Return of the Obra Dinn (2018)

Return of the Obra Dinn (2018)

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Xbox One-Review: Ob ihr richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht!

Wenn's oobe schifft und unde seicht ...
Wenn's oobe schifft und unde seicht ... © 3909

Es gibt sie, diese Games, die von einer einzigen Person entwickelt wurden. Eines davon ist Return of the Obra Dinn. Dieses wurde von Lucas Pope, dem Kopf hinter dem Indie-Hit Papers, Please allein auf die Beine gestellt (abgesehen vom Voice Acting und den Lokalisierungen). Darin übernehmen wir die Rolle eines namenlosen Inspektors, der aufklären muss, was auf der Obra Dinn, dem titelgebenden Segelschiff, geschehen ist.

Für diese Aufgabe kriegt er ein Notizbuch mit Zeichnungen der Crewmitglieder und einem groben Umriss der Ereignisse. Doch wir wissen nicht, was wann passiert ist, wer woran starb und vor allem: Wer wer ist. Mithilfe einer Taschenuhr können wir den Zeitpunkt des Todes einer Person anschauen und kurze Dialogfetzen davor anhören. So erschliessen sich nach und nach die gewünschten Fakten - wenn man den aufmerksam zuhört und beobachtet.

Return of the Obra Dinn ist eine dieser absoluten Indieperlen, die im Schatten der grossen Blockbuster-Titel unterzugehen drohen. Ein einzigartiger Stil und tolles Sounddesign werden hier mit einem packenden Gameplay-Loop kombiniert, der bis zum Schluss nicht loslässt. Die Geschichte mag etwas wirr sein, doch das ist ein kleines Loch im grossen, stolzen Segel der Obra Dinn. Die knapp neun Stunden bis zum Abspann vergehen wie im Flug und fordern genau zum richtigen Grad. Schlicht und ergreifend ein hervorragendes Rätselspiel!

Knives Out!
Knives Out! © 3909

Wer Return of the Obra Dinn zum ersten Mal anschaut, dürfte sich an lange vergangene Zeiten erinnern. Nicht etwa, weil das Game Ende des 18. Jahrhunderts auf einem beschädigten Segelschiff spielt, sondern wegen dem 1-Bit-Look. 1-Bit-Look heisst, ein Pixel kann genau eine von zwei Farben haben, Schwarz oder Weiss. Obra Dinn kommt kompromisslos in diesem Stil daher. Zu Beginn wirkt das etwas anstrengend, doch es ist so elegant und konsequent umgesetzt, dass man nach kurzer Zeit vergisst, dass es sich um ein 1-Bit-Game handelt.

Hat man sich einmal an den Stil gewöhnt, geht's an die Detektivgeschichte. Oftmals sind Detektiv-Elemente in Games zu banal oder zu geradlinig, um wirklich zu fordern. Nicht so bei Obra Dinn. Hier werden zu Beginn kurz die Regeln vorgelegt, danach ist man auf sich allein gestellt. Mit einer übernatürlichen Taschenuhr erhalten wir die Möglichkeit, den Zeitpunkt des Todes einer Person, die wir gefunden haben, einzusehen. Innerhalb dieser Snapshots erhalten wir Informationen um deren Ableben und darüber, wer jeweils zugegen war und was ungefähr passiert. In diesem interaktiven Standbild können wir uns frei bewegen. Das ist auch dringend nötig, denn in den kleinsten Details verstecken sich Hinweise, zum Beispiel deren Kleidung oder wer neben wem steht. Auch im Ton, welcher übrigens durchs Band grossartig ist, finden sich immer wieder Tipps.

Ausgeschifft
Ausgeschifft © 3909

Durch genaues Beobachten oder per Ausschlussverfahren lassen sich alle sechzig Passagiere benennen und deren Todesursache festlegen. Hat man jeweils drei Namen und Todesursachen korrekt eingegeben, verifiziert das Spiel diese und trägt sie verbindlich ins Buch ein. Dadurch kann man nicht einfach alles durchprobieren, sondern muss gezielt arbeiten. Teilweise liegt der Teufel im sehr spitzfindigen Detail, jedoch sind die Freude und das Triumphgefühl dann umso stärker, wenn man wieder eine Dreiergruppe erfolgreich abgeschlossen hat. Zwar kommt man immer wieder an den Punkt, wo man den Faden verloren zu haben scheint - aber jedesmal findet man den Rank wieder.

Die Story ist nicht linear erzählt und geht teilweise auf etwas abgelegenen Wegen, der Reveal der jeweiligen Todesmomente entlockt mehr als einmal ein «Was zur Hölle geht hier vor?!». Aber alles wirkt in sich stimmig. Zwar ist die Geschichte etwas verwirrend und man benötigt etwas Interpretationsvermögen, um sich richtig einzudenken, aber das Gameplay macht so viel Spass, dass dies den Gesamteindruck kaum trübt. Return of the Obra Dinn packt sofort und lässt einen nicht mehr los, bis man alle sechzig Fälle abgeschlossen hat. Schlicht ein hervorragendes Rätselspiel!

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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