Metal Gear Survive (2018)

Metal Gear Survive (2018)

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PS4-Review: Ein Schrecken ohne Ende

HAL, bist du das?
HAL, bist du das? © Entwickler / Publisher

In ihrer 30-jährigen Geschichte hat die von Hideo Kojima konzipierte Metal-Gear-Franchise mit diversen Haupt- und Nebenablegern einige Höhen und Tiefen erlebt. Nur selten hat man jedoch auf die charismatische Hauptfigur Solid Snake verzichtet wie im neusten Spinoff-Abenteuer. Zum ersten Mal darf man nämlich in Metal Gear Survive mit einem eigenen, individualisierbaren Charakter in die Schlacht ziehen.

Als Folge eines Wurmloches und der Verbindungen zu einer Parallelwelt wird die Erde von einem neuartigen und tödlichen Virus bedroht. Um dieses in den Griff zu bekommen, müssen also neue, unorthodoxe Methoden her. Nach einer furiosen Eröffnungssequenz findet man sich als infizierter Soldat mitten auf dem fremden Planeten wieder und muss nicht nur sich selbst, sondern auch gleich die gesamte Menschheit retten.

Selbst als Fan von dem eher durchzogenen Acid mit seiner untypischen Kombination aus Karten und rundenbasierten Kämpfen kann man Survive nichts Gutes abbekommen. Hier stimmt einfach nichts: Die Geschichte ist öde, die Erkundung träge, das Spielprinzip und die Mechaniken sind unterirdisch schwach, die Gegner einfach nur lächerlich und die Missionen unglaublich banal. Die Serie hatte schon immer gute und weniger gute Titel, aber eins steht fest, mit diesem «Cash grab» hat sich Konami bestimmt keinen Gefallen getan und den Namen «Metal Gear» für immer besudelt.

Story

Hallo? Ist da jemand? Haaaallloooo?
Hallo? Ist da jemand? Haaaallloooo? © Entwickler / Publisher

Wer nach dieser Einleitung denkt, die Geschichte klinge nach einem schlechten Science-Fiction-Roman, liegt vollkommen richtig. Obwohl die Serie oftmals an der Realität gezerrt und freizügig damit experimentiert hat, ist die aktuellste Ausgangslage enorm weit hergeholt. Dazu kommt noch, dass das typische erzählerische Feeling lediglich in der Eröffnungssequenz voll zum Zuge kommt und man danach in einem Loop aus mühsamen Missionen und Blabla ohne Substanz festhängt.

Das Ergebnis ist ein uninspirierter Ausflug ohne Spannung, ohne echte Charaktere und ohne jegliche emotionale Bindung, kurzum: das genaue Gegenteil der üblichen Metal-Gear-Erfahrung.

Gameplay

Lass uns tanzen!
Lass uns tanzen! © Entwickler / Publisher

Survive ist ein Spiel, das, wie der Name bereits erahnen lässt, auf das Überleben fokussiert. Die Ausgangslage ist nicht schlecht und erinnert vage an Snake Eater. In diesem Sinne müssen Nahrung, Wasser und Hilfsmittel besorgt bzw. hergestellt werden, wobei die ausbaubare Basis nicht nur Schutz liefert, sondern mit entsprechenden Waffen- und Medizin-Bänken sowie Fertigungsanlagen und Kochstellen wartet.

Leider ist die Umsetzung gehörig in die Hose gegangen, da die eigene Figur öfters «gestillt» werden muss als ein neugeborenes Kind. Aus diesem Grund wird so ziemlich alles andere zur ewigen Zerreissprobe.

Rot vor Wut oder doch einfach nur kopflos?
Rot vor Wut oder doch einfach nur kopflos? © Entwickler / Publisher

Das ist aber bei Weitem nicht alles, was bei Survive nicht stimmt. Die Laufwege sind trotz Schnellreise-Punkten lang und langweilig, die typischen Metal-Gear-Elemente nutzlos, da beispielsweise Schleichen mehr Ausdauer benötigt als normales Gehen. Zudem sorgen Mikrotransaktionen - ja, der zweite Speicherstand kostet wirklich extra! - und die immer gleich ablaufenden Kämpfe für rote Köpfe.

Letzteres gibt dem Spiel auch den Gnadenstoss, da es schlichtweg keinen Spass macht, sich mit miesen Ziel-Mechaniken und einer überladenen Steuerung durch Horden von - im wahrsten Sinne des Wortes - kopflosen Infizierten zu kämpfen.

Multiplayer

Die Jagd macht Spass.
Die Jagd macht Spass. © Entwickler / Publisher

Bei Survive herrscht zwar Online-Pflicht, will man aber den Mehrspielermodus nutzen, muss man sich dennoch in eine neue Lobby begeben und dort wieder nach Spielern suchen. Nachdem aber Monster Hunter World so eindrücklich gezeigt hat, wie man Einzel- und Mehrspieler perfekt miteinander verschmelzen kann, ist diese Lösung mehr als nur unvollkommen.

Es mag durchaus sein, dass die Ausflüge mit Freunden mehr Spass machen, durch die mühsame Hürde lassen sich aber kaum Spieler finden, womit sich dies weder bestätigen noch widerlegen lässt.

Technik

Boom, das hat gesessen!
Boom, das hat gesessen! © Entwickler / Publisher

Die Grafik ist ganz ordentlich, auch wenn vieles aus Phantom Pain recycelt wirkt und man die meiste Zeit im Spiel in einem Nebel steht, der alles verschleiert. Die Individualisierung ist rudimentär, sodass dem Charakter kaum eine persönliche Note aufgedrückt werden kann. Die überladene und ungenaue Steuerung muss ebenfalls nochmals erwähnt werden. Retten kann man lediglich die Soundkulisse und Sprachausgabe, da beide gut sind.

/ Antonio Prosperati [pan]