Gorn (2017)

Gorn (2017)

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PS4-Review: Morituri te salutant!

Wer fuchtelt, gewinnt!
Wer fuchtelt, gewinnt! © Devolver Digital

Ach, die lustigen Damen und Herren von «Devolver Digital» mal wieder! Der Publisher von ausgefallenen Indie-Games wie Hotline Miami und My Friend Pedro hat sich mit Gorn ein weiteres Kleinod des Irrsinns unter den Nagel gerissen.

Wir kämpfen als Gladiator in einer Arena um unser Leben. Dabei malträtieren wir Gegner mit Knüppeln, Lanzen oder Pfeilbogen, bis wir die Wände und den Sand mit ihrem Blut neu gestrichen haben. Und das alles in VR! Klingt bedenklich? Gut möglich. Macht es Spass? Ja. Irgendwie.

Gorn ist ein kleiner Fun-Splatter-Prügler, der wegen seiner umständlichen Steuerung und VR-Kalibrierungsproblemen weniger Spass macht, als er könnte. Für einen kleinen Frustabbau zwischendurch kann sich der morbid veranlagte Spieler durchaus aber eine Runde in der Arena gönnen. Leute, die nach Story und Tiefgang suchen, geben den Gladiatoren einen Daumen runter.

Ach, das ist doch nur ein Kratzer.
Ach, das ist doch nur ein Kratzer. © Devolver Digital

Gorn ist doof. Und das mit purer Absicht. Handlung gibt es nämlich keine und das Ziel ist simpel: Töten. Man mordet sich mit verschiedenen Waffen durch Gegnerhorden und gelegentliche Zwischenbosse. Blut, Gliedmassen und auch Augen trennen sich von ihrem angestammten Platz in fast schon erschreckender Heftigkeit. Gorn ist definitiv nichts für Zartbesaitete oder Moralapostel - vor allem, weil das Gemetzel in seiner gewollt stupiden Schlichtheit durchaus Spass macht.

Das ist dezent eskaliert.
Das ist dezent eskaliert. © Devolver Digital

Wir reissen zwar mit baren Händen Köpfe vom Hals, schlagen die armen Kerle mit ihren eigenen abgetrennten Armen tot und knüppeln so lange drauf, bis nur noch Matsch übrig bleibt, aber die ganze Aufmachung mit den idiotisch herumdackelnden Gegner (die sich alle so bewegen, als hätten sie erst gestern Abend den aufrechten Gang erlernt) sorgt dafür, dass die Brutalität niemals abstossend, sondern stets humoristisch übertrieben bleibt.

Die Gore-Mechanik sorgt in Kombination mit der Ragdollphysik für eine gewisse morbide Befriedigung, wenn wir unsere Kontrahenten beispielsweise mit einem Keulenschlag meterweit gegen eine Wand klatschen. Abwechslung wird aber nur durch die Gegnermengen, ihre Panzerung und durch die unterschiedlichen Waffen gewährt. Die Arena bleibt sich eigentlich immer gleich. Hat man sich also an den mannigfaltigen Metzelmanövern sattgesehen, bleibt von Gorn nicht mehr viel übrig. Viel Tiefe bietet das Spiel nämlich nicht.

Der kriegt gleich eine gepaddelt!
Der kriegt gleich eine gepaddelt! © Devolver Digital

Leider stellt sich die Kalibrierung der VR-Umgebung als ziemlich unbefriedigend heraus. Gegenstände können oft nicht vom Boden aufgehoben werden, weil das Spiel diesen gerne eine Handbreit über dem echten Boden zu erkennen glaubt - eher ungünstig, wenn einem drei gepanzerte Gegner gegenüberstehen und die Waffe vor den eigenen Füssen unerreichbar ist. So erleiden wir zahlreiche unnötige Bildschirmtode. Die Steuerung ist ebenfalls nicht sehr intuitiv. Statt per Joysticks bewegen wir uns via Knopfdruck und einer Zieh-Bewegung durch die Arena - und sehen für Leute, die einen beim Spielen beobachten, aus, wie jemand der an Ort und Stelle Nordic Walking betreibt.

Gedreht wird ebenfalls per Tastendruck in festgelegten Gradstufen. Sich mit dieser umständlichen Steuerung in der Arena zu bewegen und dabei noch zuzuschlagen, zu blocken oder auszuweichen ist unnötig anstrengend und leider wenig komfortabel. Einen Vorteil hat das teils hektische Geprügel und Gefuchtel jedoch: Man kommt sehr schnell ins Schwitzen. Wem also Rumpfbeugen oder Joggen zu öde sind, kann in Gorn mindestens so viele Kalorien verbrennen wie Hirnzellen.

Chris Bucher [chb]

Chris ist ein Luzerner Filmemacher, Journalist und leidenschaftlicher Gamer. Er mag alles, was mit Horror zu tun hat. Seine Devise lautet: Je morbider, desto besser. Für OutNow schreibt er seit 2019 regelmässig Reviews. Er hat eine Schwäche für alte Dinosaurierfilme.

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Trailer: Launch Englisch, 01:18