Borderlands 3 (2019)

Borderlands 3 (2019)

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PS4-Review: Halbgare Rückkehr nach Pandora

Die Kammerjäger sind zurück!
Die Kammerjäger sind zurück!

Nach diversen eigenen Spielen (vorwiegend Brother in Arms) und Portierungen schaffte Gearbox Software 2009 mit dem postapokalyptischen Shooter Borderlands den ganz grossen Wurf. Mit seinem speziellen Cel-Shading-Look, massiven Loots, abgedrehten Charakteren und irrwitziger Action wurde der First-Person-Shooter fast über Nacht zum Hit. 2012 folgte Borderlands 2 und 2014 in Kooperation mit 2K-Australia Borderlands: The Pre-Sequel.

Nach langen fünf Jahren kehrt Gearbox endlich mit Borderlands 3 (zumindest zeitweise) nach Pandora zurück. Mit vier neuen spielbaren Kammerjägern sowie vielen bekannten Charakteren und einer Vielzahl an neuen Gesichtern wird erneut die Jagd auf die Kammer lanciert, welche diesmal sogar weitere Planeten einschliesst. Hat sich die lange Wartezeit bezahlt gemacht?

Borderlands 3 ist mehr Borderlands, und das alleine ist Grund zur Freude. Leider orientiert sich der Loot-Shooter mehr am Pre-Sequel oder an Titeln wie Destiny 2 als am gelungenen Borderlands 2. Missions- und Gegnerdesign, Gebiete- und Levelaufbau sowie die Technik machen einen eher bescheidenen Eindruck. Die abwechslungsarmen Missionen sowie die Tatsache, dass Gearbox bei den Nebenmissionen von einem Extrem (zu viele) zum andere (kaum welche) fällt, mindern den Spielspass. Klar, was nicht kaputt ist, muss nicht repariert werden, trotzdem hätte man sich von Gearbox nach all der Zeit etwas mehr erhofft.

Die Hauptgeschichte ist bei Borderlands traditionsgemäss eine überaus unterhaltsame «Nebensache», denn die Serie lebt vor allem von den vielen schrägen, absurden und abgedrehten Figuren sowie von ihren kurzen oder langen Geschichten in Form von Nebenmissionen. Ersteres ist auch bei Borderlands 3 wieder der Fall. Die Hauptstory mit den Haupt- und Nebenbösewichten sowie neuen Helden und wiederkehrenden Unterstützern trägt einiges dazu bei, dass man während der gesamten Reise gut unterhalten wird. Die Nebenmissionen dagegen fallen zahlenmässig, erzählerisch und spielerisch vorwiegend lauwarm aus.

Da wünscht man sich doch «Handsome Jack» zurück!
Da wünscht man sich doch «Handsome Jack» zurück!

Glücklicherweise wird man durch das Besuchen von fremden Planeten, obwohl sich dies spielerisch nur bedingt bemerkbar macht, gekonnt davon abgelenkt. Trotzdem fällt die Qualität stark schwankend aus. Während die grösseren Gebiete mit dem üblichen Flair brillieren, verkommen die kleineren Gebiete zu langweiligen Schlauchlevels. Die vielen linearen Missionen entpuppen sich wegen fehlender Schnellreisepunkte und Verkaufsautomaten als eintönige und zähe Grinding-Areale, in denen man gezwungen wird, alles in einem Zug «abzuackern».

Obwohl in diesen Gebieten ebenfalls die mehr oder weniger gelungenen Crew-Herausforderungen in Form von Claptrap-Teilen, Vaults, Radiostationen oder Auftragsmorden warten, sind etliche dieser Passagen fast schon eine Qual. Insbesondere dann, wenn die Missionen nichts anders vorsehen, als sich durch gefühlte 100 Wellen an Feinden und einem übermächtigen Boss zu kämpfen, und zwar mit extrem knapper Munition und ohne echte spielerische Alternativen.

Grösser ist immer besser, oder?
Grösser ist immer besser, oder?

Ganz ähnlich wie Destiny 2 - woran man überraschenderweise stark erinnert wird - fragt man sich schon, was letztendlich die unterschiedlichen Planeten nützen, wenn man dadurch kaum spielerische oder erzählerische Abwechslung geboten bekommt. Die für Borderlands traditionelle gute Mischung aus «Dungeons», freier Erkundung, abwechslungsreichen Missionen und Gegnervielfalt sucht man in diesem dritten Teil leider häufig vergebens.

Nur damit es keine Missverständnisse gibt: Borderlands 3 ist ein guter Shooter und macht stellenweise enorm viel Spass. Es ist nur so, dass keine echte Evolution erkennbar ist und alles - ganz passend zum Zeitgeist - wiederverwertet erscheint. Insgesamt fühlt sich der Shooter so an, als ob Gearbox sich nur in die Breite statt in die Tiefe bewegt hätte. Es ist zwar alles da, was Borderlands wirklich ausmacht: vier gelungene und abwechslungsreiche Kammerjäger mit zahlreichen eigenen Fähigkeiten, eine schiere Menge an genialen Waffen sowie brachiale und kurzweilige Action. Es reicht nur irgendwie nicht.

Was, Claptrap ist auch wieder da?
Was, Claptrap ist auch wieder da?

Viele Verbesserungen wie Waffen mit wechselbaren Elementarschäden oder Herausforderungen pro Gebiet sind geglückt und willkommen, trotzdem hat Gearbox es anders als bei Teil 2 versäumt, echte Risiken einzugehen, um die Serie weiterzuentwickeln. Dieser fast schon fade Beigeschmack dürfte durch die Tatsache weiter verstärkt werden, dass der Shooter aus technischer Perspektive durchwachsen ist.

Der Cel-Shading-Look ist nach wie vor stimmig, die musikalische und sprachliche Vertonung, insbesondere die der deutschen Sprecher, überzeugt jedoch nicht immer. Zudem sind trotz ersten Patches noch immer Bugs und Glitches vorhanden wie zum Beispiel unsichtbare Mitstreiter und nicht startende oder nicht abschliessbare Missionen. Weiter nervt es, dass die Texturen noch immer häufig spät geladen werden und die Steuerung der Fahrzeuge eine Qual ist.

Je grösser sie sind, desto lauter wird es, wenn sie «platzen».
Je grösser sie sind, desto lauter wird es, wenn sie «platzen».

Der Multiplayer leidet ebenfalls unter diesem technischen Schluckauf, lokal mehr als im Netz, tröstet dafür über die langweiligen Passagen hinweg, da es schlichtweg mehr Spass macht, mit Gleichgesinnten kooperativ zu agieren. Dass es keine Restriktionen bei den Kammerjägern gibt, ist ebenso willkommen wie die faire Skalierung der Gegnerstärke.

Insgesamt macht Borderlands 3 noch immer Spass, da es schlichtweg mehr Borderlands ist. Wenn man aber genauer hinschaut, geht man einerseits damit fast schon zu offensichtlich in Richtung Destiny und andererseits machen sich auch erste Abnutzungserscheinungen bemerkbar.

/ pan