Sniper: Ghost Warrior 3 (2017)

Sniper: Ghost Warrior 3 (2017)

  1. ,
  2. , ,

PS4-Review: Far-Cry mit Sniper-Gewehr

Romantische Stimmung im Kriegsgebiet
Romantische Stimmung im Kriegsgebiet © Entwickler / Publisher

Ein Bruderpaar zieht gemeinsam in eine geheime Mission irgendwo an der ukrainisch-russischen Grenze. Dort sollen sie eine alte Chemiewaffen-Fabrik unschädlich machen. Kurz vor der Exfiltration werden sie von unbekannten bewaffneten Einsatzkräften gestoppt und in Gewahrsam genommen. 23 Monate später sucht Jon seinen seitdem vermissten Bruder Robert im Krisengebiet Georgien.

In Sniper: Ghost Warrior 3 sollen gleich verschiedene Spiele drin sein: ein Sniper-Game, ein Schleich-Game und ein Shooter-Game. Und weiter ist Sniper: Ghost Warrior 3 in einer Open-World-Umgebung angesiedelt, die vorgängig stark an die Far-Cry-Titel erinnert hat. Kann ein solcher Action-Mix tatsächlich aufgehen?

CI Games hat mit Sniper: Ghost Warrior 3 viel versucht. Leider hat sich das Risiko nicht ausbezahlt. Ein unfertiger, fehlerhafter Titel wurde präsentiert. Die Ansätze der Story sind interessant, doch verkommt diese zur Banalität. Das Szenario in einer Open-World-Umgebung anzusiedeln ist in Mode und eröffnet dem Spieler viele Handlungsfreiheiten. Doch sollte dann die Welt belebt sein und nicht so einfältig wirken. Immerhin ist die Umsetzung des Snipers sehr gut gelungen. Das Zoomen und die Weiteneinstellungen können manuell gewählt werden. Der Wind muss berücksichtigt werden und letzten Endes löst sich mit angehaltener Luft ein sauberer Schuss. Sniper: Ghost Warrior 3 macht trotz aller technischen Mängel viel Spass.

Story

Hübsche Frauen machen jedes Leid erträglicher.
Hübsche Frauen machen jedes Leid erträglicher. © Entwickler / Publisher

Die Story versucht leider vergeblich, Emotionen zu wecken, wirkt aufgesetzt und zieht Sniper: Ghost Warrior 3 ins Lächerliche. Die beiden Brüder - der jüngere schaut den älteren voller Ehrfurcht an, ehe dann beide gemeinsam in den Krieg ziehen - könnten aus einem billigen Film stammen. Dazu kommen die unglaublich schlechten Synchronstimmen. Bereits im Prolog klingen die Teenager-Brüder wie 50 Jahre alte, weise Männer. Auch im weiteren Verlauf verbessern sich die Dialoge leider nicht und nerven ganz ordentlich.

Gameplay

In Sniper: Ghost Warrior 3 gibt es grundsätzlich drei Vorgehensweisen, die optimalerweise kombiniert in Anwendung gebracht werden. Aus guter Distanz wird mittels einer kleinen Drohne die Gegend ausgekundschaftet, und die Feinde werden markiert. An neuralgischen Orten positionierte Gegner schaltet man danach mit der erfreulich gut gelungenen Sniper-Umsetzung aus. Anschliessend erfordern die Missionsaufträge es oft, dass ein Gebiet oder Gebäude durchsucht wird. Dank Anschleichen und lautlosen Messer-Kills werden die nächsten Gegner ausgeschaltet. Sollte mal eine Aktion schiefgehen, steht noch immer ein Sturmgewehr zur Verfügung, mit dem die heraneilenden Gegner unschädlich gemacht werden. Leider ist die KI nicht sehr hochstehend, weshalb die Gegner nicht ähnlich intelligent und neugierig ans Werk gehen wir beispielsweise bei Sniper Elite 4.

Jeder Schuss ein Treffer.
Jeder Schuss ein Treffer. © Entwickler / Publisher

Auch wenn der Inhalt der meisten Missionen sehr wiederholend ist - Gebiet infiltrieren, Person ausschalten oder Informationen beschaffen - gibt es immer wieder genügend Action, wenn beispielsweise Eisenbahnwagons voll mit Benzin gesprengt werden dürfen.

Ein weiteres Element in Sniper: Ghost Warrior 3, das nicht ganz harmonisch ins Bild passt, ist das Crafting von Ressourcen. Trotz unzähligen geplünderten Leichen und versteckten Kisten könnt ihr am Ende des Tages zwei lächerliche Gewehrpatronen und eine Handgranate selbst herstellen. Mit den gesammelten Handelsstücken lassen sich hingegen Munition und Weiteres ganz einfach und in genügender Stückzahl kaufen.

Multiplayer

Auf einen Multiplayer-Modus müssen sich alle bis im Herbst 2017 gedulden. Die Veröffentlichung wurde eben erst wieder verschoben.

Technik

Gleich zu Beginn des Spiels fällt die unendlich lange Ladezeit auf. Mehr als vier Minuten verstreichen jeweils vom Hauptmenu bis ins Spielgeschehen hinein. Im Spiel kommt hinzu, dass es nur sehr wenige Speicherpunkte gibt. Im Vergleich zu Sniper Elite 4 kann somit nicht vor jedem Schuss gespeichert und bei einem Fehltreffer neugeladen werden. Jedoch werfen die wenigen Speicherpunkte bei einem Kill den Spielstand weit nach hinten.

Mein Zuhause!
Mein Zuhause! © Entwickler / Publisher

Sehr auffällig ist die allgemein schlechte Technik von Sniper: Ghost Warrior 3, abgesehen von der Sniper-Tätigkeit. Beispielsweise sinkt die Bildrate markant, sobald wir die Drohne einsetzen. Im Prolog verfängt sich Robert locker mal in einem umgestürzten Baum, was einen Neustart vom letzten Speicherpunkt notwendig macht. Und wenn wir schon so viel Zeit im Auto verbringen, hätten wir uns wenigstens eine weniger schwammige Steuerung gewünscht.

Apropos Autofahrten: Es fällt sofort auf, wie unglaublich leer die Welt von Sniper: Ghost Warrior 3 ist. Klar, es herrscht Bürgerkrieg, aber auf den engen Strassen, in den Wäldern... Nichts! Kein Mensch, kein Tier. Nur gähnende Leere.

Tobias Geser [gto]

Tobias schreibt seit 2010 Game-Reviews. Am liebsten spielt er spannende Adventures und actionreiche Shooter Games. Mit FIFA hingegen kann er überhaupt nichts anfangen. In seiner Freizeit trifft man Tobias häufig auf dem Mountainbike an.

  1. Artikel
  2. Profil