Just Cause 4 (2018)

Just Cause 4 (2018)

  1. ,
  2. , ,

PS4-Review: Ricos verpatzter Feldlzug

Rico, das sind keine Spatzen.
Rico, das sind keine Spatzen.

Die von Avalanche Studios entwickelte Zerstörungsorgie Just Cause geht in die vierte Runde! Kaum ist Medici vom Diktator Sebastiano Di Ravello befreit worden, schon stürzt sich Rico Rodriguez ins nächste Abenteuer. In seiner Selbstfindungstour kommt er, nachdem er in Teil 3 seine Heimat befreit hat, nach Solís, um die Wahrheit hinter dem Tod seines Vaters und seiner eigenen Vergangenheit zu erfahren.

Nebst abartigen Wetterbedingungen, zahlreichen Konflikten und einem weiteren egoistischen Bösewicht darf er sich erneut mit der schwarzen Hand und seiner Schar an Söldner herumschlagen. Mit Hilfe der Chaos-Armee versucht Rico, sich Schritt für Schritt der Wahrheit zu nähern, während er auf dem Weg dahin das Land befreit und den seltsamen Wetterphänomenen auf dem Grund geht. Natürlich geht er dabei auf seine eigene Art vor, und zwar mit viel Wumms und einigen Kabooooms.

Neu und grösser ist nicht immer besser. Auf dem Papier mag Solis gut erscheinen mit seinen riesigen Gebieten und den massiven Wettereffekten. Wenn jedoch dafür die Darstellung so miserabel sein muss, hätte man lieber auf etwas davon verzichtet. Ricos Abenteuer wirkt unfertig und wie ein misslungenes Experiment, denn die neuen Elemente ziehen nicht so richtig, weder von der Logik her noch von der Umsetzung.

Sicher stimmt es, dass die Just-Cause-Reihe nie für fesselnde Geschichten und ein super innovatives Gameplay bekannt war, der Unterhaltungswert kam aber nie zu kurz. Im neuesten Abenteuer schimmert dieser zwar ab und an ebenfalls durch, vor allem dann, wenn das Spiel sich selbst treu ist. Das ist jedoch bei weitem zu wenig. Immerhin: Wenn weiterhin die Fehler so konsequent verbessert werden, dürfte das Spiel nur noch ein bis zwei Patches davon entfernt sein, seinem Potenzial zumindest ansatzweise gerecht zu werden.

Story

Das nenn ich ein kreatives Rennspiel.
Das nenn ich ein kreatives Rennspiel.

Nein, dies ist kein Deja-vu, denn auch für das neuste Abenteuer wurde von den Avalanche Studios eine Insel mit einem bösartigen Diktator als Ausgangslage gewählt. Die Idee mit der Wettermanipulation ist zwar ganz nett und sieht von weitem her auch hübsch aus, reicht aber nicht, um Just Cause 4 deutlich von seinem Vorgänger abzugrenzen.

Die plumpe Gut-gegen-Böse-Thematik, das Fehlen von jeglichen Konsequenzen und die mangelnde Tiefe bei Handlung und Charakteren war bisher noch nie Grund, Just Cause zu übergehen. Dies gilt glücklicherweise auch für das vierte Abenteuer. Dennoch ist es wohl langsam an der Zeit, dass die Avalance Studios die Serie erzählerisch voranbringen.

Gameplay

Solís ist eine 100 Quadratkilometern grosse, offene Welt mit Regenwäldern, Wüsten und verschneiten Bergspitzen sowie Dörfern, Städten und Flughäfen. Region für Region muss Rico die Frontlinie nach vorne bringen, um sich so seinem Ziel zu nähern. Soldaten dafür rekrutiert er, indem er die Schwarze Hand sabotiert und allerhand Tanks, Stromgeneratoren, Fahrzeuge und dergleichen in Luft sprengt, zerschiesst oder mit Hilfe des Greifhakens manipuliert. Um die meisten Regionen zu befreien, sind letztendlich spezielle Missionen nötig, die leider weder sonderlich kreativ noch abwechslungsreich sind.

In allen Dörfern und Städten warten schematisch immergleiche Herausforderungen, die dazu dienen, den Greifhaken und seine Funktionen zu verbessern. Dies stellt einen deutlichen Rückschritt zu Teil 3 dar, denn obwohl es dort repetitiv wurde, machte die Rückeroberung durch Zerstörung und Befreiung überaus Sinn. Klar macht das Ganze Spass. Doch weil die zerstörbaren Objekte immer wieder zurückkehren und sogar nach der Rückeroberung noch zerstört werden können, ist ihr Stellenwert deutlich niedriger als beim Vorgänger.

I believe I can fly...
I believe I can fly...

Dazu kommt noch, dass die Herausforderungen zwar zahlenmässig aufgestockt wurden, deswegen aber nicht weniger langweilig sind. Es ist überhaupt nicht motivierend, für unnötige Verbesserungen immer wieder mit dem Wingsuit durch Kreise zu fliegen, langweilige Tempo- und Fahrzeug-Herausforderungen zu absolvieren oder Zeppelins vom Himmel zu holen.

Kurzum, die meisten Elemente fallen flach. In diesem Sinne enttäuschen insbesondere die Fahrzeugsteuerung, die auch nach dem Patch mühsam ist, die Feuergefechte, bei denen man die Gegner kaum lokalisieren kann, oder die Haupt- und Befreiungsmissionen, die uninspiriert wirken und langfristig nur bedingt Spass machen. Schade eigentlich, denn immer, wenn Just Cause 4 sich an die eigentliche Formel hält, macht es durchaus Spass, mit Rico zu fliegen, zu kämpfen und alles kurz und klein zu schlagen. Diese Momente sind jedoch selten.

Technik

Wie kämpft man dagegen an?
Wie kämpft man dagegen an?

Der vierte Teil sieht oftmals optisch verwaschen aus und wirkt insgesamt nicht ganz fertig. Zwar wurden die gröbsten Schnitzer sowie die grausame Bewegungsunschärfe mittlerweile mittels Patch behoben (das zweite Update war sagenhafte 8 GB gross!), trotzdem wird Ricos Rachefeldzug noch immer von kleinen und teilweise grossen Fehlern geplagt.

Hier kämpft das Spiel auch mit unklaren Designentscheiden, die einen schon mal zur Weissglut bringen können. Ein Beispiel dafür sind die Fahrzeuge, ihre Steuerung und die absurde Kollisionsabfrage: Es ist schon seltsam, wie Autos ganze Bäume, Seitenplanken und sonstige Hindernisse umnieten können, wegen eines kleinen Stücks Abfall dann jedoch einen Totalschaden erleiden.

/ pan

Kommentare Total: 2

th

Langweiliges "Abenteuer" mit katastrophal schlechten Zwischensequenzen, repetitiven Haupt- und Nebenmissionen und einer nicht vorhandenen Story. Während im 3. Teil die Eroberungen der Dörfchen für Unterhaltung sorgte, fehlt dieses Element hier nun komplett. Das ganze "ich darf nun eine Armee kommandieren" Gedönse ist einfach nur öde. Ver- und ausgespielt!

pan

Game-Kritik: Ricos verpatzter Feldlzug

Kommentar schreiben