Street Fighter V (2016)

Street Fighter V (2016)

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PS4-Review: Punch à la asiatischem Strassenfighter

Die Figuren werden detailreich dargestellt.
Die Figuren werden detailreich dargestellt. © Entwickler / Publisher

Sieben Jahre sind seit dem letzten Teil vergangen. Nun präsentiert der japanische Spielehersteller Capcom mit Street Fighter V den Nachfolger und fünften Haupttitel der Serie. Als klassisches Beat'em-up-Spiel steht es für die reinste Form des Prügelspiel-Genres und ist dem alten Spielkonzept selbst nach Jahrzehnten treu geblieben.

Im Vordergrund von verschiedenen und farbig kraftvoll gestalteten Themenwelten treten Figuren mit unterschiedlichen Stärken und Spezialfähigkeiten zum direkten physischen Kampf gegeneinander an. Wer den Lebensenergie-Balken seiner Gegner zuerst auslöscht, gewinnt. Das neu eingeführte Kampfsystem soll dafür sorgen, dass Attacken auf Gegenspieler noch variantenreicher gestaltet werden können. Aber klappt das in der Praxis wirklich gut?

Insgesamt fehlt es an diversifizierten Modi und Spielvarianten. Der Gamer hat praktisch keinen eigenen Gestaltungsraum, um Ideen einzubringen und selbst kreativ zu sein. Der spärliche Inhalt macht sich rasch bemerkbar, und für die zeitgenössische Technologie hinkt der gezeichnete Grafikstil etwas hinterher. Die eingefleischten Fans der Reihe dürften ihren Spass haben, denn Street Fighter V fokussiert ganz auf die Prügeleien. Das ist seine Stärke und wird grundehrlich vermittelt. Street Fighter hat seinen festen Platz im Genre, den es mit dieser Fortsetzung gegen die Konkurrenz behaupten wird. Neue Gamer erreicht Capcom damit aber wohl nicht - zu flach sind die Inhalte und der Umfang. Und es beschleicht einen irgendwie immer wieder das Gefühl, bloss eine Beta-Version zu spielen.

Story

Unberechenbare Spezialfähigkeiten
Unberechenbare Spezialfähigkeiten © Entwickler / Publisher

Vier Kämpfer sind neu dabei: Necalli, F.A.N.G, Laura und Rashid. Total stehen 16 spielbare Charaktere zur freien Auswahl, von denen alle über einen eigenen Story-Modus verfügen. Doch dieser wird jeweils nur während der FZwischensequenzen etwas angekratzt. Für den nachhaltigen Spielspass wären einige Figuren mehr nötig gewesen. Um mehr Sinn ins Spiel hineinzubringen, bietet sich der Online-Modus an, um gegen möglichst viele reale Gegenspieler anzutreten. Immerhin: Die vollständige Kampagne mit mehr Story soll laut den Entwicklern im Juni per Gratis-Update erscheinen.

Gameplay

Das Kampfsystem ist umgänglich und schafft es trotzdem, langfristig herausfordernd zu bleiben. Zusätzlich zu standardisierten Schlägen, Tritten, Würfen und Sprüngen verschiedener Grade gibt es Spezialattacken und Kombos, die aufgebaut werden müssen und bei jedem Charakter einzigartig sind. Dazu wird viel strategisches Geschick verlangt, denn bei blinden Attacken wird der Gegner eingeladen, eiskalt zu kontern. Mit dem Stun Meter kommt ein Feature aus Street Fighter 3 zurück. Diese Leiste füllt sich auf, wenn eine Figur kontinuierlich Schläge kassiert. Bei kompletter Aufladung wird sie betäubt. Das macht die Figuren während Fights besonders angreifbar.

Coole Kampfchoreografie
Coole Kampfchoreografie © Entwickler / Publisher

Neu sind die Schlag-Kombos «V-Skills» und «V-Trigger». Was passiert, wenn sie ausgelöst werden, ist je nach Kämpfer unterschiedlich. Der V-Trigger lässt die Figuren meistens vorübergehend stärker werden. Des Weiteren können bei voller Leiste Spezial-Angriffe mit hohem Zerstörungspotenzial genutzt werden. Technisch ausgereift realisiert, bietet das verbesserte Kampfsystem hervorragende Werkzeuge, spektakuläre Kämpfe zu inszenieren. Unverständlich ist, warum kein Bestrafungskatalog eingebaut wurde, der Rage-Quitter tadeln könnte. Capcom hat zwar angekündigt, dies mit einem Update zu beheben. Trotzdem: In welcher Welt kann ein Kämpfer einfach so abhauen?

Multiplayer

Für neue Spieler von Street Fighter dürften Online-Kämpfe gegen versierte, oft kompetitive Gamer zur Tortur werden. Hier ist Geduld gefragt. Das Spieltempo ist zuweilen hoch. Bei dem horrenden Tempo zählt mehr an­ti­zi­pa­tive Intuition als taktisches Geschick. Gelingt es nicht, Angriffe bereits im Voraus zu erahnen und zu blockieren, verliert man einfach zu häufig. Das ist besonders frustrierend, weil der Multiplayer-Modus im Gegensatz zum Einzelspielermodus noch so etwas wie Abwechslung bietet. Gestandene Street-Fighter-Gamer kommen auf ihre Kosten, Neueinsteiger müssen zumindest anfänglich viel Prügel einstecken können.

Technik

Laaaaanges Bein
Laaaaanges Bein © Entwickler / Publisher

Street Fighter V präsentiert sich in einem comicähnlichen Grafikstil mit Cel-Shading-Effekten. Die gezeichneten 3D-Visualisierungen finden sich in den Darstellungen von Kampfarenen und vereinzelt bei den Ausführungen von Spezial-Moves, während die Kameraperspektive wechselt. Diese Mischung wirkt gelungen, denn einerseits bleibt das Spiel so bei seiner Tradition, andererseits geht es ein Stück mit den technischen Möglichkeiten mit.

Die Kampfchoreografien sind beeindruckend und schön anzusehen. Jedoch schafft man es kaum, Bewegungen bewusst zu fassen. Das ist schade, denn die Figuren bewegen sich absolut flüssig, da gibt es keine schrägen Gesten und kein Ruckeln. Die interaktiven Schauplätze wirken unauffällig und lassen so die detailreichen Protagonisten ins Zentrum rücken. Was ärgerlich sein kann, ist die Tatsache, dass der Gamer ständig mit dem Internet verbunden sein muss, was heute zwar kein Novum mehr ist. Es kann zwischendurch aber auf die Nerven schlagen, wenn die Verbindung kappt. Bei einem Spiel, das sich um Online-Fights dreht, sollte das nicht vorkommen.

/ sar