kein Halten mehr. Kaum ein Spiel wurde im Vorfeld so stark hochgejubelt und zugleich niedergemacht wie das erste Werk von Kojima Productions. Die Zeit der Spekulationen ist nun vorbei, denn das Spiel ist da und kann endlich die Frage beantworten, ob sich Kojima mit seinem neusten Wurf ein weiteres Denkmal gesetzt hat.

Die Welt liegt in Schutt und Asche, der gestrandete Tod hat alles verändert. Die Überlebenden kämpfen sich mehr schlecht als recht durch, in stetiger Angst von GDs, Mule und dem Tod persönlich. Zusammengehalten wird das wenige noch Vorhandene durch Boten, welche die gefährlichen Routen abarbeiten und benötigte Ressourcen beschaffen und liefern. Einer dieser Boten ist Sam Porter Bridges. Die Menschen wollen aber mehr als nur überleben und so bekommt Sam den Auftrag, die USA erneut zu vereinen.

Ob Death Stranding nun das Spiel des Jahrzehnts oder übergehypter Schrott ist, wird die Geister noch lange spalten. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Je nach dem wie man die einzelnen, durchaus einander in der Wertung widersprechenden Elemente gewichtet, wird man das Spiel lieben oder eben hassen. Das Zünglein an der Waage dürfte nicht zuletzt die eigene Meinung über den Schöpfer Hideo Kojima sein. Letztendlich machen die tolle Inszenierung der chaotischen Geschichte, das innovative wenngleich abwechslungsarme Gameplay sowie die gesamte Atmosphäre Death Stranding sicherlich zu etwas Besonderem - im Guten wie im Schlechten.

Was man alles mit Leitern anstellen kann.
Was man alles mit Leitern anstellen kann. © Entwickler / Publisher

Wenn es was gibt, womit Hideo Kojima noch nie gegeizt hat, sind es aufwendige Zwischensequenzen, detaillierte Hintergründe und philosophische Fragestellungen. So überrascht es auch nicht, dass sich Death Stranding nach der längere Eröffnungssequenz deutlich mehr wie ein Film denn ein Spiel anfühlt. Trotzdem hat es das Prelude in sich und setzt den Massstab für den weiteren Verlauf des Abenteuers. Ohne allzu detailliert auf die Geschichte eingehen zu wollen, kann hier festgehalten werden, dass die Inszenierung trotz der vielen verwirrenden Begriffe, seltsamen Charaktere oder dem Wirrwarr an bruchstückhaften Informationen schlicht und einfach rockt.

Das liegt einerseits an den vielen bekannten Schauspielern wie Norman Reedus als Sam oder Guillermo del Toro als Deadman, aber auch an der technischen Umsetzung. Die grafische Darstellung der gesamten Welt ist von den tollen Landschaften über die Wettereffekte bis hin zu den Figuren (wenngleich diese etwas «over the top» sind) auf allerhöchstem Niveau. Gemeinsam mit dem stimmigen Soundtrack und den guten Original- und Synchronsprechern wird eine packende und überzeugende Atmosphäre geschaffen, welche zu fesseln vermag. Wenn man mit Sam die unterschiedlichen Aufträge erfüllt, indem man selbst den Weg zum Ziel austüftelt, trifft man immer wieder auf Situationen, Aussichten und andere Überraschungen, die einem regelrecht imponieren.

Keine Zeit für die tolle Aussicht.
Keine Zeit für die tolle Aussicht. © Entwickler / Publisher

Die gute Inszenierung hilft einem leicht über die erzählerischen Mankos hinweg. Die Geschichte ist sicherlich tiefgreifend und möchte eine wichtige Botschaft vermitteln, stellenweise ist es aber einfach zu viel des Guten. In dieser Hinsicht fallen die stark an Metal Gear erinnernden Code-Namen einzelner Charaktere (wie z. B. Deadman oder Die-Hardman) negativ auf, genauso wie gewisse Ausgangslagen oder Designentscheide («BBs im Glas, welche GDs aufspüren») sowie die sich ständig wiederholenden Animationen, welche ebenfalls besser hätten gelöst werden können.

Die gleichen Widersprüche finden sich auch im Spielprinzip und Gameplay. Dieses ist zwar zumindest auf dem Papier äusserst innovativ und zu Beginn auch sehr unterhaltsam, letztendlich fällt es aber sehr einseitig aus. Sam klettert, nutzt Leitern oder Seile, um schwieriges Gelände zu überwinden, watschelt durchs Wasser, schleicht sich an Mules (böse Outlaws) und GDs (furchteinflössende Monster) vorbei, fährt Motorrad oder rennt voll beladen in der Gegend umher. Sein Ziel dabei: Waren und Ressourcen von einem Ort zum anderen zu bringen.

Duschen hilft. Weitaus mehr als man denken würde!
Duschen hilft. Weitaus mehr als man denken würde! © Entwickler / Publisher

Überall im Gelände können zudem Ressourcen oder verlorene Güter aufgesammelt werden, welche wiederum für eine bessere Wertung in Form von Likes sorgen. Diese Likes dienen als Universal-Währung, was zwar in einer postapokalyptischen Welt nicht wirklich Sinn zu machen scheint, aber im Zusammenhang mit dem asynchronen Mehrspielermodus doch eine wichtige Funktion erfüllt. Dieser asynchrone Mehrspielermodus ist der wahre Lichtblick von Death Stranding. Es können Waren und Ressourcen geteilt, gemeinsam gebaut oder gekämpft werden, Routen von anderen Spieler benutzt, fallengelassene Kisten ans Ziel gebracht oder mit Hilfe von Schildern miteinander kommuniziert werden, indem man von Gefahren warnt oder auf besondere Sachen hinweist.

Insgesamt fällt das Gameplay - mit oder ohne Mehrspielermodus - auf lange Sicht doch eher mager aus. Das Erschliessen von neuen Gebieten und Zentren ist durchaus spassig, wenn man aber zum x-ten Mal die gleiche Route absolviert oder an den immer gleichen Stellen mit GDs konfrontiert wird, setzt mit der Zeit doch Langeweile ein. Da nützt es auch nichts, dass die Mechaniken und die Physik sehr gut sind und somit die Art und Weise wie Sam beladen ist, einen wichtigen Einfluss auf sein Voranschreiten hat. Dadurch, dass jegliche Ware irgendwie am Körper (später auch am Motorrad oder anderen Hilfsmittel) getragen werden muss, wird eine strategische Komponente geboten, welche sich jedoch genauso wie die anderen (z. B. die Wahl der mitgeführten Hilfsmittel oder die Festlegung der Route) viel zu schnell abnutzt.

Muss das sein?
Muss das sein? © Entwickler / Publisher

Im Endeffekt ist Death Stranding trotz einem gewissen Gruselfaktor und einem stellenweise einsetzenden gewissen Zeitdruck doch ein eher gemütliches Spiel, das enorm viel persönliche Freiheit und gleichzeitig viel Community vermittelt. Geschichte und Gameplay sind auf dem Papier besser als im finalen Produkt, dennoch macht Kojima damit eine gute Figur.

/ Antonio Prosperati [pan]

Kommentare Total: 2

Frank sallerie

Death Stranding ist nichts für jeden, wenn man als Freund von Militärischen Open World Shootern oder RPG Monstern wie Skyrim an dieses Spiel heran geht, dann wird man vermutlich schon aus Prinzip enttäuscht sein.
Das muss ich im Vorfeld eindeutig sagen, da es mir bereits vor dem selber Spielen viel zu häufig passierte, das man mir erklären wollte, das Death Stranding «NUR» ein hübscher Walking Simulator sei. Aussagen wie diese, bewiesen mir besonders ab dem Zeitpunkt als ich es selbst spielte, wie wenig sich Leute mit diesem Game beschäftigt hatten und ihr Wissen lediglich aus ein paar Trailern, abseits der Kämpfe und eher weniger lustigen «LOL! DER DEPP FÄLLT UM» Meme Videos zusammen gesucht haben.

Dieses Spiel macht etwas das viele Spiele in der heutigen Zeit nicht mehr schaffen, es stellt dir eine schier unlösbare Aufgabe die man nicht mit einem Skillsystem und Hunderten Auswahlfunktionen einfach abkürzen kann, weil man Redekunst auf 100 hat und deshalb sogar einem Untoten Skelettpriester, irgendwo hinter Dämmerstern einen Besen verkaufen kann.
Death Stranding ist ein Gewaltmarsch, den du als Spieler durchleben musst und der dich selbst, so wie die Welt um dich herum prägen. Das klingt im ersten Moment abschreckend, doch es ist genau das was dieses Spiel so gut macht, man kämpft sich nicht quer Feld ein für epischen Loot durch die Welt und drückt am ende Npc's samt Story weg, weil man lieber sofort dem millionsten Questmarker hinterher rennen will.

Man entwickelt ein wirkliches Interesse daran, was für Menschen in dieser Welt leben und freut sich über jede form der Anerkennung, die man von diesen zurück bekommt. Es harmoniert überraschend gut mit dem wieder willen der eigenen Spielfigur, sich der grossen Aufgabe eines vereinigten Amerikas und dessen Bewohnern zu widmen, da man einen notorischen Einzelgänger, mit einem Berg an Seelischen Problemen spielt, welcher erst mit der Zeit nach und nach aus sich heraus kommt.

Jede erfolgreiche Lieferung die einen durch Banditen Lager, GD Gebiet oder durch Schneesturm geplagte Gebirgshänge treibt, ist eine Belohnung an sich und mit der Zeit, wird es dank der eigenen Erfahrung und dem gewissenhaften Ausbau des Highway oder eines Netzwerks aus Seilrutschen deutlich einfacher den Job als Lieferant zu erfüllen.
Diese Bequemlichkeiten erfordern jedoch deine Aufmerksame Pflege und Zuwendung, nichts in dieser Welt ist für die Ewigkeit gemacht und muss gewissenhaft zwischen oder während den Lieferungen in stand gehalten werden. An diesem Punkt muss ich besonders den Online Part hervor heben welcher dir mit zunehmenden Fortschritt extrem viel Hilfe von anderen Spielern zu kommen lässt welche man selbst nie zu Gesicht bekommen wird.

Man hilft sich dank dieser Mechaniken gegenseitig mit Ausrüstung, Baumaterial oder dem auffinden verlorener Ausrüstung, was ironischer weise einen höheren Wunsch weckt zu helfen, als es andere Online Games schaffen in denen man die Mitspieler sehen und direkt mit ihnen interagieren kann. Man hilft sich weil man selbst genau weiss wie hart der Weg und wie gut es sich anfühlt wenn man die helfende Hand gereicht bekommt.

Death Stranding ist allem voran eine Geschichte über das zusammen finden von Menschen und der frage was in einer Welt die vom Real gewordenen Tod wirklich noch wichtig ist. Man lernt die unterschiedlichsten Schicksalsschläge von Interessanten Figuren kennen, welche sichtbare eindrücke bei Sam hinterlassen, der bis zum Schluss seine ganz eigene Persönlichkeit besitzt und keine 360 grad Wendung zum Gutmütigen Samariter durchlebt, weil man eine bestimmte Optionale Aufgabe erfüllt hat.

Das sich die gesamte bekannte Welt in Death Stranding nicht voller Freude unter Regenbögen in die Arme fällt und man trotz deiner andauernden Bemühungen, mit den ecken und kanten von Einsiedlern und nicht zu letzt von Sam selbst herum schlagen muss zeichnet ein sehr Realistisches Bild von uns Menschen an sich. Man hilft dir beim Fortschritt im Spiel nicht weil es es Erzählerisch unmotiviert irgendwie Logisch ist oder dem höheren Ziel dient, man hilft DIR, da sie dir im Gegenzug zu deinen Strapazen ebenfalls helfen wollen, ähnlich wie es andere Spieler, beim den bereits erwähnten Online Funktionen tun.

Letzten Endes könnte ich noch Romane schreiben, wieso dieses Spiel auf seine extrem Niesichige Art zu den besten Spielen gehört die ich kenne, aber das würde jedoch jeden Rahmen sprengen und sich vom Hundertste ins Tausendste Verrennen. Alles in allem kann man nur sagen, wer jemals auch nur entfernt mit einem Spiel unter Kojimas Leitung Spass haben konnte, der wird sich hier Pudelwohl fühlen. Und mit Sicherheit wird man auch das ein oder andere mal ein paar Tränen in den Augen haben, was für die Erzähl weise von seinen Projekten bisher immer der sichere Fall gewesen ist. Dramaturgisch wie Story technisch eine Erfahrung, die selbst nach dem Spielen, noch zum Nachdenken anregt und viele einzigartige Momente zurück lässt.
Am Ende kann man nur noch folgendes sagen was in diesem Spiel besser umgesetzt wurde als in vielen anderen zuvor. «Der Weg ist das Ziel»

pan

PS4-Review: Der «Postman» neu erfunden!

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