Life is Strange: Before the Storm (2017)

Life is Strange: Before the Storm (2017)

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PS4-Review: Die Ruhe vor dem Sturm

Das Leben ist seltsam
Das Leben ist seltsam © Entwickler / Publisher

Life is Strange war 2015 ein (fast) einstimmig zelebrierter Titel. Das Spiel bediente sich an der episodischen Erzählweise von Telltale Games' The Walking Dead und verarbeitete schwierige Themen eines Mädchens im Teenager-Alter. Zwiegespalten waren die Meinungen über die Zeitreisemechanik, die das das zentrale spielerische Element darstellte.

Before the Storm ist nun das Prequel dazu. Drei Jahre vor den Ereignissen in Life is Strange spielt ihr nun die Rolle von Chloe, der besten Freundin von Max. Mit dem Verzicht auf Zeitreisen konzentriert sich das Spiel nun vollends auf die Geschichte, die Dialoge und das Teenager-Drama - und erreicht dabei erzählerische Höhepunkte, die Life is Strange nicht erringen konnte.

Der Wechsel vom ursprünglichen Entwickler Dotnod zu Deck Nine barg ein grosses Risiko. Die Amerikaner haben jedoch bewiesen, dass sie qualitativ mit den Franzosen mithalten können und das Universum von Life is Strange nicht nur respektieren, sondern auch bedeutungsvoll erweitern können. Fans können also aufatmen. Before the Storm zerstört nicht die Erinnerungen an Life is Strange. Stattdessen verleiht es den Geschehnissen und den Charakteren eine weitere Dimension, die Life is Strange als Ganzes bereichert. Auch wenn es ein neues Setting und neue Figuren bieten wird: Life is Strange 2 kann nicht früh genug kommen!

Story

Hast du ihn gesehen?
Hast du ihn gesehen? © Entwickler / Publisher

Fans von Life is Strange waren, berechtigterweise, besorgt um das Prequel. Warum lässt man die Hintergründe der Charaktere nicht den Vorstellungen, die man sich aus dem ersten Teil erspielt hat? Wie spannend kann es sein, in die Rolle von Charakteren zu schlüpfen, deren Schicksal man bereits kennt?

Sehr spannend, wie es sich herausstellt. Chloes erzählerischer Sparring-Partner ist Rachel, die im Vorgänger mysteriös verschwunden war. Die beliebte Musterschülerin und Schönheit könnte kaum unterschiedlicher sein als die rebellische, ewig missgelaunte Chloe. Dennoch finden die beiden bei einem Rockkonzert zusammen und beginnen eine Freundschaft von ambiguer Natur.

Wie sich herausstellt, hat Rachel mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen. Ist ihr Leben als jedermanns Liebling nur eine Farce, eine Fassade? Lügt sie allen etwas vor oder helfen diese Lügen mehr ihr selbst? Auf dieser Basis funktioniert das Zusammenspiel zwischen ihr und Chloe wunderbar in einer Art und Weise, die uns die Geschehnisse aus Life is Strange aus einer anderen Perspektive sehen und unsere Meinungen über deren Charaktere überdenken lässt.

Gameplay

Sie kommt mit mir!
Sie kommt mit mir! © Entwickler / Publisher

Chloe hat keine Zeitreisefähigkeit, wie sie Max im ersten Teil noch hatte. Stattdessen, und ganz passend zu ihrer Persönlichkeit, kann sie sich in die unmöglichsten Streitdiskussionen verwickeln. Da kommt das sogenannte «Backtalk» zum Zug. Hierbei könnt ihr während eines Gesprächs die Worte eures Gegenübers gegen sie verwenden. Hierzu stehen euch verschiedene Antwortmöglichkeiten zur Verfügung und ihr müsst innert kurzer Zeit entscheiden, welche Antwort das für euch gewünschte Ergebnis bringt.

Die Entscheidungen in Before the Storm sind weniger weltbewegend, als dass sie der Vielschichtigkeit der Charaktere zuspielen. Es handelt sich dabei um Alltagsentscheidungen, die man trifft, um seine eigenen Ziele zu verfolgen. Im Wissen, dass auch Worte eine starke Wirkung haben können, werden dadurch die Beziehungen und ihre Art mitgestaltet. Auf einer emotionalen Ebene ist das nicht weniger bewegend als die grossen Entscheidungen aus einer Makro-Perspektive.

Technik

Für immer zusammen
Für immer zusammen © Entwickler / Publisher

Die technische Performance ist kein bedeutender Aspekt bei dieser Art von Spiel. Aus diesem Grund kam auch The Walking Dead mit schwachen Texturen und einer instabilen Bildrate davon.

Bei Life is Strange: Before the Storm kann man durchaus behaupten, dass es ganz ordentlich funktioniert. Zumindest steht die Technik dem Spiel nicht im Weg. Manchmal verhaut es die Lippensynchronisation in dem einem oder anderen Dialog, aber das ist kaum der Rede wert.

Alejandro Garcia [ale]

Alejandro schreibt und redigiert im Games-Bereich seit 2009 für OutNow. Sein Einflussbereich ist die Konsole, wo er Militär-Shooter und Racer mit Erfolg vermeidet. Dafür verschlingt er alles, was FromSoftware ihm vorsetzt.

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Kommentare Total: 2

db

Nach dem - bis zum letzten Kapitel - sehr gut umgesetzten Life is Strange hat es das Prequel natürlich schwer. Mit dem Fehlen der Rewind Fähigkeit entfällt ein Signaturelement des Vorgängers und wie bei Prequels so üblich, fühlt sich auch vieles an wie checkboxen abarbeiten. Wir wissen bereits was geschehen ist und wird - also bietet es auch sehr wenig wirklich Überraschungen oder grosse Twists.

Insgesamt ist es eine nette Erweiterung - und einige der Qualitäten sind sicher noch da, aber es ist lange nicht so fesselnd wie der Vorgänger, der krampfhaft trötzelnde Teenager ist auch eher ermüdend und letztendlich ist die Story um Rachel zwar nett, aber da man bereits genau weiss, wie es mit den beiden enden wird, begegnet man der Story mit einer gehörigen Portion Distanz, was dem Game auch nicht hilft.

Also wem diese Art von Game gefällt, der wird die Reise von Chloe sicher schätzen, aber ich fand es mehr eine Pflichtübung als wirklich die grosse Offenbahrung.

ale

PS4-Review: Die Ruhe vor dem Sturm

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