Battlefield V (2018)

Battlefield V (2018)

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Xbox One-Review: Ein Krieg gegen sich selbst

Hat jemand die Ski dabei?
Hat jemand die Ski dabei?

Kein anderer bewaffneter Konflikt beschäftigt uns heute noch sehr wie der Zweite Weltkrieg. Battlefield V buddelt das in Games mittlerweile schon fast etwas verstaubte Setting wieder aus und möchte dabei die Geschichten beleuchten, die bisher nicht so im Rampenlicht standen. So zum Beispiel die Auseinandersetzungen in Holland, Norwegen oder Nordafrika sowie der Einsatz von weiblichen und dunkelhäutigen Soldaten.

Der schwedische Entwickler DICE hat sich mit Battlefield V entschieden, zurück zu seinen Wurzeln zu gehen, zumindest was das Spielszenario betrifft. Allerdings beginnt die "Reise" durch den Krieg mit lediglich zwei Fraktionen, die nach und nach um andere erweitert werden sollen. Klingt mehr nach einem Early-Access-Spiel - ob sich sich Battlefield V aber auch wirklich so anfühlt?

Battlefield V ist kein schlechtes Spiel. Es überzeugt mit schönen Visuals, für DICE übliches tolles Sounddesign und ein richtig gutes Gunplay. Dass die Zerstörung wieder nach oben geschraubt wurde, freut uns zusätzlich. Doch das Spiel ist nicht fertig. Die Maps sind zu gering in der Anzahl, ebenso die Fraktionen und Modi. Dann kommt noch der arge interne Konflikt des Spiels, wie realistisch und schlimm es den Krieg abbilden, aber dennoch einem Mainstream-Publikum einen spassigen Shooter bieten möchte. Wenn der Content in den nächsten Monaten auf hohem Niveau nachgeliefert wird, könnte Battlefield V ein prima Gesamtpaket werden, doch im aktuellen Zustand bietet es zu wenig für einen Vollpreiskauf.

WAR! What is it good for?
WAR! What is it good for?

Battlefield V hat vor seinem Release schon ein bisschen leiden müssen. Eine Frau auf dem Cover eines Zweit-Weltkrieg-Shooters? Inakkurate Abbildung von Uniformen? Ein etwas misslungener erster Trailer? Die Battlefield-Fangemeinde fand mehr als einen Grund, den neusten Ableger der Shooter-Reihe in ein schlechtes Licht zu stellen. DICE hat dann versucht, ein bisschen Schadensbegrenzung zu betreiben und diverse Dinge angepasst. Übrig bleibt ein unfertig wirkendes Spiel mit guten Ideen, aber einer abstrusen Identitätskrise in mehreren Bereichen.

Vorweg aber das Positive. Battlefield V sieht wie schon sein Vorgänger sehr ordentlich aus und läuft selbst in den chaotischsten Tumulten stabil. Ausserdem haben die Entwickler die Zerstörung nach dem in diesem Sektor eher ernüchternden Vorgänger wieder nach oben geschraubt. Ganze Häusersiedlungen können eingerissen werden, was ein Match über längere Zeit spannend hält. Und es ist einfach aufregend, wenn man einem Haus eine Seitenwand wegsprengt und dahinter drei Gegner wie die Kakerlaken unter einem Stein auseinanderstoben. Zudem fühlt sich das Gunplay richtig gut an und die Multiplayer-Matches machen Spass.

Nördlich scheinen die Lichter
Nördlich scheinen die Lichter

Getrübt wird dieser Spass aber von der erwähnten Identitätskrise. Battlefield V weiss nicht, wen es ansprechen und welche Botschaft es tragen will. Zum einen spiegelt sich dies im Gameplay wieder. Die beim Launch mitgelieferten acht Maps reichen von riesig bis zu erstaunlich klein, bei den einen rennt man ohne Fahrzeuge fünf Minuten bis zum Gefecht, bei den anderen gibt's ausser kleinen Flugzeugen gar keine. Das sorgt zwar für Abwechslung, dafür ist das Waffenbalancing dann aber zu schwach. Als Medic trifft man mit seinen kleinen Maschinengewehren auf Distanz schlicht zu wenig, als Sniper ist man auf engen Maps komplett aufgeschmissen.

Nie ohne meinen Squad
Nie ohne meinen Squad

Eine Neuerung, die etwas besser hätte implementiert werden können, sind die Fortifications. Mit jeder Klasse können gewisse Punkte verstärkt werden, das heisst, man schichtet eine kleine Mauer aus Sandsäcken an strategisch günstigen Punkten. Allerdings ist dieses System zu versteckt, und in der Hektik des Gefechts ist es zu umständlich. Demnach benützen es auch sehr wenige Spieler.

Zum anderen widerspiegelt sich die Krise in ihrer Botschaft. Die Spieleindustrie möchte sich langsam vom heroischen Abbild des Kriegs verabschieden, wie dies Spiele wie Spec Ops: The Line oder This War of Mine bereits vorgemacht haben. Battlefield V möchte dies auch, doch DICE ist das ziemlich misslungen. Man will den Krieg realistisch abbilden mit schmerzverzerrten Hilfeschreien, bietet dann aber lustige Skins und goldene Waffen an. Ausserdem ist das Spiel wahnsinnig tone-deaf, sprich, es ist sich seiner Stimmung nicht bewusst.

I believe I can fly!
I believe I can fly!

Dazu kommt der seltsame Release-Plan. Zu Beginn gibt's lediglich die deutsche und die britische Fraktion, von Russen, Amerikanern, Franzosen oder Japanern keine Spur. Ausserdem beschränkt sich die Kartenanzahl auf die erwähnten acht Stück, wobei nicht alle in allen Modi gespielt werden können. Die Entwickler von DICE verkaufen dies so, dass sie die verschiedenen Phasen des Kriegs in verschiedenen (kostenlosen) DLCs nachreichen wollen. Damit müssen sie aber pressieren, sonst verleidet der Launch-Inhalt und die Spieler sind weg. Wenn sie sich aber fangen und tolle Maps und weiteren Content liefern, könnte Battlefield V ein richtig gutes Gesamtpaket bieten. Doch das ist es keineswegs im aktuellen Zustand.

/ nna