Fallout 76 (2018)

Fallout 76 (2018)

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PS4-Review: Apokalypse 2.0

Mit Freunden wirds einiges spassiger.
Mit Freunden wirds einiges spassiger. © Bethesda

Fallout 76 führt viele Listen an. Nur leider nicht die guten. In der Gaming-Community hat sich Bethesdas Versuch, die Fallout-Reihe in ein Online-Rollenspiel umzuwandeln, als Running Gag etabliert. Beim Release wurde das Spiel mit (teils sehr berechtigter) Kritik beinahe ersäuft. Gamebreaking Bugs, Verbindungsprobleme, langweiliges Storytelling - alles, was Spieler hassen, scheint Fallout 76 wie bei einer Checkliste abgehakt zu haben. Somit wurde das Spiel vor allen Dingen ein mässig spielbarer Meme-Generator.

Am 14. April 2020 hat Bethesda mit «Wastelanders» eine kostenlose Erweiterung herausgegeben und das Spiel in vielen Bereichen überarbeitet. Wir schauen jetzt nach, ob die vielen Probleme zwischenzeitlich behoben wurden, was die Erweiterung alles mit sich bringt und ob sich ein neuer Ausflug in die Ödlande rund eineinhalb Jahre nach Release überhaupt lohnt.

Nach einem viel geschassten Start im Jahre 2018 hat sich das Online-Rollenspiel Fallout 76 dank der Wastelanders-Erweiterung zu einem stabileren und runderen Spielerlebnis gemausert. Bethesda hat sich die Kritik der Fans zu Herzen genommen und hat mit NPCs, Dialogoptionen und abwechslungsreicheren Missionen endlich den Content geliefert, den Spieler schon bei Release erwartet hatten. Leider verhindern nach wie vor zahlreiche Bugs, eine veraltete Technik und ein paar fragwürdige Gameplay-Entscheidungen eine unbedingte Empfehlung.

Die Architektur erinnert an die Fünfzigerjahre - genau wie die Spielengine.
Die Architektur erinnert an die Fünfzigerjahre - genau wie die Spielengine. © Bethesda

Ein Atomkrieg hat die Welt ausradiert. Ausgewählte Individuen haben sich in Atombunkern, so genannten Vaults, eingeschlossen, um den nuklearen Fallout auszusitzen. Nun endlich soll es wieder nach draussen gehen. Nach einer wilden Abschiedsparty wachen wir als letzter Verbliebener von Vault 76 auf und machen uns auf den Weg in die Aussenwelt, um unserer Aufseherin Folge zu leisten und die Welt da draussen wieder zu bevölkern. Dumm nur, ist das Leben jenseits des Vaults nie gestorben. Zumindest nicht so richtig.

Im Kern bleibt Fallout 76 dem Gameplay der Vorgänger treu. Man kämpft, «lootet» und «craftet» sich wahlweise in Ego- oder Third-Person-Perspektive durch eine offene und abwechslungsreiche Welt und erledigt allerhand Aufgaben für Roboter und (Wastelanders-Update sei dank!) menschliche NPCs. Die Geschichte im Hauptspiel wird dröge und wenig spannend durch Holo-Tapes und Textdateien erklärt, während mit Wastelanders eine neue Kampagne eingeführt wird, die dank NPCs viel stimmiger und spannender ausfällt.

Hübsch hier!
Hübsch hier! © Bethesda

Schön sind auch Umgebungsdetails, die jeweils eigene kleine Geschichten erzählen. So finden wir in halb zerfallenen Hotelanlagen die Hinterlassenschaften von ehemaligen Gästen. Das sorgt für ordentlich Atmosphäre. Die Missionen bestehen mehrheitlich aus Sammel- und Tötungsaufträgen, zwischendurch blitzt aber doch der kreative Charme und der Humor auf, den Fallout seit jeher auszeichnet und der für Abwechslung sorgt.

Ansonsten sammeln wir Loot, verbessern damit unsere Ausrüstung und benutzen bei Levelaufstieg erhaltene Skill-Karten, um unsere Charakterattribute zu verbessern. Schön ist, dass man seine Skillung jederzeit anpassen kann. Ein wichtiges Feature, wenn man Solo und mit Kumpels unterwegs ist, da einige Karten vor allem Teamplay unterstützen.

Ebenfalls wichtig sind die Survival-Aspekte von Fallout 76. Gewisse Gebiete sind nämlich radioaktiv verstrahlt, und über kurz oder lang kriegen wir Hunger und Durst. Können wir diese Bedürfnisse nicht befriedigen, leidet unsere Ausdauer und Lebensenergie dauerhaft. Leider verkommen diese Survival-Mechaniken sehr schnell zu mühseligem Grinding nach sauberem Wasser, Medizin und Nahrung. Glücklicherweise lässt sich dank Skill-Karten die Abnahme von Hunger, Durst und Ausrüstungszustand relativ schnell senken - wenn man denn bereit ist, wichtige Skill-Plätze mit diesen Perks zu besetzen.

Kein Minigame, sondern das Skill-System.
Kein Minigame, sondern das Skill-System. © Bethesda

Neu seit Wastelanders ist auch ein Dialogsystem, das verschiedene Questausgänge bereithält - und dabei gleich ein Problem für Online-Partien generiert. Wenn man beispielsweise mit zwei Kumpels eine Quest abschliesst, so gilt sie nur für den Questhost als beendet, es sei denn die anderen beiden Mitspieler wählen an bestimmten Stellen die Möglichkeit, die Mission gleichzeitig alleine zu bestreiten. Ein wirklich befriedigendes Miteinander-Gefühl stellt sich so leider nicht ein.

Solche Unzulänglichkeiten gibt es noch an anderen Orten und bremsen ein angenehmes Spielerlebnis immer wieder aus. So können auch Werk- und Reparaturbänke nicht von mehreren Spielern gleichzeitig benutzt werden und im dümmsten Falle müssen wir am Zielort eine Weile auf das zu tötende Monster warten, weil kurz vorher ein fremder Spieler das Vieh geplättet hat.

Auf der technischen Seite hat sich seit dem Release viel getan - und trotzdem fällt das Urteil hier negativ aus. Nach wie vor gibt es zahlreiche bekannte Bethesda-Glitches wie Grafikbugs, unschönes Clipping und Audioprobleme. Selbst Questmarker wollen trotz erledigter Aufgabe manchmal nicht verschwinden. Grafisch sah man Fallout 76 die altbackene Engine schon bei Release an, und dementsprechend wenig hat sich seither geändert. Ein paar Lichteffekte oder Umgebungsdetails sind nett, allgemein bleibt die Optik aber im besten Falle zweckdienlich. Besonders die Charakter- und Gesichtsanimationen sind hoffnungslos veraltet.

Gelungen sind dafür die deutsche und auch englische Sprachausgabe der Dialoge. Musikalisch gibt es ebenfalls wenig zu bemängeln, ein Ingame-Radio gibt einem sogar die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Sendern zu wählen. So umfangreich wie bei einem Grand Theft Auto V ist das natürlich nicht, trägt aber trotzdem zur Atmosphäre bei. Während Richard Wagners «Ritt der Walküre» eine Atombombe zu zünden, hat einfach seinen Reiz.

Das passiert, wenn man auf den grossen, roten Knopf drückt.
Das passiert, wenn man auf den grossen, roten Knopf drückt. © Bethesda

Die Steuerung und das generelle Handling fallen leider auch sperrig und benutzerunfreundlich aus. Das beginnt beim hakeligen Inventarmenü und endet beim Gunplay. Nichts fühlt sich wirklich griffig, flüssig oder befriedigend an. Echt schade.

Fallout 76 ist nach wie vor nicht das erhoffte Online-Spektakel, hat sich aber dank Wastelanders erheblich verbessert und bringt nun den Content, den viele Spieler bei Release erwartet haben. Wer mit ein paar Kumpels durch die Ödlande streifen möchte, kann durchaus seinen Spass haben. Solisten, die Fallout 4 schon auswendig kennen, können nun auch einen Blick riskieren.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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