MLB The Show 17 (2017)

MLB The Show 17 (2017)

PS4-Review: Packende Duelle zwischen Pitcher und Batter

© Entwickler / Publisher

Baseball geniesst hierzulande als Randsportart noch eher ein Schattendasein. In den USA ist der Sport jedoch ein grosses Geschäft und ein Volkssport. So wundert es nicht, dass Sony seit 2006 jährlich einen Titel dem Baseball widmet. Die neuste Ausgabe, die pünktlich zum Saisonstart in den USA erscheint, verspricht auf den ersten Blick ein verbessertes Gameplay und eine überarbeitete Grafik. Natürlich ist MLB The Show 17 vollgepackt mit dem für Sportgames üblichen Inhalt und einem Retro-Modus, der zu den Ursprüngen der Serie zurückführt.

Baseball scheint für die Laien ein hoch komplexes Spiel mit unzähligen Regeln zu sein. In Tat und Wahrheit ist das Regelwerk sehr überschaubar. Wer sich einmal einen Überblick verschafft hat, wird schnell vom Virus gepackt. Ob dem MLB The Show 17 ebenfalls gerecht wird?

Alles in allem hat Sony mit MLB The Show 17 einen spannenden, vielleicht sogar unterschätzten Titel rausgebracht. Das Spiel ist klar für den amerikanischen Markt ausgelegt, wo Baseball im Blut ist, und verzichtet deshalb auf eine Regeleinführung. Immerhin sollte nach einigen Spielen jeder die Grundregeln verstanden haben und dürfte durchaus süchtig werden. MLB The Show 17 hebt sich insbesondere durch die Zusammenarbeit mit MLB Network von Indie-Games ab und bietet hochkarätige Kommentare, packende Kameraeinstellungen und lohnenswerte Wiederholungen.

Gameplay

Eines sei gesagt: Vorkenntnisse über die Baseballregeln und den Spielablauf sind notwendig. Anders als beispielsweise bei NFL-Titeln verzichtet MLB The Show 17 auf eine Regeleinführung. Zu Beginn des Spieles muss die Spielweise konfiguriert werden. Es kann ausgewählt werden, welche Spielabläufe mit einfachem Tastendrücken oder, anspruchsvoller, mit dynamischen Abfolgen gesteuert werden sollen. Das danach beginnende Einführungsspiel war im ersten Test sehr irreführend, da es ohne Kommentar auskommt und bis zu einer bestimmten Anzahl Innings nicht übersprungen werden kann. Als schon Langeweile aufkam, gelang doch noch der Absprung ins Hauptmenu, und der Anblick war überwältigend.

© Entwickler / Publisher

MLB The Show 17 wurde mit unzähligen Spielmodi ausgestattet. Besonders interessant ist der Karrieremodus "Road to the Show - Pave your Path". Die Karriere beginnt nach einem umfangreichen Modifikator mit einem Scouting-Event und zwei Testspielen. Anschliessend folgt der Draft, wonach sich die Frage stellt, ob der Junior einen Profivertrag unterschreiben möchte oder doch noch lieber College Baseball spielen will. Der gesamte Karrieremodus ist als Dokumentation gestaltet, der immer wieder Entscheidungen verlangt, deren Auswirkungen im Verlauf der Karriere jedoch kaum zu spüren sind.

Sony ist es gelungen, viele Möglichkeiten und Feinheiten von Baseball realistisch umzusetzen. Ein Grossteil des Spiels konzentriert sich, wie im wahren Baseball, auf die Duelle zwischen Pitcher und Batter. Doch abseits davon läuft eben auch viel, beispielsweise die Versuche von Steals durch Vorrücken auf eine Base. Gerade beim Pitchen, beziehungsweise bei der Einschätzung des Schiedsrichters, ob der Pitch gültig ist oder nicht, kommen ausserdem subjektive Faktoren zum Tragen. Und so entscheiden auch in MLB The Show 17 nicht alle Schiedsrichter genau gleich und bringen zusätzliche Dynamik ins Spiel.

Multiplayer

Leider spielt sich der Multiplayer online ab. Hier verzichtet Sony im Gegenteil zu anderen Sport-Games auf einen lokalen Multiplayer-Modus. Online können hingegen der endlose Franchise-Modus oder die Diamond League gespielt werden. In Letzterer kann ein komplett eigenes Team mit eigenen Farben und Logo erstellt werden.

Technik

MLB The Show 17 brilliert punkto Kommentare und TV-reifer Kameraeinstellungen dank der Zusammenarbeit mit MLB Network. Selbst nach unzähligen Spielen werden die Kommentare nicht langweilig oder wiederholen sich. Klar, bei einer Saison über 162 Spiele wird sich die eine oder andere Phrase wiederholen müssen. Ebenso überzeugend sind die interessanten Wiederholungen, die Schlüsselszenen aus verschiedenen Blickwinkeln nochmals wiedergeben. Ein weiterer Pluspunkt sind die exakt nachgebauchten Baseball-Stadien sowie die wiedererkennbaren Spieler.

Die Grafik dürfte noch weiter optimiert werden und ist zurzeit noch nicht bei der Perfektion angekommen. Insbesondere in Videosequenzen leidet die Bildrate. Wettgemacht wird dieser Wermutstropfen durch die Soundunterlegung, die antreibt und dem Game die notwendige Frische verleiht.

Tobias Geser [gto]

Tobias schreibt seit 2010 Game-Reviews. Am liebsten spielt er spannende Adventures und actionreiche Shooter Games. Mit FIFA hingegen kann er überhaupt nichts anfangen. In seiner Freizeit trifft man Tobias häufig auf dem Mountainbike an.

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