Firewatch (2016)

Firewatch (2016)

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PS4-Review: The roof, the roof, the roof is on fire.

"1-2-Test-Test"
"1-2-Test-Test" © Entwickler / Publisher

Firewatch ist eines dieser Spiele, die man schon nach dem ersten Trailer, noch Jahre vor der Veröffentlichung, sehnsüchtig erwartet. Die Ingredienzen sind alle da: ein unverbrauchtes Setting, wunderschöne Optik und Dialoge, die sofort für Neugierde und Spannung sorgen. Das Game beschreibt man am besten mit diesem quasi-derogativen Begriff des "Walking Simulators". Ihr steuert eine Figur über die Spielwelt und interagiert in eingeschränkter Weise mit der Umgebung.

Firewatch ist ein kleines Juwel für Fans von interaktivem Storytelling. Über die Spielzeit von drei bis fünf Stunden erlebt ihr die ganze Palette an Emotionen, von Bedrücktheit über Furcht bis zur Euphorie wird auf der Klaviatur der Gefühle gekonnt geklimpert. Zwar kann das Spiel nicht in allen Belangen restlos überzeugen. Eine sekundäre Handlung wird etwas gar antiklimatisch aufgelöst, und eine saubere, flüssige Technik hätte von Beginn weg die Immersion erleichtern müssen. Dennoch ist das Gesamtpaket etwas, das man erlebt haben sollte. Bleibt nur zu hoffen, dass Campo Santo die Ideen für weitere Geschichten nicht ausgehen.

Story

Ein Idyll zum Wandern.
Ein Idyll zum Wandern. © Entwickler / Publisher

Die Abkehr von klassischen Gameplay-Elementen hat zur Folge, dass der Geschichte von Firewatch eine enorme Bedeutung zukommt. Entwickler Campo Santo ist sich dessen durchaus bewusst, auch wenn dies erst in einem zweiten Schritt erkennbar wird. Auf eine aufwändige Inszenierung wird nämlich verzichtet. Animierte Charaktere sind kaum sichtbar, Videosequenzen glänzen ebenfalls durch Abwesenheit. Hier macht sich das eingeschränkte Budget des Spiels bemerkbar.

Doch die vermeintliche Schwäche kommt der Atmosphäre nur zugute. Henry, unser Protagonist, sucht Abstand von den Problemen zuhause und nimmt über den Sommer eine Stelle als Feuerwächter in den Wäldern von Wyoming an. Henrys Flucht und das Gefühl des Alleinseins wird in der einsamen Wildnis des Shoshana-Nationalparks sehr gut vermittelt.

In den ganzen drei Monaten hat Henry nur eine Bezugsperson: seine Vorgesetzte Delilah. Im Verlauf des Sommers entwickelt sich zwischen den beiden eine enge Beziehung, die dank starken Dialogen und der tollen Performance der Sprecher sehr authentisch und lebensnah wirkt. Überhaupt wird die Geschichte bis auf wenige Ausnahmen sehr glaubhaft vermittelt. Dabei bleibt sich die Erzählung jederzeit treu und endet mit einer sehr passenden Auflösung.

Gameplay

Home sweet Home.
Home sweet Home. © Entwickler / Publisher

Als Feuerwächter müsst ihr dafür sorgen, dass der Wald von Feuern verschont wird. Wenn also jemand Feuerwerkskörper in den Himmel schiesst, müsst ihr einschreiten. Mit Kompass und Karte in der Hand findet ihr im weitgehend frei begehbaren Wald euren Weg. Hin und wieder stolpert ihr über Kisten, wo ihr die Karte um Details ergänzen und Hinweise finden könnt.

Wenn euch in der Spielwelt etwas auffällt, habt ihr die Möglichkeit, einen Dialog mit Delilah zu starten. Ihr hebt das Funkgerät und sucht eine von mehreren Dialogoptionen aus, um die Situation zu kommentieren. Dabei erfährt ihr nicht nur mehr über die Spielwelt, sondern festigt und gestaltet aktiv die Beziehung zu Delilah. Ob Henry ein wortkarger Sonderling oder ein charismatischer Kerl mit Humor ist, entscheidet ihr.

Die grösste Schwierigkeit in Firewatch besteht darin, sich im Wald nicht zu verirren. Davon abgesehen ist es kein Spiel, das euch eine grosse Herausforderung meistern lässt. Stattdessen erlebt und gestaltet ihr im Wesentlichen die Geschichte um Henry.

Technik

Romantik pur!
Romantik pur! © Entwickler / Publisher

Die emotionale Geschichte wird durch die wunderschöne Gestaltung des Shoshana-Nationalparks unterstützt. Die Spielwelt hält sich mit Details zurück, wodurch die Grafik eine Art Comic-Look bekommt, der der Atmosphäre enorm zugute kommt.

Leider schien die Technik zum Start nicht ganz sonderlich poliert zu sein, denn das Spiel hatte mit vielen Rucklern und einer tiefen Bildrate zu kämpfen, die einen immer wieder aus der Immersion rissen. Inzwischen kam ein Patch heraus, der die Spielerfahrung stark verbessert.

Alejandro Garcia [ale]

Alejandro schreibt und redigiert im Games-Bereich seit 2009 für OutNow. Sein Einflussbereich ist die Konsole, wo er Militär-Shooter und Racer mit Erfolg vermeidet. Dafür verschlingt er alles, was FromSoftware ihm vorsetzt.

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