Astral Chain (2019)

Astral Chain (2019)

Switch-Review: Mit lebendigen Waffen die Menschheit retten

Mensch und Legion, nur gemeinsam sind sie stark!
Mensch und Legion, nur gemeinsam sind sie stark!

Platinum Games hat sich mit eigensinnigen und kreativen Action-Spielen wie Vanquish, NieR: Automata und insbesondere Bayonetta einen Namen gemacht. Aufgrund dieser bisherigen Erfolge war die Neugier auf Astral Chain, ihr erstes und exklusives Spiel für Nintendo Switch, gross.

In ihrem neuen Action-Titel geht man als Mitglied der Sondereinheit NEURON gegen mysteriöse Chimären aus einer anderen Dimension vor. Nachdem die Erde überrannt wurde, leben die letzten Überlebenden auf einer künstlichen Insel verschanzt. Die Gefahr ist jedoch nicht gebannt, denn die übermächtigen Wesen können jederzeit, praktisch aus dem Nichts, neue Portale öffnen, um Menschen zu entführen oder die Umgebung zu verseuchen. Widerstand leistet nur eine kleine Elite mit Hilfe von lebendigen Waffen, ihren «Legion»-Gehilfen. Das Überleben der Menschheit steht auf Messers Schneide.

Astral Chain ist ein wunderbarer Balanceakt zwischen schnellen und ruhigen Sequenzen, entspannten Nebenaufgaben und rasanten Hauptmissionen sowie Umgebungsrätseln und herausfordernden Kämpfen. Die erschaffene Welt und die Geschichte dazu sind packend, die Inszenierung auf fast schon perfektem Niveau und auch die restlichen Details (Levelsystem, Loot, Customisation) äusserst stimmig. Lediglich die überladene Steuerung tanzt im Single- und Multiplayer leicht aus der Reihe. Davon abgesehen hat es Platinum Games aber wieder auf den Punkt gebracht und ein actionreicher Titel geschaffen, an dem auf der Switch kein Weg vorbei führt!

Ein Zwilling kommt selten allein.
Ein Zwilling kommt selten allein.

Nachdem man aus einem der beiden Zwillingen (männlich vs. weiblich) mit Hilfe von rudimentären Optionen einen eigenen Charakter geformt hat, wird man gleich mitten in den ganzen Irrsinn katapultiert. Das Tutorial in Form einer rasanten Motorradjagd mit anschliessendem Scharmützel gegen Chimären ist rasant und gibt das Tempo für die kommenden Fälle vor. Das Spiel ist jedoch keine hirnlose Action-Schlacht, denn die Entwickler haben es geschafft, zwischen ruhigen Passagen, in Form von Nebenmissionen oder Umgebungsrätseln, und actiongeladenen Sequenzen zu balancieren.

Dazu kommt noch, dass das gesamte Design, von den labyrinth-artigen Gebieten bis hin zu den Gegner, die Erzählung an sich, alle Charaktere und Figuren sowie deren gesamte Inszenierung - Soundtrack und Synchronsprecher eingeschlossen - auf einem dermassen hohen Level sind, dass man regelrecht in diese post-apokalyptische Welt hineingezogen wird. Mit jeder noch so kleinen Aktivität wächst das Bedürfnis nach Antworten exponentiell an, wodurch man die Switch (im Handheld) oder den Controller (im TV-Modus) kaum mehr aus der Hand legen möchte.

«An uns kommt niemand vorbei!»
«An uns kommt niemand vorbei!»

Dass dies so ist, liegt nicht zuletzt auch am guten und spassigen Gameplay, bei dem man die eigene Figur und Legion gleichzeitig steuert und mit ihrer Hilfe Rätsel löst, Mitmenschen hilft, Strassen sauber hält oder zu einem grossen Teil gegen fremde Wesen kämpft. Zugegeben, die Steuerung fällt doch etwas überladen aus. Nah- und Fernkampfwaffen, spezielle Angriffe, Verteidigungs- und Ausweichmanövern, dann noch die Legion und ihre jeweiligen speziellen Fähigkeiten: stellenweise wirkt sich diese Masse leicht hindernd und frustrierend aus.

Ganz schlimm wird es, wenn unterschiedliche Legionen, bzw. ihre jeweiligen Besonderheiten, in einem Kampf gefragt sind. Dadurch, dass die Kämpfe von sich aus schon sehr knackig sind, macht es wenig Spass, unter Zeitdruck die richtige Legion auszuwählen und ihre besondere Attacke vorzubereiten, während man gleichzeitig den Gegnern ausweicht und somit gefühlt alle 12 Tasten gleichzeitig bedienen muss. Mühsam ist das auch, weil die Anzahl an Gegnern zwar stets überschaubar - kein Musou-Stil! - ist, die Art und Weise wie sie kämpfen aber nicht. Von den eher kleineren Widersachern bis hin zu den riesigen Bossen agieren alle Gegner intelligent und stark bis sehr stark, sodass man ohne Strategie oder Drauf-los-Kloppen kaum erfolgreich als Sieger hervorgehen kann.

Der Terminator lässt grüssen.
Der Terminator lässt grüssen.

Der Coop-Modus, bei dem Spieler und Legion von jeweils einem Spieler gesteuert werden, ist ein willkommener Bonus. Auch hier wurde die Steuerung suboptimal integriert. Es ist zwar nett, dass pro Spieler jeweils nur ein Joy-Con benötigt wird, die logische Auslegung und Tastenbelegung lässt im Endeffekt jedoch deutlich zu wünschen übrig. Es macht nicht nur wenig Sinn, dass der Legionen-Spieler die Kamera steuert, während der Charakter-Spieler die Legion-Spezialattacke ausführt, sondern erschwert das gemeinsame Vorgehen enorm. Schade, denn mit einer einstellbaren Tastenbelegung oder mit je zwei statt nur einem Joy-Con, hätte der Coop-Modus wirklich rocken können!

Das hätte nicht mal Robin Hood besser hinbekommen.
Das hätte nicht mal Robin Hood besser hinbekommen.

Alles in Allem ist Astral Chain ein überaus gelungenes Action-Spektakel mit vielen guten und sehr guten Elementen sowie einem enormen Wiederspielwert nicht zuletzt dank den unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und dem sinnvollen Backtracking. Die Geschichte vermag genauso wie die Charaktere und das Gameplay zu fesseln. Technisch ist das Spiel ebenfalls einwandfrei umgesetzt und somit lässt sich nur die überladene Steuerung kritisieren, was man sich aber bei einem Platinum-Game fast schon gewohnt ist.

/ pan