Fallout 4 (2015)

Fallout 4 (2015)

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PS4-Review: Der PS4-Patch steht Fallout 3 ganz gut!

In Erinnerung an Michel, Franklin und Trevor.
In Erinnerung an Michel, Franklin und Trevor. © Entwickler / Publisher

Was war das für eine Ankündigung! Klar, die Gerüchteküche brodelte schon lange, doch die Entwickler der legendären Fallout-Serie hielten dicht. Letzten Juni war es dann soweit und Bethesda liess die Katze aus dem Sack: Fallout 4 gibt es wirklich und soll sogar noch vor Jahresende auf den Markt kommen. Jetzt ist es da, und der Hype der Fans kennt keine Grenzen.

Gerade noch vor der Explosion können wir uns in die Vault 111 retten. Da die Welt für lange Zeit unbewohnbar sein wird, werden wir in einen Kälteschlaf versetzt. Wir erwachen 200 Jahre später, nur um zu sehen, wie unser Sohn entführt und unsere bessere Hälfte getötet wird. Sofort machen wir uns auf den Weg, um Shaun zu suchen. Rache ist süss, heisst es doch?

Auf der Basis von Fallout 3 konnte Fallout 4 nur ein gutes Spiel werden. Und das ist es auch! Die riesige Spielwelt um das postapokalyptische Boston lädt zum Erkunden ein, bietet eine grosse Menge an Quests, viele kleine, persönliche Geschichten und intensive Kämpfe. Bethesda hat genau erkannt, wo die Stärken der Reihe liegen, wer der eigentliche Protagonist ist: die Spielwelt. Ansonsten ist das Spiel sehr kontinuistisch. Der Siedlungsbau reicht nicht aus, um der routinierten Erkundung einen besonderen Twist zu verleihen. Das geht sogar so weit, dass die Spielinstallation wie zu PS3-Zeiten im Spiel selbst und nicht im Konsolenmenü stattfindet. Das wirft ein fades Licht auf das Game, und es drängt sich die unangenehme Frage auf, wie viele Elemente unverändert aus den Vorgängern übernommen wurden. Bethesda hat es sich etwas zu einfach gemacht.

Story

Türblocker: Jetzt auch in Hundeform.
Türblocker: Jetzt auch in Hundeform. © Entwickler / Publisher

Die Geschichte der Hauptquest tut ihr Nötiges, um die Spielwelt einzuführen und das Setting zu geben. Darüber hinaus sind jene Geschichten, die der Spieler selbst schreibt, viel wichtiger und eindrücklicher. Vielmehr nährt das Spiel euren Entdeckungsdrang, und auf diesem Weg erlebt ihr viele kleine, dafür umso persönlichere Geschichten.

Das ist genau die Stärke eines Fallout. Trotzdem darf Bethesda in Zukunft in erzählerischer Hinsicht gerne einen Zacken zulegen. Die Geschichten waren in der Vergangenheit auch schon interessanter, und insbesondere in New Vegas war der serientypische, bissige Humor viel präsenter.

Gameplay

Postapokalypse: Nicht mehr so depressiv.
Postapokalypse: Nicht mehr so depressiv. © Entwickler / Publisher

Spielerisch beschreitet Bethesda bekannte Pfade. Kein Wunder, boten doch die beiden Titel der letzten Generation bereits eine ausgezeichnete Grundlage. Dennoch hätte man sich mehr Mut zu Neuem gewünscht. Die Möglichkeit, Siedlungen zu bauen, geht in die richtige Richtung. Allerdings wird das Spielelement von veralteten Mechaniken unterwandert.

Beispielsweise kommt nun dem Sammelwahn eine völlig neue Bedeutung zu. Nichts ist mehr wertlos, alles kann man gebrauchen. Dadurch sieht man sich genötigt, alle Items ins Inventar zu nehmen. So kommt ihr sehr rasch an die Grenzen eures Tragegewichts und müsst immer wieder zurück zur Siedlung, um die Items abzulegen. Wem das zu blöd ist, der kann den Siedlungsbau auch links liegen lassen. Das Spielelement ist vollständig optional.

Hier endet alles. Hier beginnt das Abenteuer.
Hier endet alles. Hier beginnt das Abenteuer. © Entwickler / Publisher

Wesentlich verbessert wurde die Schussmechanik. Auch in Fallout 4 könnt ihr weiterhin das V.A.T.S.-System nutzen, um gezielt Körperteile anzuvisieren. Allerdings ist das nun nicht mehr das einzig brauchbare Kampfsystem. Das Zielen über Kimme und Korn fühlt sich jetzt viel besser an als noch in Fallout 3 oder New Vegas. Dadurch sind die Kämpfe umso dynamischer, allerdings verwässern so auch die Grenzen zwischen Rollenspiel und Shooter.

Apropos Rollenspiel: Bethesda hat das Level- und Perk-System vollständig aufgeräumt. Puristen werden wohl die freie Punkteverteilung auf einzelne Mechaniken vermissen, doch das neue System ist vollkommen durchdacht und bietet immer noch viele Freiheiten in der Entwicklung eures Charakters. Basis stellt das allseits bekannte S.P.E.C.I.A.L.-System dar. Die Punkte des Levelaufstiegs könnt ihr auf die einzelnen Attribute verteilen - oder aber ihr investiert sie in die entsprechenden Perks und levelt diese auf.

Technik

Wirklich, das ist kein Journalist!
Wirklich, das ist kein Journalist! © Entwickler / Publisher

Man ist sich ja schon gewohnt, dass die Spiele von Bethesda nie vollständig fehlerfrei erscheinen. Trotzdem lässt der technische Eindruck von Fallout 4 einen ernüchternden Eindruck zurück. Besonders schwerwiegend ist die Tatsache, dass in Innenräumen die Bildrate immer wieder in die Knie geht. So bringt auch die verbesserten Schussmechanik nichts. Von Bugs, die den Spielstand zerstören, ganz zu schweigen!

Abgesehen von den technischen Schwierigkeiten - Fallout 4 bleibt jederzeit spielbar - ist die Gestaltung der Spielwelt ausserordentlich gut gelungen. Der Grossraum Boston mag nicht die bekannten Sehenswürdigkeiten eines Washington DC oder New Vegas haben, kann aber auch so einige denkwürdige Schauplätze bieten.

Musikalisch bekommt ihr immer wieder süffisante Klänge im Stil der Fünfzigerjahre auf die Ohren. Zum ersten Mal in der Serie ist auch der Hauptdarsteller vertont. Der Sprecher macht einen ordentlichen Job, kann aber die Schwächen der Story nicht ausbügeln.

Alejandro Garcia [ale]

Alejandro schreibt und redigiert im Games-Bereich seit 2009 für OutNow. Sein Einflussbereich ist die Konsole, wo er Militär-Shooter und Racer mit Erfolg vermeidet. Dafür verschlingt er alles, was FromSoftware ihm vorsetzt.

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Teaser Englisch, 03:03