Metal Gear Solid V: The Phantom Pain (2015)

Metal Gear Solid V: The Phantom Pain (2015)

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PS4-Review: Eine Träne konnte ich nicht unterdrücken

Kept you wating, huh?
Kept you wating, huh? © Entwickler / Publisher

The Phantom Pain ist wohl das letzte "echte" Metal Gear, das letzte jedenfalls, an dem Hideo Kojima beteiligt sein wird. Nach dem Eklat zwischen dem Autor und seinem Brötchengeber Konami Anfang Jahr trennen sich die Wege beider Parteien, und die Marke "Metal Gear" bleibt beim japanischen Publisher. Bevor aber alles zu Ende geht, gibt sich Kojima mit Metal Gear Solid V (MGSV) die letzte Ehre.

Big Boss erwacht neun Jahre nach den Geschehnissen in Ground Zeroes in einem zypriotischen Spital aus dem Koma. Seinen linken Arm hat er verloren, gehen kann er kaum, und von Kazuhira Miller, seinem treuen Mitstreiter, ist weit und breit keine Spur. Doch das alles spielt erst einmal keine Rolle. Eine schwerbewaffnete feindliche Einsatztruppe greift das Spital an. Ihr Ziel: Venom Snake a.k.a. Big Boss.

Da ist es nun, das letzte Metal Gear von Hideo Kojima. Ohne Zweifel handelt es sich um den spielerisch besten Teil der Reihe. Metal Gear Solid V: The Phantom Pain ist ein beeindruckendes Spiel, dessen wenige Macken jedoch deutlich sichtbar sind. In Sachen Gameplay ist es das beste Schleichspiel aller Zeiten, doch die Geschichte von Big Boss hätte ein paar Feinschliffe mehr vertragen können.

Story

My buddy!
My buddy! © Entwickler / Publisher

Storytechnisch lässt das Spiel leider etwas zu wünschen übrig. Die Regiefähigkeiten von Hideo Kojima werden durch das Open-World-Setting stark eingegrenzt, wodurch ihr wichtige Erzähldetails über Tapes in einem Menü hören müsst. Zudem hinterlässt die Geschichte einen unfertigen Eindruck, da es die letzte Mission nicht ins Spiel schaffte.

Nach dem starken, intensiven Prolog verliert die Story etwas an Fahrt. Kojima hat sich die Kritik zu den überlangen Videosequenzen in Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots zu Herzen genommen und hält sich als Regisseur stark zurück. Stattdessen wird vermehrt auf die Audiokassetten von Peace Walker gesetzt, wodurch ein Grossteil der Geschichte und Charakterentwicklung in den Menüs versteckt ist. Das kann man in einem PSP-Spiel wohl noch durchgehen lassen, weniger jedoch in einer Triple-A-Produktion der Grösse eines MGSV.

Besonders schmerzlich ist, dass die Story einen schlechten Abschluss erfährt. Für die letzte Mission und Auflösung der Geschichte blieb wohl keine Zeit mehr, wodurch das Spiel einen unfertigen Eindruck hinterlässt. Interessierte Spieler müssen somit auf eine DVD in der Special Edition des Spiels zurückgreifen, um das "richtige" Ende zu sehen.

Gameplay

Der Strand befinde sich unweit vom Hotel...
Der Strand befinde sich unweit vom Hotel... © Entwickler / Publisher

Euch sind keine Grenzen gesetzt, wie ihr eine Mission angehen wollt. Sprecht mit Freunden, und ihr werdet sehen, dass jeder die Kampagne anders erlebt hat. Kojima gibt euch alle nötigen Werkzeuge, damit ihr euch euren Spielstil selbst gestalten könnt. Unterstützt wird das Ganze von der Motherbase-Integration, wo ihr das benötigte Equipment entwickeln könnt.

Während The Phantom Pain erzähltechnisch nicht der stärkste Teil der Reihe ist, kann es sich spielerisch mehr als nur sehen lassen. Dank dem Wechsel von linearen, durchdesignten Levels hin zu grossen, offenen Arealen bietet MGSV eine nie dagewesene Menge an Möglichkeiten, um an eine Mission heranzugehen. Neben der Einsatzzeit, die unter anderem die Anzahl Gegner am Einsatzort verändert, könnt ihr Buddies mitnehmen. Dabei handelt es sich um tierische oder menschliche Begleiter, die euch während der Mission auf verschiedenste Weise unterstützen können.

Besonders hervorzuheben ist, wie die gesamte Spielwelt verbunden ist und auf Aktionen des Spielers reagiert. Habt ihr zum Beispiel beim Schleichen Ressourcen mitgehen lassen, können das feindliche Soldaten bemerken und in eine höhere Aufmerksamkeitsstufe geraten. Wenn ihr dagegen zu denen gehört, die mit Kopfschüssen aus der Betäubungspistole Gegner regelmässig schlafen legt, spricht sich das herum und sie fangen an Helme zu tragen.

...immerhin hat sie einen Bikini an.
...immerhin hat sie einen Bikini an. © Entwickler / Publisher

Aus Peace Walker ist zudem die Fulton-Mechanik bekannt. Hierbei könnt ihr (nach Upgrades) so ziemlich alles (ja, auch Panzer!) zur Motherbase fliegen. Ebenso könnt ihr durch das gezielte Rekrutieren von fähigen Soldaten ausgefeiltes Equipment entwickeln. Die Motherbase stellt somit euer Hauptquartier dar, das ihr nach Belieben ausbauen und unterhalten könnt. Hier trefft ihr auch die rekrutierten Soldaten auf und erhöht ihre Moral, indem ihr sie mit eurer Präsenz beglückt.

Neben 50 Story-Missionen könnt noch weitere 150 Nebenaufträge erfüllen, die euch fähiges Personal oder wichtige Ressourcen bringen. Zwar sind diese Aufträge eher klein und wenig abwechslungsreich, doch sie eignen sich perfekt, um die neue Ausrüstung und andere Einsatzmethoden auszuprobieren.

Multiplayer

Der Multiplayer besteht aus einem asynchronen Modus, in dem ihr Kopien der Motherbase aus der Kampagne erstellt, diese aufrüstet und vor Invasionen anderer Spieler schützt. Diese kommen, um Ressourcen für ihre eigene Motherbase zu stehlen. Dasselbe könnt ihr ebenfalls tun.

Der Modus ist etwas sperrig und unnötig kompliziert. Mehr als ein netter Zusatz ist er nicht. Zudem ist der Online-Teil mit Mikrotransaktionen verseucht, die in einem Vollpreisspiel nun wirklich nichts zu suchen haben. Zu allem Übel funktionieren auch die Menüs im Spiel flüssiger, wenn ihr die Online-Anbindung des Spiels völlig kappt.

Technik

Mordor ist ein dunkler Ort!
Mordor ist ein dunkler Ort! © Entwickler / Publisher

Man sieht es sofort: Die Fox Engine wurde eigens für dieses Spiel entwickelt. MGSV gehört zum grafisch Besten, was ihr in dieser Konsolengeneration sehen werdet. Auflösung der Texturen, Detailreichtum, Lichteffekte - alles wunderschön anzusehen bei einer absolut flüssigen Bildrate. Das Artdesign gefällt ebenfalls, allerdings werden die Gebiete aufgrund der geringen Abwechslung schnell langweilig. Besonders Afghanistan, das nur wenige erinnerungswürdige Orte bietet, verleidet euch bald.

Das Audiodesign ist einmal mehr über jeden Zweifel erhaben. Snakes neuer Sprecher, Kiefer Sutherland (24), gibt zwar wenig von sich, doch die anderen Stimmen erfüllen einen tollen Job, und die Musikuntermalung ist einmal mehr sehr gut gelungen.

Alejandro Garcia [ale]

Alejandro schreibt und redigiert im Games-Bereich seit 2009 für OutNow. Sein Einflussbereich ist die Konsole, wo er Militär-Shooter und Racer mit Erfolg vermeidet. Dafür verschlingt er alles, was FromSoftware ihm vorsetzt.

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Kommentare Total: 3

db

Metal Gear Solid V: The Phantom Pain hat die besten Momente im Spiel in der ersten Stunde, wo man sich durch das sehr stark gescriptete Intro spielen muss, in dem man aus dem Spital ausbricht. Eindrücklich inszenierte Bilder, viele WTF Momente und sehr intensives gameplay. Was danach kommt ist weit von dieser intensität entfernt und nur punktell kommt es annähernd nochmals an die ersten Eindrücke heran.

Das problem an Metal Gear Solid V ist, dass das Spiel so wirkt, als ob es eine schwere Geburt gewesen ist. Die letzte Mission im Spiel fehlt und wird auf DVD nachgereicht - WTF - die offene Welt ist eine tragische und langweilige Einöde welche mehr an das nervende FarCry 2 erinnert als an Witcher 3 und 90% der Missionen haben den genau gleichen ablauf. Hineinschleichen- Buddy scouten lassen - paar Wachen schlafen legen und irgend etwas extrahieren. Dies wird nach kürzester Zeit derart repetiv und öde, dass man sich nur mit mühe voranquält. Zudem trifft man zwischendurch auf gamebreaker, weil man irgend einen Spezialisten benötigt um ein Teil zu erforschen und dann muss man sich informieren, wo man diese Nase herkriegt. Wenigstens kann man die Mission nochmals machen, aber ohne Google geht da wenig.

Storymässig ist sehr viel auf Kassetten vergraben, welche man dann anhören muss - das ganze wirkt äusserst aufgesetzt und hätte lieber in das Gameplay eingegliedert werden sollen anstatt es in einem Menü zu vergraben. Tudem wirkt das ganze äusserst dünn, selbst wenn sie mit dem Paranormalen etwas Pepp drin haben, die meisten Missionen bleiben das generische search and rescue welche man von den Special Forces kennt.

Die Schleich-Missionen werden ergänzt mit Basisbau, einem riesigen Forschungsbaum und einem detailierten Buddy system. Damit kann man sehr viel Zeit verbringen und noch mehr Zeit damit, die Crew und die benötigten Ressourcen zusammen zu suchen. Das Resultat ist eine riesige Basis, welche jedoch nichts bringt. die Fenster bleiben blind und selbst mit einer gemaxten Motherbase nimmt man immer noch eine Dusche in einem Toi-Toi Häuschen. IMO hätten sie das lieber kleiner gestaltet, dafür persönlicher. Zudem fehlt eine wirkliche Character-Progression. Snake kriegt zwar neue Spielzeuge und Rüstungen, doch am gameplay an sich änderet sich kaum was.

Fazit: Metal Gear Solid V it Open-World in der schlimmsten Sorte. Leere Welt die sich nur zu erkunden lohnt, weil an jeder Ecke Ressourcen rumstehen, aber ansonsten ist sie absolut generisch und langweilig. 90% der Aufträge laufen nach dem gleichen Schema ab und werden sehr schnell öde und selbst die Story ist nicht sauber fertig erzählt. Deshalb wohl eher etwas für die Fans der Serie, abe ansonsten gibt es interessantere alternativen.

Master_Mac

"...doch die Geschichte von Big Boss hätte ein paar Feinschliffe mehr vertragen können." ? - Poh das ist ja noch stark untertrieben!

Die Geschichte ist eine absolute Frechheit, das letzte Puzzleteil fügt sich nun einfach nicht richtig ein. Jeder Fan hätte mit etwas Fantasie eine bessere Geschichte erzählt als das hier gebotene... somit zerfällt die ganze Geschichte, welche in den 4 Vorgängern so sorgfälltig aufgebaut wurde, in eine lächerliche und sinnfreie 0815-Geschichte ein. Da wurde so viel Potenzial ungenutzt.
Ok, sind wir ehrlich: Im vierten Teil gab es schon Szenen bei denen man sich um die Glaubwürdigkeit der Geschichte hinterfragen musste - zu viele Twists - Ob das am Schluss noch aufgeht? Jetzt die Gewissheit - Leider NEIN.
Ohne Spoilern zu wollen: Der brennende Wal ist im Rückblick das beste und sinnbildlichsten an der ganzen MGS5-Geschichte.

Abgesehen davon ist es ist ein tolles, neuzeitliches Spiel geworden und macht nach x-Stunden immernoch saumässig Bock. Der bittere und enttäuschte Beigeschmack bleibt aber.
Mainstream lässt Grüssen.

ale

PS4-Review: Eine Träne konnte ich nicht unterdrücken

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Gameplay: GC 2014 Englisch, 02:18