Pokémon: Let's Go (2018)

Pokémon: Let's Go (2018)

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Switch-Review: Pika-Pika oder Evo-Evo? Natürlich kann nur Evoli gewinnen...

Pikachu? Bisasam? Pokémon!
Pikachu? Bisasam? Pokémon!

Endlich ist es so weit: Der erste Pokémon-Ableger erscheint für die Switch. Nun, es ist nicht direkt der erste, da gab's ja schliesslich noch Pokkén Tournament DX. Doch mit Pokémon: Let's Go erscheint der erste richtige Hauptteil der knuffigen Monsterjagd. Aber auch das ist nur so halb richtig. Denn bei Pokémon: Let's Go handelt es sich laut Entwickler nur um einen Ableger. Allein bei der Titelgebung wird dies schnell klar, da der Name eher an die App erinnert anstatt an die üblichen Editionen.

Nun, was erwartet uns denn in dieser Wundertüte? Handelt es sich bei Pokémon: Let's Go um einen ersten Eindruck, was uns mit dem Beginn der achten Generation zu erwarten hat, oder ist es eher nur ein fauler Konsolen-Ableger einer erfolgreichen App?

Pokémon: Let's Go ist eine kunterbunte Mischung. Einerseits wurden viele Elemente aus dem Original übernommen, andererseits gibt es sehr viel frischen Wind, an vielen bekannten Stellen. Grafisch hätte mehr dringelegen, vor allem wenn man sich andere Switch-Spiele anschaut. Dem Hardcore-Pokémon-Spieler stellt sich zudem die Frage, ob es das Spiel wirklich braucht, denn die Ähnlichkeiten zur bestehenden Szene, welche gerade die Meisterschaften auf dem 3DS austrägt, sind augenfällig. Wer jedoch einfach ein kurzweiliges Spiel sucht, oder bei dem Wetter kein Pokémon-Go spielen möchte, dürfte keinen Fehlkauf landen.

Let's Go!
Let's Go!

Pokémon: Let's Go ist ein gelungener Trip in die Vergangenheit. Wer erinnert sich nicht daran: an diese seltsame, gelbe Cartridge, auf welcher Pokémon: Pikachu Edition zu finden war. Hier schliesst Let's Go an. Denn eigentlich handelt es sich nur um ein Switch-Remake der Gelben Edition, jedoch mit einigen bedeutenden Unterschieden: So zum Beispiel die Wahl des Starters. Zwar wird dies durch den Kauf des Spiels beeinflusst, doch Evoli ist eine wirklich gut gewählte Alternative zu Pikachu. Denn wer mag dieses knuffige Ding nicht?

Ab dort erlebt man grundlegend dasselbe Abenteuer, mit ein paar kleinen Änderungen in der Geschichte. Die einzig wirklich relevante Änderung ist, dass wir nicht den üblichen Protagonisten aus der Vorlage spielen und daher auch unser Rivale ein anderer ist. Zwar ändert dies nichts am Gameplay, doch sind die Momente, in denen man auf die mittlerweile jungen Erwachsenen Rot und Blau trifft, mit Abstand die coolsten innerhalb des Spiels. Doch ansonsten ist alles beim Alten geblieben: acht Orden sammeln, Team Rocket besiegen, die Pokémon-Liga besiegen, Mewtu fangen und der Allerbeste werden.

Immerhin die Animation ist gleich geblieben ¯\_(ツ)_/¯
Immerhin die Animation ist gleich geblieben ¯\_(ツ)_/¯

Die wohl grösste Überraschung des Spiels war die neue Fangtechnik. Denn getreu der namensgebenden App kämpfen wir nicht mehr gegen wilde Pokémon, sondern fange diese nur noch bzw. schmeissen Beeren auf diese. Mithilfe der Beeren können wir die Pokémon nun «schwächen», um diese leichter zu fangen. Gefangen werden die Pokémon mithilfe des Joy-Cons, das wir wie einen echten Pokéball schwingen, um einen Wurf zu simulieren. Für jedes gefangene Pokémon erhält unser gesamtes Team Erfahrungspunkte und wird so stärker.

Und hier ist einer der grössten Knickpunkte von Pokémon: Let's Go: Durch diese Mechanik und die Tatsache, dass wir eigentlich nur noch mit dem Fangen von Pokémon unsere Teams trainieren, wird unser Team schnell viel zu stark, weswegen wir kleine Herausforderungen innerhalb der Spielwelt nur selten antreffen. Zwar können wir den Kämpfen nun aus den Weg gehen, da die Pokémon interaktiv auf der Oberwelt erscheinen, doch das ist auch nicht der Sinn der Sache. Denn neben dem Fangen von wilden Taschenmonstern gibt es die obligatorischen Kämpfe. Hierbei verlaufen diese wie allseits bekannt: sechs Pokémon, vier Attacken, unser Item-Beutel und die Möglichkeit, das aktive Pokémon zu wechseln. Ansonsten gilt es immer neue Gebiete zu erkunden und die spannende Welt der Pokémon kennenzulernen.

Die Welt wirkt schon lebendiger.
Die Welt wirkt schon lebendiger.

Eine weitere grosse Änderung im Gameplay ist der neue Koop-Modus. Denn in Pokémon: Let's Go ist es einem Freund vor Ort jederzeit möglich, mitten ins Spielgeschehen einzugreifen. An sich eine coole Idee, leider wird das Spiel dadurch noch leichter. Der übliche Online-Modus mit Kämpfen und Tauschen ist ebenfalls wieder mit an Bord. Hier hat sich eigentlich nicht viel getan, doch das gesamte Wertesystem wurde überarbeitet, was vor allem für Compatetiv-Spieler interessant sein dürfte.

Technisch hinkt Pokémon: Let's Go den anderen Nintendo-Eigenen Produktionen leider stark hinterher. Das Spiel hat durchaus seine schönen Momente, und die Pokémon und Charaktere sind wunderbar animiert und in Szene gesetzt. Doch gerade bei der Umgebung und den Effekten wäre, verglichen mit einem Mario oder Zelda, mehr zu erwarten gewesen. Auch die Kämpfe erinnern mehr an einen 3DS-Ableger anstatt an eine neue Konsole. Allgemein merkt man in diesen Bereichen sofort, dass das Spiel viele Altlasten mitgeschleppt hat. Die Welt basiert immer noch auf dem Raster des Originals, die statische Kampfkamera mit gelegentlichen Schwenkern sowie die digitalen Laute fast aller Pokémon. Aus welchem Grund nicht an den Schrauben gedreht wurde und stattdessen das komplette Werte-/Kampfsystem überarbeitet wurde, werden wir wohl nie erfahren.

Alles in allem, ein gelungenes Abenteuer!
Alles in allem, ein gelungenes Abenteuer!

Ansonsten ist Let's Go ein solides Game. Es läuft flüssig, die Soundeffekt und Musik sind gewohnt 1A und die Bewegungssteuerung funktioniert überraschend gut, selbst wenn die Switch hinter dem Fernseher steht und man schräg versetzt zur Konsole sitzt.

/ fum