Watch_Dogs 2 (2016)

Watch_Dogs 2 (2016)

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PS4-Review: Hacken in San Francisco

Der Schein trügt.
Der Schein trügt. © Entwickler / Publisher

Watch Dogs 2 ist die Fortsetzung des vor zwei Jahren mit viel Hype erschienenen Hacker-Action-Adventures Watch Dogs. Schauplatz ist unter anderem die kalifornische Stadt San Francisco, die in der Nähe des High-Tech-Industrieortes Silicon Valley liegt. Der Gamer übernimmt im Open-World-Spiel von Publisher Ubisoft die Rolle des jungen Hackers Marcus Holloway. Dieser ist Mitglied der Untergrundorganisation «DedSec», die einen hochtechnisierten Überwachungsapparat des Konzerns Blume bekämpft.

Dieser Supercomputer, das Betriebssystem ctOS (central Operating System), verbindet alles mit allem: persönliche Informationen, Sicherheitskameras, Verkehrssignale, Strafregister, Versicherungsakten. Es herrscht ein regelrechter Informationskrieg. Politik und Ökonomie werten Daten zu ihren Vorteilen aus und berechnen das Verhalten der Bürger voraus, noch bevor diese die prognostizierten Handlungen vollziehen. Marcus und seine Freunde sehen durch den Supercomputer die politische Freiheit bedroht und versuchen, diesen durch Hacken in die Knie zu zwingen.

Entwickler Ubisoft Montreal hat sich die Feedbacks zu Watch Dogs zu Herzen genommen und schafft es, die Ernüchterungen des Vorgängers grösstenteils zu beseitigen. Watch Dogs 2 macht einen gewaltigen Sprung nach vorne. Auch die gesellschaftskritische Satire gelingt vorzüglich. Besonders Gamer mit IT- und Action-Affinität und Humor werden sich mit diesem Titel eine wahre Freude bereiten.

Story

Die dystopische Story baut auf dem Vorgänger auf. Neu spielt die Handlung in San Francisco und nicht mehr in Chicago, was aufgrund der Nähe der Stadt zum Silicon Valley sehr passend ist. Watch Dogs 2 theamtisiert sehr anschaulich die Problematik der Smart Cities, die ein Produkt des sogenannten Internet of Things der neuen Technologien sein können. Dabei geht es um das Management von Demografie, um Nachhaltigkeit oder um Ressourcenknappheit. Für jeden Bürger lässt sich anhand von allerlei Kameras und Sensoren ein Verhaltensprofil erstellen. Die Datenverknüpfungen lassen sich von Politik, Stadtverwaltung oder Wirtschaft entsprechend ihren Interessen nutzen.

Es ist wie eine Realisierung des «Gouvernementalitäts»-Konzeptes des französischen Philosophen Michel Foucault: der perfekte Überwachungsstaat, der Bürger bespitzelt, ohne dass diese es merken, und deren Entscheidungen manipuliert, ohne dass sie es merken. Marcus und seine Freunde von der Hackergruppe gewinnen dadurch sofort des Gamers Sympathie, sie bei ihrer Mission zu unterstützen. Die Story verdient aufgrund der grossen Relevanz für die Zukunft hohe Beachtung, die Protagonisten dagegen bleiben ziemlich farblos, wenn man von dem ad­jus­tie­rbaren hippen Äusseren mal absieht.

Gameplay

Drohne als Hacker-Utensil.
Drohne als Hacker-Utensil. © Entwickler / Publisher

Watch Dogs 2 ist zwar anzumerken, dass es aus dem Hause Ubisoft stammt. Das Spielprinzip ist vergleichbar mit der Serie von Splinter Cell. Doch bei Watch Dogs 2 macht Ubisoft einen Entwicklungssprung: Die Spielwelt ist von Beginn an offen und die Missionen sind frei wählbar, in Anlehnung an GTA oder Mafia. Also kein lästiges «Objektbezwingen» mehr wie etwa bei Far Cry.

Darüber hinaus fokussiert Watch Dogs 2 auf die eigene Stärke: die IT-Szene. Diese steht oft stellvertretend für eine wunderbare Gegenwartssatire. Kenner werden sich an den schwarzhumorigen Referenzen auf Tech- und (Anti-)Social-Media-Unternehmen wie Google, Facebook oder YouTube erfreuen. Auch Tesla oder Scientology kriegen ihr Fett weg.

Marcus ist ein begabter Hacker: Für das Erreichen von Missionszielen muss er Computer, Kameras, Türen, Smartphones und noch viel mehr hacken, öffnen oder überladen. Manchmal gibt es ein eigenes Minispiel dazu, bei dem etwas Knobeln erforderlich ist. Marcus stehen neu ein funkgesteuertes Auto, eine Drohne und weitere Gadgets wie ein 3D-Drucker zur Seite.

Lustig ist auch, wie beispielsweise Stromkasten dazu genutzt werden können, Wachleute abzulenken und auszuschalten. Als Waffe dient ein Elektroschocker, der leider eine kurze Reichweite besitzt und Wachpersonal nur vorübergehend «schlafenlegt». Das Arsenal ist limitiert, und das ist gut so, denn als Ballerspiel wäre Watch Dogs 2 nicht authentisch. Mit zunehmenden Hacker-Skills kann Marcus Fahrzeuge manipulieren oder Autos und Motorräder fernsteuern und wie von Geisterhand lenken, wie man das aus Terminator 3 kennt - sehr cool!

Multiplayer

High-Tech-Paradies San Francisco.
High-Tech-Paradies San Francisco. © Entwickler / Publisher

Es gibt spontane Spieler-gegen-Spieler-Events, Spezialmissionen und weitere Wettbewerbe. Mal müssen andere Spieler gehackt werden, mal wird man selbst Opfer. Man kann sich verbünden und Nebenmissionen absolvieren. Team-Mitglieder ergänzen sich gegenseitig mit ihren Fähigkeiten und profitieren voneinander. Die Story-Missionen bleiben davon leider ausgeschlossen.

Technik

Die Third-Person-Perspektive macht es möglich, dass Marcus sich gleichzeitig umsehen und bewegen kann, und erlaubt es, Daten-Highways quer durch Gebäude oder Stadt farbig anzuzeigen und nachvollziehbar zu machen. Trotzdem ist es am Anfang beschwerlich, sich mit der Steuerung zurechtzufinden und herauszufinden, was das Game nun vom Spieler möchte. Da wirkt Watch Dogs 2 manchmal zu überladen. Die Steuerung sollte antizipativer sein, der Spieler muss häufig korrigieren, was in Gefechten wertvolle Zeit kostet.

Ansonsten ist die Grafik sauber, technisch läuft das Spiel rund. Die Dialoge zwischen den Protagonisten wirken manchmal etwas lächerlich, was dazu führt, dass man den Charakteren die Ernsthaftigkeit ihrer Mission nicht abkauft. Möglicherweise liegt das aber an der misslungenen Synchronisation.

/ sar

Kommentare Total: 2

th

mal abgesehen davon dass das ein serial-killer-spiel und kein hacker-spiel ist und das "hacking" dem üblichen hollywood-schema entspricht, bieten die missionen erstaunlich viel abwechslung. und für einmal nicht nur die hauptmissionen, sondern auch die unzählig vielen side missions.

sar

PS4-Review: Hacken in San Francisco

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