Dishonored 2 (2016)

Dishonored 2 (2016)

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PS4-Review: Traut keiner Tante

Der Smog in Karnaca ist zu stark
Der Smog in Karnaca ist zu stark © Entwickler / Publisher

15 Jahre nach den Ereignissen in Dishonored regiert Emily Kaldwin als junge Kaiserin. Corvo Attano, Schutzherr und Vater Emilys, steht ihr dabei zur Seite. Als eine Serie von Morden die politischen Gegner des Regimes trifft, kippt die Stimmung des Volkes gegen Emily, sieht es doch darin einen Versuch der Regierung, ihre Macht auf illegitime Weise zu sichern. Die Gunst der Stunde weiss eine Frau namens Delilah zu nutzen. Unter dem Vorwand, sie sei Emilys Tante, erhebt Delilah Anspruch auf den Thron und führt einen Staatsstreich durch.

Hier teilt sich die Zeitlinie: Entscheidet ihr euch, mit Emily zu spielen, wird Corvo eingefroren und ihr werdet eingesperrt. Entscheidet ihr euch für Corvo, passiert genau das Umgekehrte. Egal wen ihr wählt, nun beginnt die Suche nach dem wahren Mörder. Er ist der erste Schritt zur Aufdeckung der Verschwörung und zur Rückeroberung des Throns.

Wer mit Dishonored nicht warm wurde, wird es auch mit Dishonored 2 nicht werden. Der Folgetitel beschreitet dieselben Pfade wie der Vorgänger, wobei die meisten Änderungen inkrementeller Natur sind. Es erweitert die spielerischen Aspekte um neue Möglichkeiten und ein flüssigeres Gameplay und perfektioniert das World-building mit einem riesigen Fundus an Informationen, einem bestechenden Art-Design und gut durchdachten Levels. Dadurch wird Dishonored 2 zum rundum besseren Spiel und für Fans des Erstlings, von Schleichspielen oder von guten Spielen im Allgemeinen ein Pflichtkauf.

Story

Sieht gar nicht so zornig aus
Sieht gar nicht so zornig aus © Entwickler / Publisher

Wenngleich die übergeordnete Erzählung keine Bäume ausreisst, glänzt die Kampagne von Dishonored 2 dank ihrem exzellenten World-building und der Atmosphäre. Die Charaktere werden sehr gut gezeichnet, weg von den traditionellen Schablonen von Gut und Böse. Es ist diese moralische Ambiguität, die der Geschichte Tiefe verleiht.

Wie rücksichtslos die Protagonisten vorgehen, entscheidet ihr selbst und trägt so dazu bei, das Grundthema der Story zu bestimmen. Sichert ihr euch die Macht um jeden Preis und geht dabei über Leichen? Oder ist euer moralischer Anspruch auch im Angesicht eurer Feinde höher zu werten? Wie viel Blut euer Rachefeldzug hinterlässt, verleiht der Geschichte nicht bloss weitere Schichten, sondern verändert gleichzeitig visuell und erzählerisch die Welt von Karnaca und ihren Bewohnern.

Gameplay

Das mechanische Grundgerüst des Vorgängers bleibt auch in Dishonored 2 zu grossen Teilen unangetastet. Ihr bestimmt selbst, ob ihr schleichend oder metzelnd vorangehen wollt. Besonders spannend ist die Tatsache, dass auch Graubereiche möglich sind und ihr vom Spiel und seinen Belohnungen nicht in das eine oder andere Extrem gezwungen werdet. Es wird aber auch von euch verlangt, dass ihr eure Upgrades mit Bedacht auswählt. Wer einen Schleichansatz wählt, verzichtet also lieber auf Verbesserungen für Pistole oder Explosivbolzen.

Karnaca - mein Urlaubsziel?
Karnaca - mein Urlaubsziel? © Entwickler / Publisher

Dasselbe gilt auch für die freischaltbaren Kräfte. So favorisieren der Windstoss oder der Rattenschwarm eine aggressive, chaotische Vorgehensweise, während die Zeitlupen- oder die Teleportationsmechanik ein leises Vorgehen ermöglichen. Hiermit wurden auch schon die neuen Kräfte in Dishonored 2 genannt. Dazu gesellt sich der Schattengang, mit dem ihr euch aus dem Schatten heraus bewegen und später sogar durch Rattentunnel schleichen könnt.

Die grossartige Spielbarkeit von Dishonored 2 entfaltet sich erst richtig dank des grandiosen Level-Designs. Leider wurden die zwei besten Levels in den Previews gespoilert. Das tut der Faszination jedoch keinen Abbruch. Im Vergleich dazu wirken die anderen Bereiche nicht ganz so inspiriert, deren Qualität sinkt jedoch nie unter ein "sehr gut". Sehr stark ist ausserdem der Umstand, dass euer Verhalten Auswirkungen auf die Spielwelt und die NPCs haben. Da unterhalten sich Wachen über eure (Un-) Taten, oder die Spielwelt wird zunehmend düsterer, je mehr Morde ihr begeht.

Technik

Die Gym-Stunden zahlen sich aus
Die Gym-Stunden zahlen sich aus © Entwickler / Publisher

Dishonored 2 punktet hinsichtlich Art- und Level-Design auf der ganzen Linie. Nicht ganz so stark ist das technische Fundament des Spiels. Das betrifft Texturen, Animationen oder auch die Bildrate, die aufgrund der gebotenen Grafik nun wirklich nicht so instabil sein dürfte. Inzwischen hat Entwickler Arkane mit Patches nachgeholfen, und diese Einbrüche sind deutlich seltener geworden.

Was den hörbaren Aspekt angeht, kann man dem Game kaum etwas vorwerfen. Viele NPCs werden dank den Unterhaltungen, die sie miteinander führen, erst wirklich zum Leben erweckt. Vielleicht hätten wir uns ein paar Dialogzeilen mehr und damit ein paar Wiederholungen weniger gewünscht. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau.

Alejandro Garcia [ale]

Alejandro schreibt und redigiert im Games-Bereich seit 2009 für OutNow. Sein Einflussbereich ist die Konsole, wo er Militär-Shooter und Racer mit Erfolg vermeidet. Dafür verschlingt er alles, was FromSoftware ihm vorsetzt.

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