Wolfenstein: The Old Blood (2015)

Wolfenstein: The Old Blood (2015)

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Xbox One-Review: Darf's ein bisschen mehr sein?

Schau nicht zurück!
Schau nicht zurück! © Entwickler / Publisher

MachineGames hat mit Wolfenstein: The New Order eine verstaubte, alte Franchise ausgebuddelt und auf Vordermann gebracht. Der Standalone-DLC The Old Blood dient einerseits den Fans der Originale der frühen Achtziger und andererseits denen, die vom Vollpreistitel nicht genug bekommen konnten. Angesetzt vor den Ereignissen von The New Order, erstrahlt die Geschichte um Castle Wolfenstein in neuem Glanz.

B.J. Blazkowicz wird nach Deutschland geschickt, um die Burg Wolfenstein zu infiltrieren und den Nazis ein Dokument zu klauen. Dieses soll verraten, wo sich General Deathshead versteckt. Dabei meuchelt und ballert sich "Blazko" durch Unmengen von Nazis in alten Burgruinen, einer heruntergekommenen Stadt und unter der Erde.

Wolfenstein: The Old Blood ist eine würdige Erweiterung und biete etwas mehr für alle, die von The New Order nicht genug kriegen konnten. Das Gunplay ist einmal mehr Weltklasse, die Visuals sind wunderschön und die akustische Untermalung stimmt ebenfalls. Leider gilt dies nicht für den Plot, welcher schwach, gar belanglos daherkommt. Zudem schwächelt das Leveldesign im Gegensatz zum grossen Bruder. Alles in allem aber dennoch ein sehr gelungener DLC, der seinen Preis durchaus wert ist.

Story

Das kleine, idyllische Dörfchen Paderborn...
Das kleine, idyllische Dörfchen Paderborn... © Entwickler / Publisher

Bereits die Geschichte in The New Order war nicht das Gelbe vom Ei, The Old Blood macht dies nicht besser. Der Bösewicht Helga von Schaab wird nie richtig eingeführt, die Charaktere sind austauschbar und der Schlusskampf ist wenig inspiriert. Der Plot plätschert so gemütlich vor sich hin und kann nicht überzeugen. Eine schöne Sidestory eines deutschen Mädchens und seines Retters wird gut angefangen, daraus wird aber auch nichts gemacht. Schade.

Gameplay

Während die Handlung nicht überzeugen kann, kann dies das Gameplay allemal. Das Handling der Waffen ist einmal mehr eine wahre Freude. Das Arsenal unterscheidet sich nur leicht von The New Order, so fehlt beispielsweise das Dual-Wielding mit dem Sniperersatz oder die Laserpistole. Dafür gibt's eine nette Ergänzung mit der abgesagten Schrotflinte. Ansonsten ist dem Spieler immer noch die Wahl gelassen, ob er ein Gebiet mit zwei Schrotflinten oder aber mit dem (Wurf-)Messer säubern will.

Zom... Zombies...?
Zom... Zombies...? © Entwickler / Publisher

Das Leveldesign hält aber nicht mit dem des grossen Bruders mit. Praktisch alle Abschnitte sind linearer und nur mit wenigen Alternativwegen ausgestattet. Es werden zwar einige Stealth-Elemente neu eingebaut - so kann man an Schienen stampfende Riesenroboter einfach ausschalten, anstatt sie niederzuschiessen -, allerdings ist es unter dem Strich kniffliger, ein Gebiet zu beenden, ohne entdeckt zu werden. Einem Kommandanten aus der Distanz ein Wurfmesser in den Rücken zu schmettern, hat seinen Reiz aber bestimmt nicht verloren. Nach knapp drei Vierteln des Spiels nimmt es eine interessante Wendung und das Stealth-Gameplay entfällt praktisch komplett.

Die Kampagne allgemein zieht sich über gute acht Stunden. Wem das nicht reicht, der kann sich der Challenges annehmen. Diese werden beim Durchspielen der Kampagne freigespielt. Es handelt sich dabei um kleine Gebiete aus der Story, die es zu säubern gilt. Dabei kriegt man für jeden Kill, Headshot etc. Punkte und am Ende Medaillen. Die kurzweiligen Challenges sind eine nette Erweiterung und mit höherem Schwierigkeitsgrad richtig fordernd und motivierend.

Technik

Und ZACK, ins Gesicht!
Und ZACK, ins Gesicht! © Entwickler / Publisher

Die Id Tech 5 hat noch nicht ausgedient. Nach dem Vollpreis-Wolfenstein und The Evil Within verwendet auch The Old Blood die kraftvolle Engine von Id, und diese kann nur so glänzen. Während einige Texturen bei ganz nahem Betrachten etwas vermatschen, sind die Waffen gestochen scharf und die Umgebungen atemberaubend. Ob nun Castle Wolfenstein oder die verlassene Stadt Wulfburg (Wolfsburg?) - das Spiel sieht toll aus. Nach dem Atmosphärenwechsel kommt regelrechte Weltuntergangsstimmung auf.

Auch der Sound kann überzeugen. Die Knarren peitschen durch die Gänge der Burg und der Soundtrack ist wahnsinnig stimmig. Ebenfalls sehr lobenswert ist das Deutsch, das verwendet wird. Alle Plakate und Dialoge der Nazis sind in einwandfreier deutscher Sprache. Wer genau hinhört, kann sogar einen waschechten Grammar-Nazi erkennen, der seinem Kollegen den Unterschied zwischen legen und liegen erklärt.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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