A Way Out (2018)

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Xbox One-Review: Nimm zwei!

Hey, I'm walkin' 'ere!
Hey, I'm walkin' 'ere! © Entwickler / Publisher

Der Hitzkopf Leo sitzt im Gefängnis, als der Ex-Banker Vincent neben ihm in die Zelle gesteckt wird. Beide halten zuerst nicht viel voneinander, erfahren aber bald, dass sie einen gemeinsamen Feind haben. Um diesen für seine Taten büssen zu lassen, schmieden die beiden einen Ausbruchsplan, den sie auch tatsächlich umsetzen. Draussen sind sie aber weder vor der Polizei noch vor ihrer Vergangenheit sicher.

A Way Out wurde unter der Leitung von Josef Fares entwickelt, der bereits den Indie-Darling Brothers: A Tale of Two Sons produzierte. Der libanesisch-schwedische Entwickler fiel kürzlich an den Video Game Awards auf, als er die Academy Awards beschimpfte, bevor er sein Spiel vorstellte und meinte, ihm liege als leidenschaftlicher Mann alles daran, dass die Spieler sein Spiel mögen. Und, mochten wir's?

Bei A Way Out ist vieles gut gemeint, aber wenig wirklich gut umgesetzt. Die Story ist nichts Neues, und erzählt ist sie auch eher schwach. Dies wäre überschaubar, wenn sich das Game nicht voll und ganz dieser Story verschrieben hätte. Immerhin unterhält der obligatorische Koop-Modus gut und das Spiel sieht ganz hübsch aus. Leider fühlt sich das Leveldesign öfters unnatürlich an und die schlechte KI ist auch nicht gerade ein Pluspunkt. Als gemeinsames Abenteuer mit einem Partner funktioniert es für die fünf bis sieben Stunden ganz solide, viel mehr kriegt man von A Way Out aber nicht.

Story

Arnie und Sly, seid ihrs?
Arnie und Sly, seid ihrs? © Entwickler / Publisher

Mit A Way Out haben wir eines dieser Spiele vor uns, die die Geschichte stark in den Vordergrund stellen. Dadurch wird es über lange Strecken eher zu einem interaktiven Film als zu einem "wirklichen" Game. Die Story an sich bietet wenig, was wir aus anderen Filmen oder Games zum Thema Gefängnisausbruch nicht schon kennen würden. An sich ist sie aber interessant und die beiden Charaktere Leo und Vincent ergänzen sich gut. Dabei ist es passend, dass beide Figuren auf gleiche Situationen völlig anders reagieren.

Was dem Ganzen aber im Weg steht, sind die geschriebenen Dialoge und die Art, wie diese vorgetragen werden. Vieles ist gut gemeint und man spürt die Passion dahinter, aber oft kommen die Gespräche hölzern und unmotiviert rüber. Ausserdem ist es für "erfahrene" Gamer einfach, die Immersion zu zerbrechen. Dies behält den Ton konstant inkonstant, was der Geschichte nicht gut tut. Sobald sich A Way Outs Story aber dem Ende zuneigt, zieht sie an und wird auch spielerisch nochmal richtig interessant.

Gameplay

Sie, ich mues no wäsche!
Sie, ich mues no wäsche! © Entwickler / Publisher

Wie erwähnt ist A Way Out mehr ein interaktiver Film. Dies ist auch im Heavy-Rain-esken Gameplay wiederzuerkennen. Bis auf etwa die letzte Stunde sind die Inputs des Spielers mehr Quick-Time-Events als etwas anderes. Schade eigentlich, denn wie das Spiel gegen Ende beweist, funktioniert es erstaunlich kompetent als Actiongame.

Im Herzen des Gameplays steht aber klar der Koop-Modus, der übrigens Pflicht ist. Das Game kann nicht alleine gespielt werden. Ein netter Schachzug ist es da, dass nur einer der beiden Spieler das Game besitzen muss. Der andere kann entweder nebendran auf dem Sofa Platz nehmen oder aber die kostenfreie Demoversion runterladen und damit mitspielen. Interessant ist es da, dass das Spiel in jedem Fall auf einen geteilten Bildschirm setzt, ob im Online- oder Couch-Koop. Während dies am Anfang etwas irritiert, stellt es sich bald als gutes und notwendiges Feature heraus. Vor allem am Ende wird dieses Feature ganz wunderbar eingesetzt.

Leo und Vincent gingen in den Wald...
Leo und Vincent gingen in den Wald... © Entwickler / Publisher

Die eingebauten Koop-Mechaniken sind gut realisiert, und immer wieder werden beide Spieler vor Entscheidungen gestellt, die sie gemeinsam fällen müssen. Dabei spielt es den Spielern etwas in die Hände, dass A Way Out an einigen Logikfehlern leidet. Nicht selten fragt man sich: "Hat der das jetzt nicht bemerkt?".

Ebenfalls ganz seltsam sind gewisse kleine Aktivitäten in der Welt. An einer Stelle erkunden wir einen Bauernhof. Anstatt vorwärtszumachen und das Auto in Schuss zu bringen, können wir Schnäuze auf Gemälde kritzeln, Schweine streicheln oder gemeinsam Banjo und Klavier spielen. Dies ist zwar lustig und entspricht der Natur des Spielers, der solche Dinge in der Welt ausprobieren will, es bremst das Pacing aber massiv.

Technik

Bald kommen die Turtles aus dem Abwasser gesprungen.
Bald kommen die Turtles aus dem Abwasser gesprungen. © Entwickler / Publisher

Das von der Unreal Engine angetriebene A Way Out bietet eine sehr anständige Grafik für einen (mehr oder weniger) unabhängigen Titel. Vor allem das Wasser sieht enorm realistisch aus und reagiert dementsprechend. Ausserdem läuft das Spiel konstant stabil. Wiederum weniger schön ist die KI. Die Polizei hat hier anscheinend ihre dümmsten und blindesten Beamten auf die Suche nach den beiden Ausgebüchsten geschickt, denn was die alles übersehen, ist fast schon peinlich.

Nicht gerade eine Hilfe ist da das Leveldesign, welches sich immer wieder sehr anorganisch anfühlt. Wälder bieten unnatürliche Wege zum Durchlaufen und -fahren, und Gegenstände liegen günstigerweise an Orten, an denen man sie sonst sehr selten findet. Oder wann habt ihr zum letzten Mal mitten im Wald zufälligerweise ein brennendes Feuer entdeckt, neben dem zufälligerweise ein Taschenmesser liegt, mit dem man einen Holzspeer schnitzen kann, um die Fische zu fangen, die zufälligerweise direkt neben dem Feuer in einem kleinen Wasserabschnitt herumschwimmen?

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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