We Happy Few (2018)

We Happy Few (2018) Xbox One-Review

Somewhere over the rainbow...

Somewhere over the rainbow...

England in den Sechzigerjahren: Die Deutschen haben den Zweiten Weltkrieg gewonnen und die Briten isoliert. Da diese sich am liebsten nicht an ihre Vergangenheit denken wollen, verschreibt der Staat eine Droge namens Joy, die die Bewohner glücklicher machen soll. Allerdings haben die Drogen einen entscheidenden Nachteil: Sie lassen die Bewohner ihre Erinnerungen vergessen.

We Happy Few absolvierte 2015 eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne. Entwickelt von Compulsion Games, die zuvor das clevere Adventure Contrast rausbrachten, wandelte sich das Spiel im Verlauf der Produktion vom reinen Survival- zu einem narrativ fokussierten Game. Der damals noch unabhängige Entwickler nahm sich viel vor und kriegte Unterstützung von grossen Publisher Gearbox. Doch ob das Projekt nicht doch zu utopisch war?


Rating: Microsoft Xbox One

Hoch die Fäuste!

Hoch die Fäuste!

Was bei We Happy Few gleich heraussticht, ist der hervorragende Artstyle. Mit einer Stimmung, die etwas an BioShock erinnert, packt es einen direkt. Die überzeichnete Darstellung passt toll zur Atmosphäre und die Musik ist gelungen. Dazu kommt pointiertes, witziges Writing, das von den Sprechern prima rübergebracht wird. Trotz des bunten Stils und der komischen Dialoge thematisiert We Happy Few dazu durchaus ernste Themen. Überwachungsstaat, Drogenkonsum, Staatszensur und -propaganda sind grad die plakativsten. Dies gelingt an sich gut, wenn da nicht noch ein Spiel wäre...

Denn als Spiel funktioniert We Happy Few schlicht nicht. Es bemüht sich um das Interesse des Spielers mit den erwähnten Qualitätsmerkmalen, doch scheitert schlussendlich an schlecht verwobenen Systemen und einer mangelhaften technischen Umsetzung.

Im Kern ist das Spiel ein Survival-Game, doch die Mechaniken beissen sich eher, als dass sie sich ergänzen. So soll man beispielsweise essen und trinken, doch vor allem zu Beginn des Spiels gibt es viel zu wenig Möglichkeiten, solche Items zu erlangen. Und selbst wenn, dann werden sie einem alsbald wieder weggenommen. Und das Schlimmste: Wenn man nicht isst und trinkt, hat das ausser einer kleinen Ausdauereinbusse keinerlei Konsequenzen fürs Gameplay.

Coole Stirnlampe, Detective

Coole Stirnlampe, Detective

Neben dem Survival- gelingt auch der Stealth-Aspekt nur bedingt. Und zwar, weil die Gegner-KI unglaublich dumm ist. Sitzt man in einem bestimmten Gebüsch, wird man nicht gefunden. Das beste Versteck ist aber eine normale Sitzbank, auf die man sich zeitunglesend draufsetzt. Dann findet einen nicht mal die Polizei, man ist quasi unsichtbar. Selbst in einer Stadt, in eine Ausgangssperre verhängt wurde, kann man nachts problemlos auf dem Bänkli sitzen.

Technisch leidet We Happy Few ebenfalls stark. Die Ladezeiten sind selbst auf einer Xbox One X enorm lang - so kann es bis zu fünf Minuten (!) dauern, bis das Spiel gestartet und bereit ist. Sowas ist in dieser Zeit nicht akzeptabel. Ausserdem fällt die Framerate regelmässig unter die 30 Bilder pro Sekunde und die Steuerung fühlt sich unheimlich träge an. Dies zeigt sich vor allem in den Kampfsequenzen, die eine regelrechte Qual sind. Und die gibt es oft, vor allem wenn man wenige Sekunden auf Joy-Entzug durch gewisse Strassen schleicht. Man muss wohl Joy nehmen, um mit diesem Spiel Spass zu haben.


Fazit

We Happy Few hätte eine interessante Geschichte mit einer gesunden Portion Satire und cleverem Humor zu erzählen und dies in einem fantastischen Artstyle. Hätte. Denn um diese zu erleben, muss man das Spiel spielen, und das macht einfach keinen Spass. Die Survival-Mechaniken funktionieren nicht für sich noch miteinander und alles fühlt sich enorm gstabig an. Da helfen auch die tollen Sprecher nicht, wenn das Gameplay gar frustriert.


OutNow.CH:

Bewertung: 2.5

 

24.01.2019 / nna

Community:

Bewertung: 2.7 (2 Bewertungen)

 

 

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