TT Isle of Man: Ride on the Edge (2018)

TT Isle of Man: Ride on the Edge (2018)

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Xbox One-Review: Halsbrecherisches Halsbrechen

«Dich sehe ich nur noch im Rückspiegel! Wenn ich welche hätte.»
«Dich sehe ich nur noch im Rückspiegel! Wenn ich welche hätte.» © Bigben Interactive

Auf der Insel «Isle of Man» in der irischen See findet jedes Jahr eine grosse Rennveranstaltung statt. In der sogenannten «Tourist Trophy (TT)» messen sich verrückte Motorradfahrer auf den Strassen der hübschen Insel. Dabei brettern die mutigen Fahrer mit über 200 Sachen kreuz und quer über die teils hügeligen Strassen und ziehen dadurch jedes Jahr etliche Fans auf die Insel. Für das auf Rennspiel spezialisierte, französische Entwicklerstudio Kylotonn ist die TT ein gefundenes Fressen, um sich auch virtuell packende Rennen zu liefern. Dabei soll möglichst detailgetreu alles rein kommen, was bei dem einwöchigen Motorradrennen auch vorhanden ist. Wer wird am Ende der Schnellste auf der 572 Quadratkilometer kleinen Insel sein?

Man kann sich die Mängel nur so erklären, dass es die Entwickler zu genau machen wollten. TT Isle of Man hat nämlich sehr wenig mit einem guten Motorradrennspiel zu tun. Dafür wird schlichtweg zu wenig verziehen, sodass man es auch nach mehreren Stunden nicht schafft, fehlerfrei und ohne Stürze ein Rennen zu beenden. Obwohl etliche Fahrhilfen dabei sind, helfen diese auch nur begrenzt, den Töff auf seinen zwei Rädern zu halten. Technisch wäre dieses Spiel gar nicht mal so mies, aber bei einem solch schlechten Gameplay hilft auch eine flüssige und bunte Grafik nicht viel gegen den hohen Frustfaktor.

Schnell, schneller, am schnellsten.
Schnell, schneller, am schnellsten. © Bigben Interactive

Das Spiel startet gleich mit einem guten Tutorial. Darin lernt man die Steuerung kennen und bekommt sogleich ein erstes Gefühl, was einem im weiteren Verlauf des Games erwartet. Leider werden dabei aber nicht gerade positive Signale gesendet. Der erste kleine Ausrutscher auf dem Bordstein, die nicht wirklich vorhersehbare Bodenwelle oder aber die kaum kontrollierbare Beschleunigung dieser Gefährten: All das resultiert in spektakulären Stürzen, die es in sich haben. Hier muss man den Entwicklern zu Gute halten, dass man von einer sehr guten Spielphysik gebraucht macht. Anschaulich ist auch, dass die Fahrer gleich nach dem Sturz in die Schutzposition gehen, um grössere Verletzungen zu meiden. Diese sind zwar für das Spiel nicht relevant, allerdings aber fast schon das Beste an diesem Game.

Nun aber zum Einstieg: Man wähle zwischen den zwei Motorrad-Kategorien «Supersport» und «Superbike». Als Nächstes gibts eine Auswahl an realen Töff-Gefährten und ihren Fahrern, und schliesslich ist zu entscheiden, bei welchem Rennen man gerne antreten möchte. Wer mit so einer grossen Auswahl nichts zu tun haben will, kann sich gleich in den Karriere-Modus wagen. Dort startet man mit begrenztem Geld, um ein einzelnes Motorrad zu kaufen. Danach tritt man an diversen Veranstaltungen an und verdient sich so seine Brötchen für mehr oder stärkere Motorräder. Auch Fans des erstellten Fahrers und der Verschleiss der Maschinen spielen ebenfalls eine Rolle; alles in allem ein guter Umfang, wenn da eben nicht der zu hohe Detailgrad wäre.

«Spring, Motorrad, spring!»
«Spring, Motorrad, spring!» © Bigben Interactive

TT Isle of Man: Ride on the Edge ist nämlich so genau erschaffen worden, dass jeder noch so kleinste Fehler sofort bestraft wird. Es reicht schon, den optimalen Bremspunkt um einen halben Meter zu verpassen und man landet an der Wand. Zu schnell über die Bodenwelle? Schon fliegt der Fahrer in das grüne Hochland. Auch die Umstellung auf einen tiefe(re)n Schwierigkeitsgrad oder die Aktivierung aller Fahrhilfen helfen da so gut wie nicht weiter. Schlichtweg in jedem Rennen endet die Angelegenheit in einem Sturz. Zusätzlich reagieren die Motorräder ebenfalls alle unterschiedlich, sodass man sich beim Sprung auf ein neues Zweirad zuerst mal ein paar Probestürzen unterziehen sollte.

Dabei wäre gar nicht alles schlecht an diesem Titel. Die Ladezeiten sind kurz und die Insel sieht sehr gut aus. Auch sonst spielt es sich grundsätzlich flüssig und die Details an den Motorrädern sind nicht zu übersehen. Wer die Isle of Man TT kennt, wird die im Game vorhandenen Fahrer und Rennen gleich wieder erkennen. Hier haben die Damen und Herren hinter diesem Game ganze Arbeit geleistet. Umso schlimmer ist, dass es mit dem Fahren an sich überhaupt nicht funktioniert. Da möchte man sogar beim Spielen in den eigenen vier Wänden einen Helm anziehen.

/ daw