The Last Guardian (2016)

The Last Guardian (2016)

PS4-Review: Was lange währt...

Good morning Sunshine!
Good morning Sunshine! © Entwickler / Publisher

Es ist da. Es ist tatsächlich fertiggestellt und für den Verkauf freigegeben. Nach einem Jahrzehnt in Entwicklung, nach vielen Gerüchten, wonach The Last Guardian eingestellt wurde, ist das Spiel von Fumito Ueda (ICO, Shadow of the Colossus) endlich erschienen und wir können unsere Reise mit Trico beginnen.

The Last Guardian mag an gewissen Stellen an PS3- oder gar PS2-Zeiten erinnern. Doch bei diesem Spiel geht es nicht um die Auflösung der Texturen oder die Anzahl Bilder, die es pro Sekunde auf den Bildschirm schafft. Es geht hier um das Erlebnis, um die "Experience". Dieses von der Industrie inflationär genutzte Wort wurde an dieser Stelle nicht wahllos verwendet. Beim Spiel von Fumito Ueda geht es eben um viel mehr, als die blosse Summe der Story, des Gameplays und der Technik. Es geht um die Evolution des Mediums. Um die Wirkung von Videospielen. Es geht um Trico. Es geht aber auch um die simple Tatsache, dass ein gräulicher Pixelhaufen dem Spieler ans Herz wachsen und über den Abspann hinaus begleiten kann. Darum dürft ihr euch The Last Guardian nicht entgehen lassen.

Story

Woran ist die Kette befestigt?
Woran ist die Kette befestigt? © Entwickler / Publisher

Die Erzählung aus dem Off gibt der Geschichte einen Rahmen, doch wirklich wichtig ist, was zwischen den Zeilen geschieht. Die Interaktion zwischen Trico und seinem menschlichen Freund gewinnt im Verlauf des Spiels zunehmend an Gewicht und schafft es so, eine emotionale Bindung aufzubauen.

Es ist eine Geschichte über Freundschaft, über Vertrauen und das gemeinsame Überwinden von Schwierigkeiten. Spiele wie The Last Guardian zeigen deutlich, welche emotionale Wirkung das Medium entfalten kann. Im Unterschied zu cineastischen Blockbustern wie The Last of Us erreicht dies Uedas Spiel praktisch ohne Videosequenzen. Hut ab!

Gameplay

Wer ICO oder Shadow of the Colossus kennt, weiss, was er spielerisch grob zu erwarten hat. Wie in den Vorgängern müsst ihr im Verlauf eurer Reise Umgebungsrätsel lösen, klettern und euch vor Feinden in Acht nehmen. Kämpfen könnt ihr diesmal nicht selbst, aber Trico wird euch stets zur Hilfe eilen. Das sind mitunter die zähesten Passagen des Spiels, es hätte durchaus ein paar Gefechte weniger vertragen können.

Gassi gehen mal anders.
Gassi gehen mal anders. © Entwickler / Publisher

Die Idee der Zusammenarbeit gilt auch für die Kletterpassagen, und viele davon lassen sich nur mit Hilfe von Trico lösen. Dabei klettert ihr an ihm hoch. Oben angekommen, könnt ihr eurem Freund krude Anweisungen geben, die er nach realistischem Zögern dann auch befolgt. Trico mutiert jedoch nicht zu einem blossen Befehlsempfänger. Stattdessen gewöhnt ihr euch langsam aneinander. Ihr lernt, dass Trico seinen eigenen Kopf hat und er lernt, euch zu vertrauen.

Die lange Entwicklungszeit zollt jedoch auch ihren Tribut. Die Steuerung erinnert an die Vorgänger auf der Playstation 2: etwas fummelig und ungenau. Schwierigkeiten bereitet ebenfalls die zickige Kamera, die kaum mit dem Spielgeschehen mithalten kann. Die Grösse Tricos verschlimmert das Ganze noch zusätzlich, was zu Frustmomenten führen kann.

Technik

Das Artdesign ist über jeden Zweifel erhaben. Die dahinterliegende Technik dagegen nicht. Das Spiel, ursprünglich für die PS3 angedacht, läuft auch auf der PS4 nicht ganz rund. Das Bild ruckelt an gewissen Stellen merklich, und wenn man zu genau hinsieht, entdeckt man matschige Texturen.

Wo ist das Futter?
Wo ist das Futter? © Entwickler / Publisher

Dies mindert das Erlebnis kaum, doch man ahnt, welche Probleme zur langen Entwicklungszeit führten. Der Fokus des Entwicklers Team ICO lag wohl auf der ausgeklügelten K.I. unseres tierischen Begleiters. Sehr bewundernswert sind beispielsweise Tricos Animationen. So realistisch hat sich eine nichtspielbare Figur noch nie verhalten. Echt beeindruckend!

Alejandro Garcia [ale]

Alejandro schreibt und redigiert im Games-Bereich seit 2009 für OutNow. Sein Einflussbereich ist die Konsole, wo er Militär-Shooter und Racer mit Erfolg vermeidet. Dafür verschlingt er alles, was FromSoftware ihm vorsetzt.

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Trailer: E3 2016 Englisch, 02:02