Tomb Raider (2013)

Tomb Raider (2013)

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PS4-Review: Next-Gen-Haar

Huiii, ist das lustig!
Huiii, ist das lustig! © Entwickler / Publisher

Der wohl berühmteste weibliche Gamecharakter ist zurück. Nach einer längeren Pause haben die Entwickler von Crystal Dynamics mit Publisher Square Enix ein Reboot-Projekt der Action-Adventure-Serie in Angriff genommen. Seit 1996 sind neun verschiedene Spiele von Tomb Raider veröffentlicht worden, wovon sich weltweit über 35 Millionen Kopien verkauft haben. Da sind die Erwartungen an ein solches Spiel natürlich schon ziemlich hoch. Anders als bei den letzten Spielen geht die Geschichte von Lara nicht weiter, sondern die Macher erzählen uns die Anfänge der Archäologin.

Die erst 21-jährige Lara Croft brennt nach ihrem Studium darauf, ihr erstes Abenteuer zu erleben. Sie schliesst sich einem Team verschiedener Personen an, um nach einem sagenumwobenen Königreich in der japanischen See zu suchen. Mit ihrem Schiff verschlägt es die Crew in das sogenannte Drachen-Dreieck im Nordpazifik. Ein heftiger Sturm bricht ihr Schiff und das Team auseinander. Lara findet sich auf einer scheinbar abgelegenen Insel wieder. Als sie versucht zu ihrem Team zu gelangen, wird sie bewusstlos geschlagen und erwacht gefesselt in einer Höhle. Es liegt nun an ihr selbst, sich aus dieser verzwickten Lage zu befreien.

Laras Neustart darf man als gelungen bezeichnen. Zumindest stimmt die angeschlagene Richtung hin zu einem verstärkt cineastischen Erlebnis und einer höheren Gewichtung von Emotionen und Story. Zukünftig muss hier nur noch eine Feinabstimmung vorgenommen werden, um glaubwürdiger zu wirken. Fraglicher erscheint dagegen die Bevorzugung von Schussgefechten gegenüber der Exploration, welche die Reihe einst gross machte. Ihr könnt zwar weiterhin eine Auszeit nehmen, um Gräber zu erforschen und Artefakte zu suchen. Allerdings hetzt euch das Storytelling ständig von einem Ort zum anderen, weshalb das unnatürlich wirkt.

Die Kritik erfolgt jedoch auf hohem Niveau und soll euch nicht davon abhalten, das Abenteuer zu geniessen. Tatsache ist, dass Tomb Raider einen hohen Produktionswert aufweist, und die abwechslungsreichen, kurzweiligen Gefechte spielen sich ausserordentlich flott. Wer das Spiel auf der Last Gen verpasste, darf hier ungeniert zugreifen.

Story

Ist das ein Flachmann?
Ist das ein Flachmann? © Entwickler / Publisher

Die Geschichte von Tomb Raider auf PS4 ist unverändert zu jener der Last Gen. Auch in höherer Auflösung gefällt der Reboot von Lara Croft. Wir erleben eine Protagonistin, die sich vom Sexsymbol der Neunzigerjahre distanziert und weitaus menschlicher wird. Allerdings wäre weniger mehr gewesen, denn viele Emotionen wirken aufgesetzt und betont dramatisch. Es hilft ausserdem nicht, dass Laras Freunde aus Schablonencharakteren bestehen, deren Persönlichkeit eindimensionaler nicht sein könnte. Als Startpunkt für eine Neuausrichtung der Serie ist die Story aber ganz ordentlich.

Gameplay

Unchar... pardon, Tomb Raider bietet eine Mischung aus Platforming-, Explorations- und Ballerelementen, wobei letzteres deutlich höher gewichtet wurde. Dadurch muss zwangsläufig der Vergleich zur Uncharted-Reihe bemüht werden, was nicht unbedingt negativ zu verstehen ist. Auch in Tomb Raider schiesst sich der Protagonist kinoreif durch die Gegnermassen. Allerdings hebt sich das Spiel dank dem Crafting-Sytem und der abwechslungsreicheren Spielmechanik von Nathan Drakes Abenteuern angenehm ab.

Muss ich wirklich da hinauf?
Muss ich wirklich da hinauf? © Entwickler / Publisher

Besonders der Bogen weiss zu gefallen. Wenn ihr euch still und heimlich an eure Opfer heranpirscht und durch einen gezielten Schuss auf eine Öllampe ein Feuerregen auf die Bösewichte fallen lasst, fühlt ihr euch recht clever. Die brutalen Finisher mit der Hacke wollen aber nicht so recht ins Bild einer zerbrechlichen Lara passen. Ob eine wohlbehütete Zwanzigjährige zu so etwas fähig ist?

Schade ist auch, dass die namensgebenden Elemente der Reihe in den Hintergrund treten mussten. Zwar könnt ihr auch im neuesten Tomb Raider Gräber ausräuchern, allerdings sind sie nicht mehr integraler Bestandteil der Geschichte. Generell verkommt die Exploration zum mühsamen Arbeit. Überall finden sich GPS-Teile oder mystische Artefakte wie Ramsch auf der Insel verteilt. Das Gefühl, etwas wirklich Seltenes und Wertvolles gefunden zu haben, stellt sich somit nie ein.

Multiplayer

Yaaaaaay!
Yaaaaaay! © Entwickler / Publisher

Der obligate Mehrspielerpart ist auch in der Next-Gen-Version vorhanden, bleibt aber so belanglos wie auf der Xbox 360. Zur Verfügung habt ihr die üblichen Modi wie Deathmatch und Capture the Flag. Mit den gewonnen Punkten könnt ihr eure Figur verbessern und Vorteile für zukünftige Runden gewinnen. Da es diese Standardkost anderswo besser und abwechslungsreicher gibt, stellt sich die Frage, ob man die Ressourcen nicht lieber in den Singleplayer hätte stecken sollen.

Technik

1080p, 60 Bilder pro Sekunde, spezielle Haar-Effekte: Tomb Raider kann sich auf der PS4 wirklich sehen lassen. Schon auf der Last Gen sah das Spiel grandios aus, die höher aufgelösten Texturen lassen das Bild aber noch eine Ecke schärfer erscheinen. Ob Laras überarbeitetes Gesicht weiterhin gefällt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Wer hat die Cervelats mitgebracht?
Wer hat die Cervelats mitgebracht? © Entwickler / Publisher

Schade, dass man man die Zeit nicht genutzt hat, um den visuellen Spam zu verringern. Lara hat gerade etwas Schlimmes durchgemacht - da braucht es keine Infobox, um die 50 XP für den Kopfschuss zu zelebrieren.

Im Voice-Acting hat sich nichts verändert. Nach wie vor treffen Laras Freunde die Stimmung nicht immer optimal im Ton, aber alles in allem wurde sehr professionell gearbeitet. Die musikalische Untermalung passt auch jederzeit zum Geschehen auf dem Bildschirm, im Gedächtnis wird sie aber nicht bleiben.

Alejandro Garcia [ale]

Alejandro schreibt und redigiert im Games-Bereich seit 2009 für OutNow. Sein Einflussbereich ist die Konsole, wo er Militär-Shooter und Racer mit Erfolg vermeidet. Dafür verschlingt er alles, was FromSoftware ihm vorsetzt.

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Kommentare Total: 15

ale

PS4-Review: Next-Gen-Haar
The Definitive Edition

db

Tomb Raider - oder Archäologie mit Abrissbirne

Die ersten Tomb Raider haben mich nie wirklich gereizt, zu viel Jump n' Run gedöns, schlechte Steuerung und da konnte auch Lara's stetig wachsender Vorbau nicht darüber hinwegtäuschen. Das Reboot habe ich mir jedoch gegönnt, es hiess mehr actionlastig, eher Covershooter und nachdem mir bereits Deus Ex 3 sehr gut gefallen hat, klang dies nach einem ähnlichen Gameplay. Was es letztendlich auch war, denn die beste Überlebenschance hat man eher mit schleichen und stealth vorgehen, als frontalem Angriff und die einigen leichten Rätsel sowie Jump-Einlagen haben sich auch gut ins Spiel eingefügt.

Von der Story her schafft es Tomb Raider mit schönen Tempelanlagen sowie den vielen Dokumenten die man auf der Insel entdecken kann - welche die Geschichte einiger Schlüsselfiguren auf der Insel erzählen - eine vielschichtige Saga aufzubauen, welche sich über mehrere Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende ersteckt. Diese kann man schrittweise erkunden und wie einst bei den ersten Staffeln von Lost, kommt immer wieder diese unheilvolle Drohung auf - was geschieht auf dieser Insel, was sind dies für Einrichtungen und was geschieht hier wirklich. Diese Fragen treiben einem voran und machen das Game nicht nur sehr faszinierend, es gibt einem auch das Gefühl eine in sich funktionierende und auch "reale" Welt zu erkunden.

Leider deckt sich aber die Hintergrundgeschichte nur bedingt mit der Realität. Während Deus Ex 3 eine komplett durchdachte und auch nachvollziehbare Welt bot, gibt es bei Tomb Raider viele Situationen wo einfach die Effeckthaschrei wichtiger war als glaubwürdigkeit. Da kann Lara noch so über einige Tempel staunen "Oooch die sind sicher mehere Tausend Jahre alt" - nachdem Lara durch ist und das Level abgeschlossen hat, liegt sowieso alles in Schutt und Asche. Das wird konsequent durchgezogen und gipfelt darin, dass man gefühlte 10 Minuten über die Dächer eines brennenden Palastes hüpfen muss, der notabene seit vielen hundert Jahren da gestanden hat. Klar sieht es spektakulär aus, wenn man eine Fassade hochklettert die langsam auseinander bricht, aber he das Teil steht seit Ewigkeiten am gleichen Ort, mit dieser Verfallrate wär das Teil schon lange weg.

Aber letztendlich geht man mit Lara auf eine Reise, welche sie von der naiven Studentin bis hin zum knallharten Survivor formt, und dies bringt die übertriebene Action mit der sehr gut ausgearbeiteten Hintergrundgeschichte zusammen. Dies und auch wegen der grossartigen Grafik kann man über einige Schnitzer hinwegschauen und die zum Teil sehr wiederholend ablaufenden Missionen hinnehmen. (Anruf "Lara ich hab ein Problem" - in Tempel/Palast/Boot/Bunker schleichen - ein paar leute Killen - aus dem brennenden/explodierenden/zerfallenden Gebäude wieder abhauen). In die gleiche Kategorie fallen auch einige Challenges, welche wohl die Spielzeit verlängern sollen. Geocaching auf einer verlassenen Insel - WTF? Hätte man lieber noch etwas mehr Content hinein gepackt, denn mit 19h Spielzeit ist das Spiel wie auch Bioshock in der unteren Grenze.

Fazit: Das Reboot Tomb Raider ist ein visuell grossartiger Cover-Shooter geworden, der interessante Hintergrundgeschichte mit zum Teil völlig übertriebener Action kombiniert und versucht mit dem üblichen Challenges die Spielzeit noch etwas zu heben. Dies macht das ganze aber auch etwas Zweischneidig, was auch bei näherem Hinschauen eher für Stirnrunzeln als Begeisterung sorgt. Dennoch bleibt es eine empfehlenswertes Abenteuer.

4.5

th

ich bin genau deiner meinung. es ist einfach keine challenge mehr, sondern ein durchlaufen. was ich meinte ist: das ist leider ein genereller trend, die aufmerksamkeitsspanne der spieler ist viel zu kurz geworden, als dass man sie noch mit hohen schiwerigkeitsgraden richtig fördern darf/kann/muss. ich kann mich an kein spiel der letzten monate erinnern, das nicht auch in höheren schwierigkeitsgraden ein durchlaufen gewesen wäre.

will ja kein original prince of persia mehr, aber bisschen mehr anspruch darfs schon sein. so ist tomb raider aber wie du's geschrieben hast halt "nur" ein interaktiver film (und ein sehr gut gemachter). und als solchen habe ich es letzten endes auch gespielt.

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