Infliction (2018)

Infliction (2018)

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PS4-Review: Psycho-Horror für Hartgesottene

Ein Selbstportrait der Ehefrau?
Ein Selbstportrait der Ehefrau? © Blowfish Studios

Nur noch kurz die Flugtickets, die meine Frau zuhause vergessen hat, holen. Wenige Meter vor der Hauseinfahrt gab es einen Autounfall. Sieht übel aus. Die Polizei ist vor Ort. Doch Moment, ist das nicht mein Auto? Ich parke in der Garage und gelange über den Garten ins Haus. Es herrscht eine beklemmende Stimmung. Die Flugtickets finde ich in einem Art Panikraum. Plötzlich geht die Aufnahme der Videoüberwachung an und ich sehe, wie meine Frau brutal ermordet wird. Im nächsten Moment stehe ich direkt am Tatort. Alles ist voller Blut. Bin ich der Mörder? In Panik flüchte ich mit dem Auto - und fahre mit Vollgas gegen einen Baum.

Das Game ist nichts für schwache Nerven. Insbesondere vor dem ersten Auftritt des Geistes steigt die Anspannung ins Unermessliche. Auch nach dem ersten Schocker folgen noch genügend Szenen, die für Gänsehaut sorgen. Somit ist Infliction ein Hit für Horror-Fans! Leider bietet das Gameplay nur mässig viel Abwechslung und die Steuerung ist am Anfang gewöhnungsbedürftig hölzern.

Ein Abstecher in eine Psychiatrie darf in keinem Horror-Game fehlen.
Ein Abstecher in eine Psychiatrie darf in keinem Horror-Game fehlen. © Blowfish Studios

Im weiteren Spielverlauf hat sich die Szenerie deutlich verdüstert. Überall im Haus hängen verstörende Bilder. Das Inventar ist zerschlagen. Leere Bierdosen und Schnapsflaschen liegen zuhauf herum. Während wir uns bemühen verschiedene Rätsel zu lösen, muss immer damit gerechnet werden, einem Geist in weiblicher Gestalt zu begegnen. Denn offenbar treibt die ermordete Frau im Haus ihr Unwesen. Die Erkundungstour aus der Ego-Perspektive konzentriert sich im Wesentlichen auf das Anklicken und Untersuchen von verschiedenen Gegenständen im Haus. Dadurch werden Erinnerungen freigeschalten, die die Story vorantreiben und tiefe Abgründe einer zerrütteten Familie offenbaren, einer Familie, deren Zusammenleben von häuslicher Gewalt, Sucht und Depressionen geprägt war.

Rette sich, wer kann!
Rette sich, wer kann! © Blowfish Studios

Die Macher von Caustic Reality und Blowfisch bedienen sich bei Infliction zwar vieler klassischer Horrorelemente, wie beispielsweise gruseligen Geflüsters in dunklen Korridoren oder plötzlich zuschlagender Türen, doch es gelingt ihnen auch, zwischenmenschliche Themen ins Game zu integrieren. Der «Extended Cut», welcher hier getestet wurde, bietet nach den regulären drei bis fünf Spielstunden die Möglichkeit, die Story nochmals zu spielen, wobei der Geist dann häufiger auftreten soll und man sich anderen Rätseln stellen muss.

Leider verfliegt die Angst vor dem Geist aufgrund der mässigen Grafik relativ schnell, wenn auch seine Auftritte weiterhin überraschend bleiben. Ein bestimmtes Schema ist nach einigen Malen trotzdem zu erkennen. Dafür lassen einem die Soundeffekte bis zum Schluss die Haare zu Berge stehen.

Tobias Geser [gto]

Tobias schreibt seit 2010 Game-Reviews. Am liebsten spielt er spannende Adventures und actionreiche Shooter Games. Mit FIFA hingegen kann er überhaupt nichts anfangen. In seiner Freizeit trifft man Tobias häufig auf dem Mountainbike an.

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