DanganRonpa V3: Killing Harmony (2017)

DanganRonpa V3: Killing Harmony (2017)

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PS4-Review: Eliminieren, hinters Licht führen und überleben

Monokuma ist wieder da.
Monokuma ist wieder da. © Entwickler / Publisher

Das japanische Entwicklerstudio Spike Chunsoft ist in unseren Breitengraden nicht so berühmt, die Videospielreihen Nonary Games (Zero Escape) und DanganRonpa dürften vielen dennoch ein Begriff sein. Während ersteres auf eine tragende Geschichte, Erkundung und Rätsel setzt, geht es bei letzterem deutlich perfider und brutal zu und her. Danganronpa V3: Killing Harmony stellt in dieser Hinsicht keine Ausnahme dar.

16 Studenten wachen ohne Erinnerungen in einer heruntergekommenen und von hohen Wänden eingezäunten Schule auf. Kurz darauf müssen sie mit Schrecken erfahren, dass der einzige Ausweg darin besteht, jemanden zu töten ohne aufzufliegen. Gelingt dies, ist der Täter frei und alle anderen sterben. Gelingt dies aber nicht, muss der Täter ins Gras beissen. Werden sich die Studenten darauf einlassen?

Killing Harmony ist ein typisches Danganronpa-Spiel: Zäher Einstieg, guter Mix aus charismatischen, nervigen und liebenswerten Charakteren, krassem Humor, Monokuma in Bestform und rasanten Prozessen mit tollen Knacknüssen und witzigen Minigames. Erneut werden die Gedanken und Emotionen der Spieler auf geniale Weise manipuliert und mit Hoffnung und Verzweiflung gekonnt jongliert.

Unter dem Strich kommen zwar erste Abnutzungserscheinungen zu Tage, denn die Reise fühlt sich nicht mehr so bahnbrechend oder neuartig an, wie es noch beim ersten Teil der Fall war. Ungeachtet dessen lädt V3 Neueinsteiger und Fans ein, in eine herrlich abgedrehte Welt einzutauchen und ein etwas anderes Spielvergnügen zu geniessen. Es sei aber an dieser Stelle gewarnt: Eine gute Portion Geduld für die textlastigen Visual-Novel-Passagen und Trial-and-Error-Prozesse sind Pflicht!

Story

Die Natur kämpft sich zurück.
Die Natur kämpft sich zurück. © Entwickler / Publisher

Wer Trigger Happy Havoc und Goodbye Despair kennt, wird sich in Killing Harmony schnell zurecht finden. Obwohl der Einstieg überaus zäh und extrem textlastig ist, wird man mit jedem Mord und anschliessender Bestrafung des Täters stärker in die abgedrehte und gut geschriebene Geschichte gesogen. Für das gute Gelingen sorgt einmal mehr der sadistische Roboter-Bär Monokuma.

Tatkräftige Unterstützung bekommt er dieses Mal von fünf seiner Sprösslinge, welche Segen und Fluch zugleich sind. Sie bringen zwar eine frische Brise und tragen mit ihren Auftritten zur Geschichte bei, ziehen dafür aber auch die Dialoge oftmals unnötig in die Länge. Es bleibt dabei, bei keinem anderen Spiel macht es dermassen viel Spass, immer wieder hinters Licht geführt zu werden.

Gameplay

Kann ein notorischen Lügner die Wahrheit sagen?
Kann ein notorischen Lügner die Wahrheit sagen? © Entwickler / Publisher

Das Gameplay lässt sich traditionsgemäss in drei spielerisch unabhängige Bereiche unterteilen, nämlich «Freizeit», «Mord» und «Prozess». In der Freizeit kann man das Schulareal erkunden, Sammelobjekte suchen, im Casino spielen oder auch, was extrem wichtig ist, die anderen Charaktere kennenlernen bzw. die Freundschaften vertiefen. Dieser Teil ist vor allem erzählerisch wichtig, macht spielerisch dank gezielten Rätseln und vielen Freiheiten ebenfalls Spass.

Das zweite Segment bietet schon mehr Action, denn sobald eine Leiche entdeckt wurde, beginnt die Detektivarbeit. Auch wenn das Vorgehen extrem linear ist und es dadurch kaum Raum für Fehlinterpretationen lässt, ist das Zusammentragen der Puzzleteile kurzweilig und motivierend.

Das neue Need for Speed?
Das neue Need for Speed? © Entwickler / Publisher

Das wahre spielerische Herzstück stellt jedoch der Prozess dar. In unterschiedlichen und abwechslungsreichen Varianten und Minispielen müssen je nach Situation mögliche Falschaussagen aufgedeckt, Zusammenhänge offenbart oder korrekte Schlussfolgerungen gezogen werden. Die Spieler werden dabei ganz schön gefordert, womit sich die Klärung des Falles mit anschliessender Hinrichtung als extrem befriedigend entpuppt.

Technik

Schlicht aber effektiv.
Schlicht aber effektiv. © Entwickler / Publisher

Das besondere Artdesign wurde konsequent weitergeführt, was nicht besonders bahnbrechend, dennoch gut fürs Auge ist. Obwohl nicht alle Dialoge vertont sind, machen die Sprecher eine gute Figur. Ebenso wie die gelungene musikalische Untermalung und die simple aber effektive Steuerung. Eine Lokalisation fehlt leider noch immer und im Endeffekt werden kaum technische Massstäbe gesetzt, schaden tut es dem Spiel aber nicht.

/ Antonio Prosperati [pan]