Chernobylite (2019)

Chernobylite (2019)

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PS5-Review: Moralische Herausforderungen in der nuklearen Sperrzone

Tatyana, die Frau, die Igor in den Wahnsinn treibt?
Tatyana, die Frau, die Igor in den Wahnsinn treibt? © The Farm 51

Chernobylite von The Farm 51 befindet sich seit knapp einem Jahr für PC und die ältere Konsolengeneration auf dem Markt. Nun haben die Macher aus Polen die NextGen Version für PlayStation 5 und Xbox Series X|S nachgeliefert.

Die Handlung im Prolog bringt uns direkt zum zerstörten Kernkraftwerk, das der Protagonist Igor zusammen mit Verbündeten infiltriert. Igor ist auf der Suche nach seiner Frau Tatyana, die wie er im Kernkraftwerk gearbeitet hat. Tatyana gilt seit dem Reaktorunglück als verschollen. Doch Igor ist überzeugt, dass sie sich noch immer irgendwo im zerstörten Komplex aufhält. Seine Überzeugung wird von gespenstischen Träumen genährt und so startet sein Abenteuer zwischen schiesswütigen Söldnertruppen und dämonischen Kreaturen aus einer anderen Dimension.

Aufgrund der wenigen und kleinen Gebiete wirkt das Spiel schnell wiederholend. Abwechslungsreiche Aspekte wie Überfälle oder das Lösen von Rätseln ergeben sich erst nach längerer Spieldauer. Igor befindet sich bei seinen Missionen häufig in einer moralischen Zwickmühle. Soll er einen Fremden, der ihn allenfalls verrät, ziehen lassen oder besser ausschalten? Dass Igor nach seinem Tod solche Entscheidungen umkehren kann, ist ein interessanter Aspekt in Chernobylite, der aber leider zu wenig zum Tragen kommt. Genauso verpasst es das Game, den Fokus auf die Entwicklung von Igor zu legen. Denn dieser mausert sich im Spielverlauf vom schüchternen Wissenschaftler zum Guerillakämpfer.

Von der einstigen Idylle ist nicht mehr viel übrig.
Von der einstigen Idylle ist nicht mehr viel übrig. © The Farm 51

Die erste Suchaktion im AKW endet erfolglos. Als der schwarze Stalker auftaucht, können wir uns in letzter Sekunde mit dem Portalgenerator in ein Lagerhaus retten. Für den weiteren Spielverlauf dient das Lagerhaus als Basis und kann kontinuierlich mit Gerätschaften und Annehmlichkeiten ausgebaut werden. Denn nicht nur Igor, sondern vielmehr seine Gefährten die er unterwegs antrifft und für sein Team anheuern kann, wollen es gemütlich haben. Dazu gehören nicht nur ein angemessener Schlafplatz, sondern auch frische Luft, Licht und vor allem genügend Essen.

Der Tagesablauf ist von nun an dreigeteilt. Am Morgen findet die Befehlsausgabe statt. Jedem Gefährten kann eine Mission - beispielsweise zur Essens- oder Munitionsbeschaffung - zugeteilt werden. Igor selbst konzentriert sich eher auf das Vorankommen in der Mission und beschafft Informationen rund um das Verschwinden seiner Tatyana. Auf seinen Entdeckungstouren trifft er hin und wieder auf Personen, mit denen er handeln kann oder die seine Hilfe benötigen. Oftmals ist Igor dabei gezwungen, eine Entscheidung zu fällen.

Grüne Augen und Gasmaske; schockt das noch jemanden?
Grüne Augen und Gasmaske; schockt das noch jemanden? © The Farm 51

Jeder Entscheid wirkt sich dabei auf die weitere Spielentwicklung aus. Doch jede Entscheidung kann im Nachhinein auch revidiert werden. Wenn Igor stirbt, wacht er auf einer Art Metaebene auf, wo er getroffene Entscheidungen nochmals ansehen und ändern kann. Nach getaner Arbeit kehren alle in die Basis zurück und die Beute wird abgeliefert. Igor verteilt danach die Essensrationen, was sich auf die Gemütslage der Gefährten auswirken kann. Danach bleibt noch Zeit für Training, für Updates der Ausrüstung oder Basiseinrichtung, ehe wir uns ins Bett legen und den Tag beenden. Ah, und übrigens helfen Igor gegen seine Gewissensbisse jeweils ein Schluck Schnaps. Prost!

Die Missionen von Chernobylite finden in verhältnismässig kleinen Gebieten statt. Nützliche Gegenstände können mit Hilfe eines Scanners ganz einfach aufgespürt werden. Mit Voranschreiten in der Geschichte nimmt die Anzahl Gegner zu. Die Soldaten der NRA erweisen sich leider als wenig intelligent. Heranschleichend kann unser Protagonist sie sehr einfach ausschalten. Doch wehe, sie entdecken uns. Dann sind die Soldaten die tödlichsten Scharfschützen. In solchen Situationen ist es wenig hilfreich, dass die Steuerung recht ungenau und eher fummelig ist.

Mit dieser Aussicht startet Igor jeweils in seinen Tag.
Mit dieser Aussicht startet Igor jeweils in seinen Tag. © The Farm 51

Ausser bei Headshots ist das Trefferfeedback schwach. Teilweise ruckelt sogar das Game, und im weiteren Verlauf unseres Tests zeigte Chernobylite weitere technische Mängel. Die tiefe Framerate macht das Spiel mühsam und erschwert es unnötig, die Gegner zu entdecken. Bereits im Prolog ging das Game nicht weiter, da eine Skriptsequenz nicht ausgelöst wurde. Hier musste der Checkpoint neu geladen werden. Ebenfalls scheinen die Soundeffekte nicht immer ganz synchron mit den Bewegungen von Igor zu sein. Häufig klingen die Geräusche nach, sodass man nie sicher sein kann, ob nicht irgendwo noch ein Soldat seinen Rundgang macht. Schade, denn dadurch geht weiteres Potenzial dieses Titels verloren.

Tobias Geser [gto]

Tobias schreibt seit 2010 Game-Reviews. Am liebsten spielt er spannende Adventures und actionreiche Shooter Games. Mit FIFA hingegen kann er überhaupt nichts anfangen. In seiner Freizeit trifft man Tobias häufig auf dem Mountainbike an.

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